Sachsen und die Mongolei vertiefen ihre Partnerschaft zwischen Forschung, Bergbau und Kaschmir
Freiberg rückt am 21. Oktober 2026 ein gutes Stück näher an die Mongolei. Erstmals soll in der Stadt ein mongolisches Konsulat eingerichtet werden. Ein Wirtschaftsvertreter aus Freiberg soll das Amt des Honorarkonsuls übernehmen. Das berichtet die „Freie Presse“ vor dem Hintergrund einer zunehmend engeren deutsch-mongolischen Zusammenarbeit mit Schwerpunkt Sachsen.
Passend dazu besucht der mongolische Staatspräsident Leipzig und Dresden. Im Berliner Gropius Bau wird außerdem eine Ausstellung über Dschingis Khan eröffnet. Und an der TU Bergakademie Freiberg ist die Mongolei ohnehin kein fernes Kapitel aus dem Atlas: Rohstoffexperten der Universität waren bei einer Bergbaukonferenz in dem zentralasiatischen Land.
Zwischen Bergbau und Campus
Genannt werden Carsten Freese und seine Kollegin Dulamjav Unursaikhan. An der Mongolischen Universität für Wissenschaft und Technologie trafen sie Bolormaa Dendev, eine Absolventin der TU Freiberg. Dendev leitet dort das Sächsische Verbindungsbüro für wissenschaftliche Zusammenarbeit – eine ziemlich direkte Verbindung zwischen den Hochschulen, mehrere tausend Kilometer entfernt und doch im Gespräch ständig präsent.
In Ulaanbaatar wächst derweil eine neue Stadtkulisse aus Glas und Beton. Ein Kohlekonzern baut ein Gebäude mit 55 Etagen, das zum höchsten des Landes werden soll. Daneben bleibt das Bild der Mongolei, das viele im Kopf tragen: Jurten am Schildkrötenfelsen im Nationalpark Gorkhi-Terelj bei Ulaanbaatar. Steppe, Hochhäuser, Rohstoffforschung – alles gleichzeitig.
Eine Woche mit Landwirtschaft, Forschung und Kaschmir
Wie breit die Kontakte inzwischen angelegt sind, zeigten die Mongolei-Tage am 13. und 14. Oktober 2025. Staatskanzleichef Dr. Andreas Handschuh und der mongolische Bildungsstaatssekretär Batjargal Khandjav eröffneten sie in Dresden. Die Veranstaltungen fanden in Dresden, Leipzig und Freiberg statt und standen im Zeichen des 100-jährigen Bestehens der Bildungskooperation zwischen Sachsen und der Mongolei.
Eine hochrangige mongolische Delegation mit Vertretern von Universitäten, Hochschulen und Ministerien kam dafür nach Sachsen. Am 13. Oktober standen in der Sächsischen Staatskanzlei zwei Fachforen auf dem Programm. Im Forum Landwirtschaft erhielten mongolische Vertreter staatlicher Landwirtschaftsbetriebe Einblicke in die sächsische Agrarwirtschaft. Zugleich informierte die mongolische Seite über Reformen in Landwirtschaft und Nahrungsmittelindustrie sowie über Schwierigkeiten beim Zugang zum europäischen Markt. Nachmittags waren Besichtigungen sächsischer Landwirtschaftsbetriebe vorgesehen, um mögliche künftige Kooperationen auszuloten.
Im Forum Bildung und Wissenschaft ging es um Hochschulaustausch, Fachkräfteentwicklung und gemeinsame Forschung. Als Beispiel diente die Partnerschaft zwischen der Deutsch-Mongolischen Hochschule für Rohstoffe und Technologie und der Technischen Universität Bergakademie Freiberg. Am 14. Oktober besuchte die Delegation unter anderem die TU Bergakademie Freiberg und die Universität Leipzig. Beide Hochschulen unterhalten langjährige Kontakte zur Mongolei.
Eine wichtige Anlaufstelle ist das 2024 eingerichtete Saxon Science Liaison Office, kurz SSLO, in Ulanbaatar. Es unterstützt mongolische Studieninteressierte bei der Studienwahl in Sachsen und fördert die Zusammenarbeit sowie den Austausch zwischen Hochschulen, Studierenden und Forschenden beider Länder.
Parallel lockte am 13. und 14. Oktober ein mongolischer Markt in die Dresdner Innenstadt. Von 9:30 bis 17:30 Uhr wurde auf dem Platz zwischen der Altmarktgalerie und dem Dr.-Külz-Ring verkauft: mongolische Markenprodukte aus Ziegenkaschmir, Leder, Yak- und Kamelwolle sowie weitere Exportprodukte. Wer dort zwischen den Ständen unterwegs war, bekam die wirtschaftliche Seite der Partnerschaft vermutlich ziemlich handfest zu spüren – weich, warm und manchmal ein wenig kratzig.
Eine lange Geschichte, die nicht erst heute beginnt
Die deutsch-mongolischen Beziehungen gehen vor allem auf die Kontakte zwischen der DDR und der Mongolischen Volksrepublik zurück. Während des Kalten Krieges vergab die DDR viele Stipendien und leistete umfangreiche Wirtschaftshilfe. Dadurch blieb deutsche Kultur in der Mongolei präsent; etwa 30.000 Mongolen sprechen Deutsch. Mit einem bilateralen Handelsvolumen von 126 Millionen Euro ist Deutschland nach Großbritannien der zweitwichtigste Handelspartner der Mongolei innerhalb der EU.
Der erste Kontakt zwischen Deutschen und Mongolen wird auf das Jahr 1241 datiert: Bei der Schlacht von Liegnitz siegten die Mongolen, zogen sich danach aber in Richtung Ungarn zurück. 1776 veröffentlichte Peter Simon Pallas die „Sammlung historischer Nachrichten über die mongolischen Völkerschaften“. In den folgenden Jahrzehnten erschienen weitere deutschsprachige Werke über die Mongolei und ihre Kultur.
1909 brach der deutsche Ethnograph und Forschungsreisende Walther Stötzner zu einer Expedition in die Mongolei und nach Kleinasien auf. Vom Kaukasus reiste er über Buxoro, Samarqand und Taschkent nach Sibirien. Von Bijsk aus ritt er mit eigenen Pferden über das Altaigebirge und durch die Mongolei bis nach Peking. Die Mongolei war damals noch eine chinesische Provinz.
Im damaligen Niislel chüree, dem heutigen Ulaanbaatar, entstand 1921 die erste deutsch-mongolische Handelsgesellschaft. Deutsche Geschäftsleute eröffneten erste Handelsfilialen, in den folgenden Jahren wurden vor allem deutsche Maschinen in die Mongolei exportiert. Der mongolische Kultusminister Erdeniin Batuchan setzte sich 1924 und 1926 in der Weimarer Republik für mongolische Schüler und Studenten in Deutschland ein.
Ganz reibungslos lief das nicht. Wegen Spionagevorwürfen gegen deutsche Kaufleute verschärften sich die Beziehungen. Der zunehmende Stalinismus in der Mongolei betrachtete Deutsche als negativen kapitalistischen Einfluss. Bis 1930 hatten sich alle deutschen Kaufleute aus der Mongolei zurückgezogen.
Von Fabriken zu Forschungspartnerschaften
Bis 1950 bestanden keine diplomatischen Beziehungen zwischen deutschen Staaten und der Mongolei. Am 13. April 1950 nahm die DDR wegen der gemeinsamen politischen Ausrichtung als Staaten des Ostblocks diplomatische Beziehungen zur Mongolei auf. Im Zentrum standen Wirtschaftshilfe, Stipendien für mongolische Studierende in Deutschland und gegenseitige Staatsbesuche. Die DDR wurde zum wichtigsten europäischen Partner der Mongolei.
Der Besuch des DDR-Ministerpräsidenten Otto Grotewohl 1955 führte zum Aufbau von Handelsbeziehungen, die vor allem auf Entwicklungshilfe der DDR beruhten. Zwischen 1960 und 1984 wurden mit DDR-Unterstützung mehrere Fabriken errichtet: eine Streichholzfabrik, eine Teppichfabrik und ein Fleischkombinat. Außerdem vereinbarten DDR und Mongolei eine Zusammenarbeit im Bergbau. Im November 1968 gründeten sie einen Ausschuss für wirtschaftliche sowie wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit, im September 1973 vereinbarten beide Staaten die gegenseitige Anerkennung von Schul- und Hochschulabschlüssen.
Die Bundesrepublik Deutschland nahm am 31. Januar 1974 erstmals Kontakt mit der Mongolei auf und bemühte sich um diplomatische Beziehungen. 1989 wurden in München rund 300 Exponate mongolischer Museen unter dem Titel „Kunst und Kultur des mongolischen Reitervolkes“ gezeigt.
Nach der deutschen Wiedervereinigung folgten zahlreiche Besuche hochrangiger deutscher und mongolischer Politiker und Delegationen. Am 22. August 1994 unterzeichneten Deutschland und die Mongolei ein Doppelbesteuerungsabkommen, im Oktober 1995 folgte ein Abkommen über finanzielle Zusammenarbeit. Von Mai bis Juni 1995 tagte in Ulaanbaatar die gemischte deutsch-mongolische Kulturkommission unter Leitung von Peter Truhart. Im März 1998 reiste eine Delegation des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung des Deutschen Bundestags in die Mongolei.
Am 16. September 1997 wurde ein Abkommen über kulturellen Austausch und kulturelle Zusammenarbeit unterzeichnet. Es folgten der Besuch des deutschen Bundespräsidenten Roman Herzog in der Mongolei 1998 und der Besuch des mongolischen Staatspräsidenten Natsagiin Bagabandi in Hannover zur Expo 2000.
2001 fand im mongolischen Außenministerium in Ulaanbaatar die erste Konferenz des Mongolisch-Deutschen Forums statt. Das Forum dient als fachübergreifendes Diskussionsforum und soll neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit schaffen. 2007 unterzeichneten beide Staaten ein weiteres
