Die Fassade von Curry & Co. an der Louisenstraße in der Dresdner Neustadt ist in der Nacht zum Sonntag großflächig mit silber-grauer Farbe beschmiert worden. Unbekannte hinterließen außerdem die Zahlenkombination „161“, einen gegen die AfD gerichteten Schriftzug und mehrere Aufkleber.

Laut Polizei ereignete sich die Tat zwischen Samstag, 26. September, 23:15 Uhr, und Sonntag, 27. September 2026, 8:45 Uhr. Die Schadenshöhe war zunächst nicht bekannt. Öffentlich sind weder die Verantwortlichen noch ein konkreter Tatverdächtiger oder ein Motiv bekannt.

Aus Curry & Co. wird vorübergehend „Curry & Chrome“

Die Betreiberinnen Simone und Susanne Meyer-Götz reagierten nicht mit Rückzug, sondern mit einem Instagram-Reel – und griffen selbst zur Farbe. Aus dem Imbiss wurde vorübergehend „Curry & Chrome“. Die beiden Schwestern machten damit aus dem Farbanschlag eine sichtbare, ziemlich direkte Antwort. Als dauerhafter Firmenname ist „Curry & Chrome“ voraussichtlich nicht gedacht.

Curry & Co. besteht seit mehr als 20 Jahren und wird von Susanne und Simone Meyer-Götz gemeinsam betrieben. Als Unternehmensanschrift ist die Louisenstraße 62 angegeben. Aufgeben wollen die Schwestern nicht: Sie erklärten, den Imbiss weiterzuführen. Die Neustadt sei ihr Zuhause.

Der polizeiliche Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen. Polizeisprecher Marko Laske bestätigte, dass „161“ dem linken Spektrum zugeordnet werde. Die Zahlen stehen aufgrund der Position der Buchstaben im Alphabet für „AFA“, also „Antifaschistische Aktion“; auch das Bundesamt für Verfassungsschutz führt den Code in diesem Zusammenhang. Die Verwendung kann auf einen politischen Hintergrund hindeuten, beweist aber weder die politische Zuordnung noch die Identität der Täter.

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Politischer Streit nach MDR-Auftritt

Auslöser des politischen Streits war ein Auftritt von Simone Meyer-Götz in der MDR-Sendung „Fakt ist!“ am 23. September. Die stellvertretende Kreisvorsitzende beziehungsweise stellvertretende Vorsitzende der Dresdner CDU sprach dort über den Umgang mit der AfD, sogenannte Brandmauern und Unvereinbarkeitsbeschlüsse.

Meyer-Götz kritisierte den Begriff „Brandmauer“ und plädierte dafür, politische Schnittmengen stärker zu berücksichtigen und Unterschiede klar zu benennen. Nach der Sendung distanzierte sich der Dresdner CDU-Kreisverband von ihrem Auftritt und erklärte, sie habe als Privatperson gesprochen.

Anschließend wurde Meyer-Götz in sozialen Netzwerken massiv angegriffen. Zudem verbreiteten Unbekannte ihre private Wohnanschrift im Internet. Zwei Tage nach der Sendung berichtete DieSachsen.de darüber. Der Staatsschutz hatte sich bereits wegen der Veröffentlichung der Adresse eingeschaltet.

Meyer-Götz erklärte, ihre Aussagen seien aus dem Kontext gerissen und auf den Begriff „Brandmauer“ reduziert worden. Ob die Beschmierung des Imbisses mit ihren politischen Äußerungen oder der Verbreitung ihrer Adresse zusammenhängt, ist bislang nicht geklärt.

Die Polizei kündigte an, das Lokal künftig im täglichen Streifendienst besonders zu beobachten. Für die Betreiberinnen bedeutet das zunächst: Farbe weg, Betrieb weiter, Augen offen.

Politisch motivierte Sachbeschädigungen auch andernorts

Ein ähnlicher Fall wurde am 22. Oktober 2025 aus Heilbad Heiligenstadt bekannt. Dort entdeckte die Polizeiinspektion Eichsfeld gegen 11:05 Uhr zwei politisch motivierte Aufkleber auf der Fensterscheibe eines Wahlkreisbüros in der Wilhelmstraße. Die bislang unbekannten Personen hatten die Aufkleber angebracht; die Polizei entfernte sie anschließend.

Wegen politisch motivierter Sachbeschädigung wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Die weiteren Ermittlungen übernahm das Kommissariat für Staatsschutzdelikte der Kriminalpolizei. Das Aktenzeichen lautet 0274963R. Zeugen bat die Polizei um sachdienliche Hinweise an die Kriminalpolizei Heilbad Heiligenstadt unter Angabe dieses Aktenzeichens.

In Dresden laufen die Ermittlungen gegen unbekannte Täter weiter. Verantwortliche und konkretes Motiv sind öffentlich noch nicht bekannt. An der Louisenstraße hängt derweil wieder der Geruch von Curry in der Luft – neben der frischen Farbe.