Franz Gruß’ Nachlass bringt die Entstehung der Saurier von Kleinwelka ins Stadtarchiv Bautzen
Im Stadtarchiv Bautzen liegen jetzt die Unterlagen von Franz Gruß (1931–2006), dem Mann, den viele als „Sauriervater“ kennen. Der Dekorationsmaler war maßgeblich daran beteiligt, Dinosaurier und andere prähistorische Figuren im Sauriergarten Großwelka und im Saurierpark Kleinwelka zu gestalten.
Für das Archiv ist der Bestand mehr als eine private Sammlung. Er ergänzt die amtlichen Unterlagen um nichtamtliche Dokumente mit regionalgeschichtlicher Bedeutung. Neben solchen Beständen von Vereinen und Verbänden bewahrt das Stadtarchiv auch Unterlagen bedeutender Familien und Einzelpersonen auf. Schriftliche persönliche Unterlagen werden dabei als Vor- oder Nachlässe übernommen – je nachdem, ob die Übergabe zu Lebzeiten oder nach dem Tod erfolgt.
Pläne, Bilder und Spuren aus der Werkstatt
Zum Nachlass gehören persönliche Dokumente und Fotografien von Franz Gruß, dazu Bauzeichnungen sowie weitere Unterlagen zur Herstellung der Dinosaurier und anderer prähistorischer Lebewesen. Man kann sich darin vermutlich nicht nur die fertigen Saurier vorstellen, sondern auch die Arbeitsschritte dahinter: Entwürfe, Maße, Korrekturen, Entscheidungen. Papier statt Beton, aber mit direktem Bezug zu den Figuren, die Generationen von Besucherinnen und Besuchern gesehen haben.
Auch die Gästebücher gehören zur Übernahme. Aus einem Bestand von mehr als 250 Bänden wurden zehn ausgewählte Exemplare übernommen. Sie halten fest, woher die Besucherinnen und Besucher kamen, und bewahren zeitgenössische Eindrücke – vor allem ihre Begeisterung für die Saurieranlagen. Zwischen nüchternen Einträgen und spontanen Reaktionen dürfte sich da manches kleine Zeitdokument verstecken.
Erst erschließen, dann öffnen
In den kommenden Wochen und Monaten werden die Unterlagen zunächst archivisch erschlossen, in den Bestand eingearbeitet und damit für die weitere Nutzung vorbereitet. Danach sind sie grundsätzlich öffentlich nutzbar. Eine Ausnahme bilden die Gästebücher; sie bleiben von der öffentlichen Nutzung ausgenommen.
Grundlage ist das Sächsische Archivgesetz. Die Schutzfrist endete zehn Jahre nach dem Tod von Franz Gruß, also am 31. Dezember 2016. Für die Forschung zur Regionalgeschichte und zur Geschichte der Saurieranlagen entsteht damit eine neue schriftliche Quelle – nicht aus einer Verwaltungsperspektive, sondern aus dem Umfeld des Gestalters selbst.
Das Stadtarchiv Bautzen dankt der Familie, insbesondere der Ehefrau von Franz Gruß, für die Zusammenarbeit und die Überlassung beziehungsweise Übergabe des Nachlasses. Sein schriftliches Erbe soll dauerhaft erhalten bleiben und künftiger Forschung zugänglich sein. Die Saurier stehen längst draußen in Großwelka und Kleinwelka; jetzt bekommt auch ihre Entstehungsgeschichte einen festen Platz im Archiv.
