In Brüssel ist das 15-jährige Bestehen der EuroTech Universities Alliance gefeiert worden. Die von der Technischen Universität München (TUM) mitgegründete Allianz bündelt Forschung, Innovation und Infrastrukturen – mit dem Ziel, Europas technologische Entwicklung gemeinsam voranzubringen.

Für die TUM in München ist das mehr als ein runder Geburtstag. Zum 1. Januar 2027 treten die Tschechische Technische Universität in Prag (CTU) und die Tallinn University of Technology (TalTech) bei. Damit wächst die Zahl der Mitgliedsuniversitäten auf acht. Die Beitrittsvereinbarungen wurden während der Jubiläumsveranstaltung unterzeichnet.

Von der Partnerschaft zum europäischen Netzwerk

TUM-Präsident Prof. Thomas F. Hofmann erklärte, die Allianz sei vor 15 Jahren gegründet worden, um die europäische Zusammenarbeit zu stärken. Nach seinen Angaben hat sie sich seitdem von einer Partnerschaft mehrerer Universitäten zu einem Netzwerk entwickelt, das Spitzenforschung, Innovation und europäische Politik miteinander verbindet.

CTU und TalTech ergänzen die Allianz laut Hofmann durch ihre wissenschaftlichen Stärken und ihre Innovationsökosysteme. Die erweiterten gemeinsamen Strukturen sollen Initiativen ermöglichen, die einzelne Universitäten allein nicht umsetzen könnten. Das klingt nach großen Plänen – und bringt zugleich ziemlich praktische Fragen mit sich: Wie werden Studienangebote verbunden, Forschung geteilt und Wege über Grenzen hinweg leichter gemacht?

Europäische Hochschulen: viel Bewegung, viele Baustellen

Der Ausbau der EuroTech Alliance fällt in eine Zeit, in der europäische Hochschulkooperationen insgesamt deutlich an Gewicht gewinnen. Die Europäische Kommission wählte im Juli 2019 die ersten „Europäischen Hochschulen“ aus. Die Initiative soll Qualität, Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit europäischer Hochschulen stärken und zur europäischen Zusammenarbeit beitragen.

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In Deutschland begleitet der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) diese EU-Initiative mit dem nationalen Programm „Europäische Hochschulnetzwerke (EUN) – nationale Initiative“. Unterstützt werden deutsche Hochschulen beim Einstieg und bei der Weiterentwicklung Europäischer Hochschulen. Deutsche Hochschulen in EU-geförderten Konsortien können zusätzliche nationale Förderung beantragen; antragsberechtigte Hochschulen werden vom DAAD zur Antragstellung aufgefordert.

Die Förderung konzentriert sich auf Lehre, Forschung und die „Third Mission“. Sie soll tragfähige Allianzen ausbauen, die europäische Dimension deutscher Hochschulen stärken und ihre Positionierung für künftige EU-Ausschreibungen verbessern. Darüber hinaus geht es um die Leistungsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit des Hochschulsystems, um das Wissensviereck aus Lehre, Forschung, wissenschaftlicher Innovation und gesellschaftlicher Interaktion – und um ein geeintes Europa mit einer neuen Generation von Europäerinnen und Europäern.

Wie breit das Feld inzwischen ist, zeigen die aktuellen Entwicklungen. Microcredentials sollen flexible Formen akademischen Lernens und neue Wege der Anerkennung ermöglichen; die Universität zu Köln arbeitet daran insbesondere in der Allianz EUniWell. In einer aktuellen Auswahlrunde waren 23 deutsche Hochschulen erfolgreich. Damit sind 68 deutsche Hochschulen an Europäischen Hochschulallianzen beteiligt, deutsche Hochschulen sind in allen 20 in dieser Runde ausgewählten Allianzen vertreten.

Laut EU-Kommissionsbericht ist etwa die Hälfte der europäischen Studierenden an Hochschulen eingeschrieben, die Teil einer Europäischen Hochschulallianz sind. In Deutschland beträgt dieser Anteil 47,9 Prozent. Die Allianz Transform4Europe beschäftigt sich unter anderem mit der Anrechnung europäischer Lehrtätigkeiten für Dozentinnen und Dozenten; koordiniert wird sie von der Universität des Saarlandes.

Förderung, Runden und viele Namen

Für die Förderung gibt es die Rahmenzeiträume 2027–2028, 2025–2028, 2024–2027 und 2023–2026. Zu den jeweiligen Runden stehen Merkblätter zu förderfähigen Ausgaben sowie zur Mobilität von Personen mit Behinderung oder chronischer Erkrankung bereit.

In der ersten Runde 2020–2022 waren unter anderem die Freie Universität Berlin, die Universität Bremen, die Technische Universität Darmstadt, die Universität Freiburg, das KIT, die Universität Heidelberg, die Universität Leipzig, die Universität Mainz, die LMU München, die Universität Potsdam und die Universität Tübingen dabei.

Die zweite Runde 2021–2023 umfasste unter anderem die RWTH Aachen, die Technische Universität und die Humboldt-Universität zu Berlin, die Ruhr-Universität Bochum, die Universität Bonn, die Hochschule Darmstadt, die Universität Duisburg-Essen, die Universität zu Köln, die Universität Mannheim, die Technische Universität München und die Universität des Saarlandes.

Zur dritten Runde 2023–2026 gehören unter anderem die DHBW, die Technische Universität Dresden, die Hochschule Karlsruhe, die Universität Hamburg, die Universität Magdeburg, die Universität Rostock, die Hochschule Ruhr-West und die Universität Würzburg.

In der vierten Runde 2024–2027 finden sich unter anderem die Universität Bielefeld, die Hochschule Bremen, die Universität Fulda, die Universität Gießen, die Universität Marburg, die Leibniz Universität Hannover, die Universität Münster, die Universität Paderborn und die Europa-Universität Viadrina sowie weitere Hochschulen.

Die fünfte Runde 2025–2028 umfasst unter anderem die Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, die Technische Universität Chemnitz, die Technische Hochschule Deggendorf, die Europa-Universität Flensburg, die Universität Greifswald, die FernUniversität in Hagen, die Hochschule Heilbronn, die Technische Hochschule Köln, die Hochschule Offenburg, die OTH Regensburg, die Bauhaus-Universität Weimar und die Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt. Zusätzlich sind Hochschulen in den Programmlinien „Topping up“ sowie „Approved but not funded“ aufgeführt.

Vom Podcast bis zum digitalen Campus

Der DAAD hält das Thema auch außerhalb von Anträgen und Förderrunden sichtbar. Der Podcast „Campus Europa“ behandelt Fragen der Europäischen Hochschulallianzen und umfasst zwei Staffeln mit Gesprächen mit Hochschulvertreterinnen und -vertretern. Die Episodenübersichten stehen zum Download bereit.

Rund um den Europatag am 9. Mai finden die „Wochen der Europäischen Hochschulen“ statt; dokumentiert sind Ausgaben von 2022 bis 2026. Jahrestagungen des Programms wurden unter anderem 2022, 2023, 2024 und 2025 in Bonn veranstaltet. Virtuelle Runde Tische zu Chancen, Erfolgen und Herausforderungen gab es 2021, 2023 und 2025, 2020 außerdem eine virtuelle Tagung zu strategischen Hochschulkooperationen. Berichte, Interviews, Pressemitteilungen und eine YouTube-Playlist ergänzen das Angebot.

Im Rahmen des Programms wurden Umfragen zu regulatorischen Rahmenbedingungen, Microcredentials und strukturellen Verbesserungen durchgeführt. Die „Allianzenrunde Deutschland“ veröffentlichte Factsheets zu Akkreditierung internationaler Studiengänge, digitalem Campus und digitaler Transformation, gemeinsamen Studienangeboten, der Kultur des Studierens, einer europäischen Rechtsform für Allianzen, Microcredentials, Forschenden, Lehrenden und Mobilität sowie virtuellen und Kurzzeitmobilitäten.

Die Factsheets beschreiben regulatorische Hürden europäischer Hochschulkooperationen in Deutschland. In der Arbeitsgruppe sitzen Vizepräsidentinnen und Vizepräsidenten deutscher Hochschulen in Europäischen Hochschulnetzwerken; begleitet wird sie vom DAAD. Und mit FOREU4ALL gibt es eine gemeinsame Plattform für alle 73 Europäischen Hochschulallianzen, auf der Erfahrungen ausgetauscht und gute Praxis weitergegeben werden kann. Beteiligt sind unter anderem Hochschulverbände, Netzwerke und Studierendenorganisationen – in thematischen Arbeitsgruppen und Governance-Strukturen.