Am 6. Oktober 2026 erhält Leon Hohenstein den Fritz Leisch Award 2026 für seine BOKU-Masterarbeit „Hydrological Drought Forecasting and Event-Based Model Evaluation“. Der Preis wurde beim BOKU Data Science Event 2026 zum zweiten Mal verliehen. Hohenstein arbeitet derzeit an seiner Dissertation am GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung in Potsdam.

Seine Arbeit beschäftigt sich mit der kurz- bis mittelfristigen Vorhersage hydrologischer Dürren und der ereignisbasierten Bewertung entsprechender Modelle. Im Mittelpunkt stehen Methoden zur frühzeitigen Erkennung und Einschätzung von Dürreereignissen. Für die Auszeichnung zählen herausragende Masterarbeiten von BOKU-Studierenden, die statistische Methoden wissenschaftlich fundiert und anwendungsorientiert einsetzen.

Von Freiberg über Wien nach Potsdam

Hohenstein studierte Earth System Sciences an der Technischen Universität Bergakademie Freiberg sowie Water Management and Environmental Engineering an der BOKU. Berufliche und wissenschaftliche Erfahrungen sammelte er unter anderem am Luxembourg Institute of Science and Technology, an der TU Wien und bei der Bundesagentur für Wasserwirtschaft. Außerdem war er Studienassistent am Institut für Statistik der BOKU.

Die Auswahl traf eine Kommission aus Senior Scientists des Instituts für Statistik. Bewertet wurden insbesondere die wissenschaftliche Qualität sowie die sachgerechte und relevante Anwendung statistischer Methoden. Der Preis besteht aus einer Urkunde und 500 Euro Preisgeld.

Benannt ist die Auszeichnung nach Fritz Leisch, dem im April 2024 verstorbenen ehemaligen Leiter des Instituts für Statistik an der BOKU. Leisch war ein international anerkannter Statistiker und leistete Beiträge zum Statistical Computing und zur R-Community. Unter anderem war er der erste Generalsekretär der R Foundation for Statistical Computing. Ermöglicht wird der Award durch Spenden sowie durch finanzielle Unterstützung des Rektorats, des ehemaligen Departments und des Instituts für Statistik.

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Das Foto zeigt Gregor Laaha und Leon Hohenstein; © Lukas Schönmann.

Wenn Dürre nicht einfach nur ausbleibender Regen ist

Hydrologische Extreme wie Hochwasser und Dürren zählen weltweit zu den wesentlichen Naturgefahren. Ihre Folgen entstehen meist nicht an einer einzigen Stelle: In der Atmosphäre laufen physikalische Prozesse ab, dazu kommen Vorgänge in Einzugsgebieten und Flusssystemen. Auch sozioökonomische Prozesse spielen hinein und wirken wiederum auf physikalische Prozesse zurück.

Die Forschung am GFZ untersucht deshalb, welche Interaktionen zur Entstehung von Extremereignissen führen und wie menschliche Eingriffe sowie der Klimawandel das Risiko hydrologischer Extreme beeinflussen. Zum Einsatz kommen numerische und stochastische Simulationsmodelle, insbesondere gekoppelte Modelle, mit denen sich die Wechselwirkungen verschiedener Prozesse quantifizieren lassen.

Ein Modellierungsbeispiel verbindet Wettergeneratoren mit Einzugsgebietsmodellen und hydrodynamischen Modellen für Wasserflüsse in Flüssen und Überflutungsflächen. Hinzu kommen Modelle zum Versagen von Hochwasserschutzsystemen. Die Simulationen werden durch Verfahren zur Mustererkennung in großen Datensätzen ergänzt: durch nichtstationäre Extremwertstatistik, Bayes’sche Netzwerke und Random-Forest-Modelle.

Untersucht werden dabei viele Einzugsgebiete gleichzeitig – in Regionen von etwa 100.000 km². So lässt sich verfolgen, wie hydrologische Extreme über unterschiedliche räumliche und zeitliche Skalen entstehen und sich verändern. Für eine Arbeit über Dürrevorhersagen ist das kein kleiner Nebenschauplatz, sondern der ziemlich harte Kern.

Wasserverfügbarkeit in Deutschland

Wie angespannt die Lage werden kann, untersucht auch das Umweltbundesamt im Projekt „Auswirkung des Klimawandels auf die Wasserverfügbarkeit – Anpassung an Trockenheit und Dürre in Deutschland“ (WADKlim). Im Fokus stehen die Auswirkungen von Trockenheit und Dürre auf das Wasserdargebot, den Bodenwasserhaushalt und die Grundwasserverfügbarkeit in Deutschland.

Das Projekt gibt einen Überblick über die aktuelle Wasserverfügbarkeit und ihre voraussichtliche Entwicklung unter Bedingungen des Klimawandels. Analysiert werden außerdem gegenwärtige und künftige Wassernutzungskonflikte. Entwickelt werden Lösungsstrategien und Maßnahmen für einen vorausschauenden Umgang mit Wasser und zur Vermeidung solcher Konflikte.

Ein weiterer Baustein ist die Untersuchung und Bewertung von Möglichkeiten, Chancen und Risiken der Wasserwiederverwendung zur Bewässerung im urbanen Raum. Gerade dort, wo im Sommer der Boden staubt und gleichzeitig Trinkwasser, Landwirtschaft, Grünflächen und Industrie um dieselbe Ressource ringen, wird die Frage ziemlich konkret.

Das WADKlim-Projekt erschien in der Reihe „Texte“ des Umweltbundesamts als Nr. 143/2024. Die Veröffentlichung umfasst 331 Seiten, erschien im Oktober 2024 beim Umweltbundesamt und ist auf Deutsch verfügbar. Die Forschungskennzahl lautet 3720 48 278 0.

Als Autorinnen und Autoren werden Ulf Stein, Jenny Tröltzsch, Rodrigo Vidaurre, Hannes Schritt, Benedict Bueb, Johanna Reineke, Martina Flörke, Thorben Uschan, Frank Herrmann, Stefan Kollet, Niklas Wagner, Ian McNamara, Tom Guggenberger, Matthias Barjenbruch, Thomas Dworak und Guido Schmidt genannt.

Zusätzlich steht ein 5,90 MB großes Factsheet zur Verfügung. Die PDF-Datei ist barrierefrei und 51,53 MB groß; eine Druckversion gibt es nicht. Schlagworte der Veröffentlichung sind Dürre, Grundwasserneubildung, Wasserdargebot und Wasserwiederverwendung.

Quelle 1: BOKU
Quelle 2: GFZ
Quelle 3: Umweltbundesamt