In München entwickelt die Technische Universität München (TUM) einen weichen Exosuit, der älteren Menschen das Aufstehen und Gehen erleichtern soll. Der sensor- und motorbetriebene Anzug arbeitet mit künstlichen Sehnen, die die Hüftstreckung unterstützen. Gerade das Aufstehen wird im Alter oft schwieriger, wenn Hüft- und Beinmuskeln schwächer werden und die Koordination nachlässt.

Das System wiegt 2,86 Kilogramm und setzt an der Hüfte an. Es besteht aus zwei Oberschenkelriemen, einem Hüftgurt und künstlichen Sehnen. Ein kleiner Motor wird am Rücken wie ein Rucksack getragen; zwei Sensoren an den Oberschenkeln erfassen die Beinbewegungen in Echtzeit. Erkennt die Steuerung, dass jemand aufsteht oder geht, aktiviert sie den Motor. Dieser zieht an den künstlichen Sehnen und unterstützt dadurch die Hüfte – aber nur im passenden Moment.

Wenn der Anzug im richtigen Augenblick mithilft

Damit das klappt, muss der Exosuit Bewegungen intuitiv und synchron erkennen. Dafür nutzt das System maschinelles Lernen. Zum Training des Algorithmus sammelten die Forschenden zunächst Bewegungsdaten junger, gesunder Personen. Weitere Nutzungsdaten sollen helfen, die Steuerung weiter zu verfeinern. An- und Ausziehen lässt sich der Anzug innerhalb weniger Minuten, außerdem kann er über normaler Kleidung getragen werden.

Getestet wurde der Exosuit mit zehn Erwachsenen im Alter von 69 bis 85 Jahren. Das Durchschnittsalter lag bei 77,7 Jahren; alle Teilnehmenden hatten eingeschränkte Funktionen der unteren Extremitäten. Im Ein-Minuten-Aufstehtest schafften sie ohne Unterstützung durchschnittlich 16,8 Sitz-Steh-Wiederholungen. Mit Exosuit waren es 18,6 – also 1,8 Wiederholungen mehr. In einem weiteren Bericht zur Untersuchung ist von durchschnittlich 18 Zyklen pro Minute die Rede, etwa zwei mehr als ohne Hilfe.

Auch das Tempo innerhalb eines Zyklus nahm zu: Die Dauer eines einzelnen Sitz-Steh-Ablaufs verkürzte sich im Mittel um 9 Prozent, in der Untersuchung um bis zu 21,9 Prozent. Einzelne Teilnehmende schafften bis zu vier zusätzliche Zyklen pro Minute. Das klingt nach einer kleinen Zahl, macht sich bei wiederholten Bewegungen aber durchaus bemerkbar.

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Weniger Aufwand beim Gehen – aber nicht bei allen

Im Sechs-Minuten-Gehtest sank der metabolische Transportaufwand durchschnittlich um 13,6 Prozent. Ein weiterer Bericht beziffert den Rückgang auf 14 Prozent. Sieben von neun ausgewerteten Personen verbrauchten mit Exosuit weniger Energie, bei vier von ihnen sank der Aufwand um mehr als 20 Prozent. Die größte gemessene Verringerung betrug 27,5 Prozent.

Eine Einschränkung steckt allerdings mitten in diesen erfreulichen Zahlen: Bei zwei Personen stieg der Energieverbrauch um 9,9 beziehungsweise 18 Prozent. Die Reaktionen fielen also unterschiedlich aus. Die Teilnehmenden bewerteten ihr Autonomiegefühl mit mehr als 6 von 7 Punkten; sie gaben an, die Kontrolle über ihre Bewegungen zu behalten. Beschrieben wurde der Anzug außerdem als nicht störend und bequem tragbar.

Die Studie erschien unter dem Titel „Enhancing sit-to-stand transitions and walking efficiency in older adults with a soft robotic suit“ von Zhang et al. in Nature Communications, Ausgabe 17(1):6540. Beteiligt waren unter anderem Xiaohui Zhang, Enrica Tricomi, Marios Stefanakis, Nathalie Gierden, Theresa Buchner, Luka Miskovic, Jürgen M. Bauer, Christian Werner, Clemens Becker und Lorenzo Masia.

Vielversprechender Test, noch kein Alltagseinsatz

Die Versuche fanden kurzzeitig unter Laborbedingungen statt. Die Zahl der Teilnehmenden war gering, und die Forschenden weisen selbst auf die kurzen Tests hin. Ob die Effekte beim Aufstehen und Gehen über längere Zeit bestehen bleiben oder sich im Alltag wiederholen, ist deshalb ungeklärt. Auch der teils erhöhte Energieverbrauch zeigt, dass ein breiter Einsatz möglicherweise individuelle Anpassungen des Systems erfordern würde.

Die TUM sieht mögliche Anwendungen vor allem in der Rehabilitation und Altenpflege. Denkbar wäre der Anzug für ältere Menschen, die länger selbstständig bleiben möchten, ebenso wie für Reha-Angebote. Ob aus den wenigen Minuten Unterstützung irgendwann eine verlässliche Alltagshilfe wird, müssen weitere Untersuchungen zeigen. Derzeit bleibt es bei einem kurzen Blick ins Labor – mit künstlichen Sehnen, kleinen Motorgeräuschen und einigen zusätzlichen Aufstehbewegungen.

Quelle 1: https://www.ad-hoc-news.de/wissenschaft/exosuit-fuer-senioren-geh-aufwand-sinkt-im-test-um-bis-zu-27-5-prozent/70219568
Quelle 2: https://www.tum.de/aktuelles/alle-meldungen/pressemitteilungen/details/mit-einem-weichen-exosuit-einfacher-aufstehen
Quelle 3: https://www.deutschesgesundheitsportal.de/2026/09/28/mit-einem-weichen-exosuit-einfacher-aufstehen/