TUM eröffnet das Center for Organoid Systems für menschliche Mini-Organe
In München bekommt die Medizin ein neues Labor für sehr kleine, aber möglicherweise ziemlich folgenreiche Strukturen: An der Technischen Universität München (TUM) wurde das Center for Organoid Systems (COS) eröffnet. Dort züchten Forschende Mini-Organe aus menschlichen Zellen – organähnliche Strukturen, die aus primärem Gewebe oder pluripotenten Stammzellen gewonnen werden.
Bei der Vorstellung des Zentrums waren TUM-Präsident Thomas F. Hofmann, Wissenschaftsminister Markus Blume, COS-Executive-Director Matthias Hebrok sowie die COS-Co-Direktoren Andreas Bausch und Maximilian Reichert anwesend. Das neue Forschungslabor wurde in Holzhybrid-Bauweise errichtet. Der Bericht über die Eröffnung erschien am 6. Oktober 2026 um 20:03 Uhr.
Mini-Organe als Modelle für Krankheiten
Das COS entwickelt fortschrittliche menschliche Organoid-Technologien, um die menschliche Biologie besser zu erforschen und Krankheiten gezielter zu behandeln. Die Modelle sollen helfen, die Entwicklung von Organen zu verstehen und nachzubilden, die Organbildung für Zelltherapien zu beeinflussen sowie Krebs genauer zu untersuchen und zu bekämpfen.
Im Mittelpunkt stehen Volkskrankheiten. Therapien sollen stärker auf einzelne Patientinnen und Patienten zugeschnitten werden können. Zugleich verbindet die Forschung die Hoffnung, Tierversuche zu reduzieren und langfristig geschädigte Organe gezielt zu ersetzen. Bis dahin ist es ein weiter Weg – im Labor beginnt er mit Zellen, Nährmedien und vielen geduldigen Arbeitsschritten.
Die Zielgruppen reichen von Patientinnen und Patienten mit Herzerkrankungen über Menschen mit Krebs oder Diabetes bis zu Betroffenen neurodegenerativer Erkrankungen. Forschungsbereiche sind unter anderem die Entwicklung und Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, Neurologie, Herz-Kreislauf-Forschung, Mikrobiologie, Bioelektronik und Biophysik.
Viele Fächer, ein Zentrum
Am COS arbeiten Fachleute aus Medizin, Zellbiologie, Mikrobiologie, Gentherapie, Informatik, Biophysik und Bioelektronik zusammen. Künstliche Intelligenz, Bioengineering und Nanotechnologie sollen dabei helfen, neue Behandlungsmöglichkeiten schneller zu entwickeln und in die klinische Anwendung zu bringen.
Das Zentrum verbindet die TUM Schools Natural Sciences, Life Sciences, Computation, Information and Technology sowie Medicine and Health mit dem TUM University Hospital. Eingebettet in dieses Forschungsumfeld sollen neue Erkenntnisse über menschliche Biologie und Medizin entstehen – nicht abgeschottet in einer einzelnen Disziplin, sondern mitten im Austausch.
Für Studierende und Nachwuchsforschende gibt es ebenfalls Anknüpfungspunkte. Das COS veröffentlicht aktuelle Nachrichten und informiert über offene Stellen. Postdoktorandinnen und Postdoktoranden, Promovierende sowie Bachelor- und Masterstudierende sollen sich bei Interesse direkt an einzelne Forschungsgruppen wenden. Bewerbungen werden ausdrücklich nicht über die zentralen COS-Kontakte eingereicht.
Ein Münchner Projekt mit langem Atem
Am heutigen 7. Oktober 2026 ist das Zentrum damit noch kein fertiges Versprechen auf neue Organe aus dem Labor, sondern ein Ort, an dem Grundlagenforschung, Technik und medizinische Anwendung enger zusammenrücken sollen. Gerade die Organoide aus menschlichen Zellen könnten dabei eine Brücke bilden: klein genug für kontrollierte Experimente, aber biologisch näher am Menschen als viele herkömmliche Modelle.
Ob daraus künftig individuell passende Therapien oder gezielt ersetzbare Organe entstehen, wird die Forschung erst zeigen. Im neuen Holzhybrid-Gebäude an der TUM München geht es zunächst um die vielen kleinen Schritte dazwischen – um Zellen, Organsysteme, Daten und die Frage, was menschliche Biologie im Labor tatsächlich verrät.
