TU Dresden diskutiert Technologieoffenheit und Versorgungssicherheit für die Energiewende
Heute, am 7. Oktober 2026, treffen sich Fachleute beim 58. Kraftwerkstechnischen Kolloquium der TU Dresden. Die Veranstaltung findet am 6. und 7. Oktober 2026 im Internationalen Congress Center Dresden statt – ein Termin, der in der Energiewirtschaft heuer für ordentlich Gesprächsstoff sorgt.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Deutschlands Energiewende technisch und politisch weitergehen kann. Energietechnikexperten kritisierten ihren bisherigen Verlauf massiv. Ihre Forderungen: weniger Regulierung durch die Europäische Union und mehr Technologieoffenheit. Das klingt zunächst trocken, ist aber ein Streitpunkt mit Folgen für Kraftwerke, Netze, Industrie und den Maschinenbau.
Zwischen Windrad, Solarpark und Kraftwerk
Ein Bild zum Thema zeigt eine Luftaufnahme mit einer Windkraftanlage, Feldern und Photovoltaikmodulen eines Solarparks. Genau dieses Nebeneinander prägt die Debatte: erneuerbare Energien wachsen, gleichzeitig bleiben fossile Energieträger und Kernkraft, Speicher, Netze und flexible Kraftwerke Teil der technischen Diskussion.
Das Programm des Kolloquiums für 2026 ist verfügbar, die Themenschwerpunkte können sich allerdings noch ändern. Vorgesehen sind unter anderem Neubau- und Pilotprojekte in der Kraftwerkstechnik – von fossilen Kraftwerken und Kernkraftwerken bis zu Biomasse, Abfall und Klärschlamm sowie Wind, Solarenergie und Wasserkraft.
Auch Verbrennung und Dampferzeuger stehen auf der Liste. Dabei geht es um primäre und sekundäre Schadstoffminderung, Brennstoffe, Emissionen, Verschlackung und Korrosion sowie um CCS-Technologien. Bei kernenergetischen Systemen reichen die Themen von Endlagerung und Rückbau bis zur Sicherheit.
Technik muss mit schwankendem Strom klarkommen
Ein eigener Block widmet sich Energiemaschinen: Gas-, Dampf- und Wasserturbinen, Betriebsflexibilität, Betriebssicherheit und Zuverlässigkeit. Dazu kommen Prozesssimulation, Messtechnik und Digitalisierung mit optimierten Regelungen, Advanced Sensor Technology, Assistenzsystemen und Cybersicherheit. Das ist weniger glamourös als ein neues Windrad, entscheidet aber oft darüber, ob eine Anlage im Alltag stabil läuft.
Bei der Integration regenerativer Energieträger geht es um Speichersysteme wie Power-to-X und Batteriespeicher, um die Flexibilisierung fossiler Kraftwerke und um dezentrale Energieversorgungssysteme. Die Netze werden ebenfalls breit betrachtet: Strom- und Gasnetze, Ausbau und Regulierung sowie Systemdienstleistungen.
Für Betrieb und Instandhaltung stehen Regelarmaturen, Rohrleitungen und Behälter, Werkstoffe und Betriebsschäden auf dem Programm. Gerade dort zeigt sich, wie viel Detailarbeit hinter einer sicheren Energieversorgung steckt. Ein Ventil, das nicht mitspielt, wartet bekanntlich nicht auf die große energiepolitische Grundsatzrede.
Mehr erneuerbarer Strom, mehr Anforderungen
Der Ausbau von Solar-, Wind- und Wasserkraft ist eine zentrale Grundlage der Energiewende in Deutschland. Erneuerbare Energien sollen bis 2030 insgesamt 80 Prozent des Strombedarfs decken. Ihr Anteil an der Stromerzeugung liegt aktuell bei über 50 Prozent; 2023 deckten erneuerbare Energieträger rund 53 Prozent des Bruttostromverbrauchs.
Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien stieg von 211 TWh im Jahr 2018 auf 266 TWh im Jahr 2023. Besonders Windenergie und Photovoltaik trugen zum Anstieg bei. Die installierte Leistung von Wind- und Photovoltaikanlagen wuchs im selben Zeitraum von 118 GW auf 169 GW. Zum Vergleich: Fossile Kraftwerke verfügten 2023 über eine installierte Leistung von etwa 96 GW.
Mehr Anlagen bedeuten allerdings nicht automatisch jederzeit mehr Strom. Wind- und Solaranlagen sind vom Wetter abhängig, deshalb schwankt die Stromproduktion und steigt nicht immer parallel zum Anlagenzubau. In den kommenden 20 Jahren sollen weitere Anlagen entstehen, um die Emissionen des Stromsektors ab 2045 vollständig zu vermeiden, den Energiebedarf lokal, umweltverträglich und unabhängig von fossilen Importen zu decken und genügend erneuerbaren Strom für Verkehr und Wärme bereitzustellen.
Photovoltaik und Windenergie gelten als besonders wichtig, um den künftigen Strombedarf zu decken; für beide Technologien wurden Ausbauziele festgelegt. Für Windenergie an Land sollen bis 2032 zwei Prozent der deutschen Landesfläche bereitgestellt werden. Beim Photovoltaikausbau soll etwa die Hälfte der zusätzlichen Anlagen auf Dächern entstehen, etwa auf Wohnhäusern, Gewerbegebäuden und öffentlichen Gebäuden. Die andere Hälfte soll Freiflächen-Photovoltaik liefern, vorzugsweise auf bereits versiegelten oder vorbelasteten Flächen – beispielsweise entlang von Autobahnen und Bahnstrecken.
Agri-Photovoltaik erlaubt die gleichzeitige Nutzung landwirtschaftlicher Flächen für Stromerzeugung und Pflanzenanbau. Welche Flächen genutzt werden dürfen, legen die Bundesländer im Rahmen der Regionalplanung fest. Der rechtliche Rahmen soll den Schutz von Menschen, Natur und Landschaft sicherstellen. Für die Klimaschutzziele stehen nach den Angaben des Artikels ausreichend geeignete Flächen zur Verfügung.
Netze, Speicher und die alte Frage nach dem Backup
Der Ausbau von Wind- und Solarenergie lässt die Einspeisung stärker schwanken, während der Strombedarf unter anderem wegen Wärmepumpen und Elektroautos steigt. Für eine zuverlässige Versorgung braucht es deshalb leistungsfähige Stromnetze und Stromspeicher. Netze transportieren Energie etwa von den windreichen Küstenregionen im Norden zu den Industriezentren im Süden Deutschlands.
Ein gut ausgebautes Netz erleichtert außerdem den Stromhandel und die gegenseitige Unterstützung zwischen europäischen Ländern. Mehrere Leitungswege erhöhen die Widerstandsfähigkeit des Energiesystems, weil Strom bei Störungen umgeleitet werden kann. Regional ausgleichen können Stromnetze Angebot und Nachfrage allerdings nur begrenzt.
Speicher nehmen überschüssigen Strom aus Zeiten mit viel Wind und Sonne auf und speisen ihn bei geringer erneuerbarer Erzeugung wieder ins Netz ein. So kann auch nachts oder an windstillen Tagen Strom bereitgestellt werden. Die genannten Speicher ermöglichen nach den Angaben des Artikels jedoch noch keine langfristige Speicherung über längere Zeiträume.
Der Ausbau erneuerbarer Energien soll mit einer schrittweisen Verringerung der Stromproduktion fossiler Kraftwerke einhergehen. Die Stromerzeugung aus Kohle soll spätestens 2038 enden. Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen werden häufig mit fossilem Erdgas betrieben; Erdgas verursacht durch die Verbrennung sowie durch Methanemissionen bei Förderung und Transport klimawirksame Emissionen. Deshalb soll auch die erdgasbasierte Stromerzeugung reduziert werden.
Ganz verschwunden sind Gaskraftwerke damit nicht. Sie werden weiterhin benötigt, wenn die Stromnachfrage hoch und die erneuerbare Erzeugung niedrig ist. Künftig sollen solche Kraftwerke mit erneuerbaren Energieträgern, insbesondere Wasserstoff, betrieben werden.
Wasserstoff und strombasierte Kraftstoffe, sogenannte E-Fuels, sollen vor allem dort zum Einsatz kommen, wo erneuerbarer Strom nicht direkt genutzt werden kann. Mögliche Bereiche sind bestimmte Industrieprozesse sowie der Flug- und Schiffsverkehr. In Autos und Heizungen ist die direkte Nutzung von Strom laut Analysen meist günstiger und effizienter; Wasserstoff und E-Fuels würden dort die Kosten deutlich erhöhen.
So liegen beim Kolloquium in Dresden am Ende viele Fäden auf dem Tisch: Regulierung und Technologieoffenheit, Wind und Solar, fossile Kraftwerke und Kernkraft, Turbinen, Speicher, Netze, Wasserstoff und die Frage, welche Technik wann wirklich gebraucht wird. Draußen drehen sich die Anlagen weiter – drinnen wird ziemlich genau darüber gestritten, wie das künftig funktionieren soll.
