TUM führt Deutschlands Universitäten bei europäischen Patentanmeldungen an
Die Technische Universität München (TUM) gehört zu den zehn Universitäten mit den meisten Patentanmeldungen beim Europäischen Patentamt (EPA). Im Jahr 2025 reichte sie 103 Anmeldungen ein – weltweit Rang 9, europaweit Rang 6 und deutschlandweit Rang 1.
Veröffentlicht wurde die Rangliste im Rahmen einer Untersuchung des EPA, des Europäischen Verbands für Experten im Technologietransfer (ASTP) und des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI). Für die TUM ist das ein ziemlich großer Sprung ins Rampenlicht der europäischen Forschung: Keine andere deutsche Universität kam auf mehr Anmeldungen.
Biotechnologie liegt vorn
Auf Platz zwei in Deutschland folgte die RWTH Aachen mit 45 Patentanmeldungen. Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg kam auf 39. Zählt man große außeruniversitäre Forschungsgesellschaften hinzu, lag die TUM deutschlandweit auf Rang 3 – hinter der Fraunhofer-Gesellschaft und der Max-Planck-Gesellschaft.
Die meisten TUM-Patente entfielen auf die Biotechnologie: 25 Anmeldungen wurden in diesem Bereich verzeichnet. Dazu kamen 11 aus der Medizintechnik und 9 aus dem Arzneimittelsektor. Gerade dort ist der Weg von einer Idee aus dem Labor bis zu einem Produkt oft lang, teuer und, ehrlich gesagt, ziemlich nervenaufreibend.
Die Universität berät Erfinderinnen und Erfinder zu Patenten und übernimmt zentral die Kosten für die Einschätzung der Patentfähigkeit, für Marktanalysen und für Patentverfahren. Professuren können Fördermittel erhalten und an Einnahmen aus der Patentverwertung beteiligt werden. Für die Verwertung über Ausgründungen bietet die TUM Start-ups außerdem einen beschleunigten Verhandlungsprozess an. Ziel ist ein Vertrag über geistiges Eigentum innerhalb von drei Monaten.
Vom Forschungsergebnis zum Markt
Der größere Zusammenhang reicht weit über den Campus in München hinaus. Europa verfügt über eine starke wissenschaftliche Basis; für die Wettbewerbsfähigkeit ist aber entscheidend, Forschungsergebnisse in marktfähige Technologien und Produkte zu überführen. 2025 reichten mehr als 1.100 europäische Hochschulen, öffentliche Forschungseinrichtungen und Forschungskrankenhäuser Patentanmeldungen beim EPA ein.
Die Beobachtungsstelle für Patente und Technologie untersucht anhand der EPA-Daten den Beitrag dieser Einrichtungen zum Patentsystem und zum Innovationsökosystem, das europäische Technologietransfersystem sowie die Rolle von Technologietransferstellen. Diese Stellen identifizieren, schützen, entwickeln und vermarkten Forschungsergebnisse. Nebenbei bringen sie Forschende mit Unternehmen, Investoren und Unternehmern zusammen – also mit jenen Leuten, die aus einer Erfindung irgendwann einen Prototypen, ein Geschäft oder tatsächlich ein Produkt machen können.
Hochschulen stellten 2019 mehr als 10 Prozent aller beim EPA eingereichten europäischen Patentanmeldungen; im Jahr 2000 waren es 6 Prozent. Zwischen 2000 und 2020 meldeten mehr als 1.200 europäische Hochschulen Patente beim EPA an. Deutschland und Frankreich führten bei den absoluten Anmeldezahlen, während Schweden und die Schweiz mehr Patentanmeldungen pro Hochschule aufwiesen.
Die Verteilung ist dabei ziemlich ungleich: 5 Prozent der Hochschulen reichten jeweils mehr als 250 Anmeldungen ein und waren für die Hälfte aller Hochschulanmeldungen verantwortlich. Besonders aktive Hochschulen verfügten häufig über gut ausgestattete Technologietransferabteilungen und meldeten Patente direkt an.
Auch die nationalen Modelle unterscheiden sich deutlich. In Schweden meldeten Forschende viele akademische Patente selbst an. In Frankreich und Belgien übernahmen überwiegend die Hochschulen die Anmeldung, häufig gemeinsam mit öffentlichen Forschungseinrichtungen. Gemeinsame Patentanmeldungen sind ein wichtiger Bestandteil der Hochschulpatentierung – in Frankreich etwa mit CNRS und INSERM, in Deutschland mit Fraunhofer- und Max-Planck-Instituten. Auch öffentliche Forschungseinrichtungen in Belgien, Spanien und Italien waren häufig beteiligt.
Start-ups als Brücke
Europäische öffentliche Forschungseinrichtungen reichten zwischen 2001 und 2020 fast 63.000 Patentanmeldungen beim EPA ein. Das entsprach 4,9 Prozent aller Patentanmeldungen europäischer Anmelder in diesem Zeitraum. Zu den bedeutenden Einrichtungen gehörten unter anderem CNRS, Fraunhofer, CEA und Max-Planck-Institute.
Eine Erfindung bleibt aber nicht automatisch im Laborregal liegen. Bei 27,2 Prozent der erfassten Start-ups mit mindestens einer europäischen Patentanmeldung standen die Erfinderinnen und Erfinder in Verbindung mit europäischen Forschungseinrichtungen. Das waren mehr als 2.800 Start-ups. Forschungsbezogene Start-ups erhielten zwischen 2021 und 2024 50,3 Prozent der gesamten eingeworbenen Finanzierung, 30,6 Prozent aller Finanzierungsgeschäfte und 30,9 Prozent aller erfolgreichen Exits.
Start-up-Gründungen sind damit ein wichtiger Weg, Forschungserfindungen auf den Markt zu bringen. Industrieregionen bringen mehr akademische Patentanmeldungen hervor, weil dort mehr Möglichkeiten für Kooperation und Wissenstransfer bestehen. In weniger industrialisierten Regionen, besonders in Mittel- und Osteuropa, melden Hochschulen weniger Patente an. Gleichzeitig haben sie dort eine größere Bedeutung für die lokale Innovation und regionale Ökosysteme.
Vermarktet wurden 36 Prozent der Erfindungen, die Hochschulen und öffentliche Forschungseinrichtungen beim EPA zum Patent angemeldet hatten. Die Lizenzierung war mit 70 Prozent der vermarkteten Erfindungen der häufigste Weg. 41 Prozent der Einrichtungen nannten Ausgründungen als Motivationsgrund.
Bei Forschungskliniken stiegen die jährlichen Anmeldezahlen zwischen den frühen 2000er-Jahren und 2020 von rund 700 auf fast 1.100. Insgesamt reichten europäische Forschungskliniken zwischen 2001 und 2020 17.434 europäische Patentanmeldungen ein. Direkte Anmeldungen durch Kliniken nahmen von etwa 90 auf mehr als 400 pro Jahr zu. Indirekte Anmeldungen blieben mit 600 bis 700 pro Jahr weitgehend konstant; dabei waren klinische Forschende die Erfinder, andere Einrichtungen jedoch die Anmelder.
Viele Aufgaben, kleine Teams
Technologietransferstellen helfen bei der Identifizierung und Bewertung von Forschungsergebnissen, beim Schutz geistigen Eigentums, bei der Suche nach Geschäftspartnern sowie bei Lizenz- und Forschungsvereinbarungen. Sie unterstützen außerdem die Finanzierung von Proof-of-Concept-Projekten und die Gründung von Spin-outs und Start-ups.
Ein einheitliches europäisches Modell gibt es nicht. Die Stellen unterscheiden sich bei Größe, Erfahrung, institutionellem Umfeld und Aufgaben. Die meisten bestehen aus sechs bis sieben Vollzeitäquivalenten; der Median liegt bei weniger als sieben Teammitgliedern, die Hälfte beschäftigt zwischen drei und 15 Mitarbeitende. Eine typische Stelle erhält etwa neun Erfindungsmeldungen pro Jahr. Mehr als die Hälfte der Stellen, die ein Gründungsjahr angaben, wurde 2005 oder später gegründet.
Größere Stellen verwalten umfangreichere Forschungs- und Entwicklungspipelines und verfügen über mehr Fachkompetenzen. Bei den meisten untersuchten Kennzahlen bestanden jedoch keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen kleinen und großen Stellen, wenn die Ergebnisse an der Zahl der Erfindungsmeldungen gemessen wurden.
Für stärkeren Technologietransfer braucht es stabile Kapazitäten sowie besseren Zugang zu Fachwissen, Finanzmitteln und kommerziellen Netzwerken. Hilfreich sind außerdem enge Beziehungen zu lokalen Forschenden, gemeinsame Kompetenzen und stärkere grenzüberschreitende Verbindungen zu Unternehmen, Investoren und Unternehmern. Das klingt trocken, entscheidet in der Praxis aber oft darüber, ob eine Idee weiterwandert oder in einer Schublade verschwindet.
Die Beobachtungsstelle bietet dazu Studien zur Technologietransferlandschaft, zu öffentlichen Forschungseinrichtungen und zu Hochschulpatenten an. Hinzu kommen Fallstudien zu Lithoz, Dermis Pharma und Perceive3D. Der „Deep Tech Finder“ vernetzt Investoren, Forschende, Start-ups und Hochschulen mit Akteuren in Technologiebereichen. Ein Data-Desk-Dashboard zeigt Beiträge von Forschungseinrichtungen zur Entwicklung von Erfindungen nach Einrichtung, Land und Region.
Mit dem EPA-Tool „IPscore“ lassen sich Chancen und Risiken von Technologien und Forschungsprojekten bewerten und visualisieren. Podcasts und Veranstaltungen zu Patenten, öffentlicher Forschung und Technologietransfer gehören ebenfalls zum Angebot. Und an der TUM in München dürfte währenddessen schon die nächste Erfindungsmeldung auf dem Tisch liegen.
