An der Technischen Universität München (TUM) haben Forschende untersucht, ob ein weicher Exosuit ältere Menschen beim Aufstehen und Gehen unterstützen kann. Das System sitzt nicht als starres Gerüst am Körper, sondern arbeitet mit flexiblen Textilien und künstlichen Sehnen. Es soll Kraftdefizite in den unteren Extremitäten ausgleichen – leise, beweglich und ohne das Gefühl eines Metallrahmens um die Beine.

An der Untersuchung nahmen zehn Erwachsene im Alter von 69 bis 85 Jahren teil. Bei allen waren die Funktionen der unteren Extremitäten bereits eingeschränkt. Getestet wurden zwei alltägliche Situationen: der Übergang vom Sitzen zum Stehen und kontinuierliches Gehen. Gerade diese Bewegungen wirken unspektakulär, können aber ordentlich Kraft kosten.

Mehr Schwung beim Aufstehen

Bei wiederholten Sitz-Steh-Bewegungen zeigte sich, dass einzelne Teilnehmende mit dem Exosuit bis zu vier zusätzliche Zyklen pro Minute schafften. Die für einen einzelnen Sitz-Steh-Zyklus benötigte Zeit sank dabei um bis zu 21,9 Prozent.

Im Durchschnitt erreichten die Teilnehmenden mit Unterstützung 18 Sitz-Steh-Zyklen pro Minute – zwei mehr als ohne Exosuit. Das klingt auf dem Papier nach einer kleinen Differenz, im Körper dürfte sie sich dennoch bemerkbar machen: aufstehen, wieder hinsetzen, erneut hochkommen. Und das nicht nur einmal, sondern immer wieder.

Weniger Energie beim Gehen

Beim kontinuierlichen Gehen verringerte sich der Stoffwechselaufwand durchschnittlich um 14 Prozent. Einzelne Probanden erzielten sogar eine Reduktion der energetischen Belastung um bis zu 27,5 Prozent. Der Exosuit unterstützt dabei die Hüftstreckung, also jene Bewegung, die beim Aufrichten und beim Vorwärtsgehen eine wichtige Rolle spielt.

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Der Unterschied zu starren Exoskeletten liegt im Material und in der Art der Unterstützung. Statt Bewegungen durch feste Bauteile zu führen, überträgt das TUM-System die Kraft über flexible Textilien und künstliche Sehnen. Es bleibt dadurch näher an einer tragbaren Kleidungsschicht als an einem technischen Gerüst.

Die Studie wurde in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ veröffentlicht. Die Ergebnisse stammen aus einer Untersuchung mit zehn älteren Erwachsenen; sie zeigen also vor allem das Potenzial des Systems unter den getesteten Bedingungen. Ob der weiche Exosuit im Alltag ebenso zuverlässig hilft, müsste in weiteren Untersuchungen geprüft werden – etwa bei längeren Wegen, wechselndem Untergrund oder dann, wenn die Konzentration nachlässt und der Gang unsicherer wird.

Ort der Untersuchung ist die TUM München. Gerade dort, zwischen Labor, Messgeräten und den ganz gewöhnlichen Mühen des Aufstehens, wird sichtbar, worum es bei solchen Hilfsmitteln geht: nicht um spektakuläre Roboterbewegungen, sondern um ein paar zusätzliche Schritte und vielleicht um weniger Kraft, die nach dem Gehen noch in den Beinen fehlt.