Campus Bahnhof West: Baustraße markiert nächsten Schritt für TUM- und Pflegezentrum in Garmisch-Partenkirchen
Auf dem künftigen Campusgelände „Bahnhof West“ in Garmisch-Partenkirchen rücken die Bagger an, während an der Spitze der gemeinnützigen Longleif GaPa gGmbH ein Wechsel bevorsteht. Viktor Wohlmannstetter (67) gibt die Geschäftsführung Ende September 2026 nach fast achteinhalb Jahren ab. Ab Montag soll auf dem Gelände die Baustraße gebaut werden – ein sichtbares Zeichen dafür, dass aus Plänen langsam Baustellen werden.
Für drei Monate übernimmt die selbstständige Unternehmensberaterin Veronika Leupold (29) übergangsweise die Geschäftsführung. Ab Januar folgt Katrin Schwab-Zettl (52) mit einem unbefristeten Vertrag. Sie ist derzeit Geschäftsführerin eines Bauzulieferunternehmens; ihr dortiges Arbeitsverhältnis endet zum Jahresende. Erfahrung mit Transformationen bringt sie bereits mit, außerdem arbeitet sie schon während der Übergangsphase am Projekt mit.
Pflegezentrum unter Zeitdruck
Wohlmannstetter warnt, das Zeitfenster für den Campus schließe sich allmählich. Jetzt müsse das Pflegezentrum in die Bauphase gebracht werden. Ziel ist, es bis 2030 bezugsfertig zu machen. Der Umzug bis dahin sei erreichbar, sagt der Dritte Bürgermeister Peter Schimpf – aber Zeit verlieren dürfe man nicht.
Das Pflegezentrum befindet sich derzeit noch im Vorentwurfsstadium. Das von der Caritas betriebene Pflegeheim St. Vinzenz verursacht laut Wohlmannstetter jährlich ein „massives Defizit“ und beeinträchtigt dadurch auch die Arbeitgeberattraktivität. Die bestehende Einrichtung habe zudem nur noch eine begrenzte Betriebszeit. Ein Neubau ist damit nicht bloß ein weiterer Baustein auf einem großen Areal, sondern drängt praktisch.
Beim Service-Wohnen ist die Planung weiter. Für den ersten Campus-Baustein im südlichen Arealbereich soll im November der Bauantrag eingereicht werden. Vorgesehen sind 46 Appartements, dafür liegen bereits mehr als 80 Anfragen vor. Die Planung ist dem Pflegezentrum etwa ein halbes Jahr voraus. Beide Vorhaben könnten ab 2027 gebaut werden.
Der Campus ist als Gemeinschaftsprojekt des Caritasverbands für München und Oberbayern, von LongLeif und der Technischen Universität München (TUM) angelegt. Forschung, Bildung, Pflege und Wohnen sollen dort für eine älter werdende Gesellschaft zusammenfinden. Geplant sind altersgerechte Wohnungen für rund 230 Seniorinnen und Senioren, Betreuungs- und Pflegeangebote sowie Aus- und Fortbildung, Forschung und Lehre. Forschungsergebnisse sollen möglichst direkt in der Praxis ankommen – nicht erst nach Jahren in irgendeiner Schublade.
Finanzierung, Pacht und ein enger Fahrplan
Wie teuer das Gesamtprojekt wird, lässt sich derzeit schwer beziffern. Eine Größenordnung von etwa 100 Millionen Euro gilt als möglich. Für Finanzierung und Umsetzung braucht es die Unterstützung des Freistaats Bayern.
Bürgermeister Daniel Schimmer will sich Ende Oktober mit Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) treffen, um die weiteren Schritte zu planen. Eine Absichtserklärung liegt bereits vor. Die staatliche Unterstützung muss laut Schimmer allerdings noch im Nachtragshaushalt festgeschrieben werden. Schon im Frühjahr hatte die frühere Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU) mit Minister Blume den benötigten Flächenumfang besprochen.
Für das Ministerium soll dieser Flächenbedarf mit einer festen Pachtsumme über 25 Jahre verbunden werden. Gebaut werden soll erst, wenn der Pachtvertrag unterschrieben, die Investitionskosten geklärt und die Finanzierung geregelt sind. Die Vertragsbedingungen müssen also noch festgelegt und geprüft werden.
Wohlmannstetter nennt drei entscheidende Voraussetzungen für die Aufnahme in den Nachtragshaushalt: Die Vertragsbedingungen müssen festgelegt und geprüft, der Flächenbedarf bestätigt und der Campusstandort bestätigt werden. Flächenbedarf und Standort seien bereits bestätigt. Beim TUM-Forschungszentrum könnte der vorgesehene Flächenumfang allerdings noch reduziert werden.
Leupold versteht ihre Übergangsaufgabe als Bindeglied, das in einer wirtschaftlich schwierigen Projektphase die Kontinuität sichern soll. Sie soll anstehende Fristen und weitere Deadlines im Blick behalten. Schimmer hält es sogar für möglich, sie nach Jahresende weiter einzubinden. Schwab-Zettl will nach ihrem Amtsantritt Transparenz schaffen, Prioritäten setzen und das Großprojekt in umsetzbare Teilaufgaben gliedern. Große Vorhaben werden ja selten kleiner, nur weil man sie auf mehrere Zettel schreibt.
Vom Forschungsstandort zum Campus
Mit dem Campus soll Garmisch-Partenkirchen als Modellkommune und Referenzzentrum für das Forschungsgebiet Geriatronik etabliert werden. Gemeint ist die multidisziplinäre Entwicklung neuer Konzepte und Technologien für individuelle Pflege, selbstbestimmtes Leben und menschenwürdiges Altern. Neben Tourismus und Gesundheitswirtschaft soll der Campus eine weitere Säule der regionalen Wirtschaft bilden und zugleich einen Forschungs- und Hochschulstandort der TUM schaffen.
Als Standort ist das Gelände „Bahnhof West“ vorgesehen. LongLeif erwarb das rund 29.300 Quadratmeter große Bahnhofsareal West im März 2020 mit Zustimmung des Marktgemeinderats vollständig und ist alleinige Eigentümerin. Bereits im Februar 2020 bekräftigte TUM-Präsident Thomas F. Hofmann den Aufbau eines dauerhaften TUM-Standorts auf dem Campus-Gelände. In den Jahren 2020 und 2021 arbeitete eine TUM-Taskforce an einem Standortkonzept, das Ende Februar 2021 vom TUM-Präsidenten freigegeben wurde. Danach liefen Verhandlungen mit Staatsregierung und Ministerien über die Finanzierung.
Die Masterplanung übernahm im Sommer 2020 die Hinterschwepfinger Projekt GmbH. Untersucht wurden unter anderem Erschließung, Gebäudeanordnung und -höhen, Logistik sowie voraussichtliche Investitionskosten. Im November stellte das Bauamt ein Verkehrskonzept für das Bahnhofsareal West vor – mit öffentlicher Erschließung, Grundstückstausch, Parkraumbewirtschaftung, Mobilitätsangeboten und einer Busschleife. Am 17. Juni 2021 fasste der Marktgemeinderat dazu einen Beschluss.
Im Frühjahr 2021 lag ein Masterplan-Entwurf des Büros Hinterschwepfinger Projekt GmbH für das südliche Areal vor, der gemeinsam mit LongLeif und künftigen Nutzern weiterentwickelt wurde. Im Juni wurde der Entwurf der Bauleitplanung für den nördlichen Teil des Bahnhofsareals West im Bauausschuss vorgestellt. Im Juli besichtigten Mitglieder des Marktgemeinderats die Masterplan-Entwürfe für den LongLeif-Campus und das nördliche Areal.
Wissenschaftsminister Bernd Sibler besuchte im Juli 2020 das Forschungszentrum Geriatronik und erklärte die Unterstützung des Freistaats für den Ausbau des Standorts. Im September 2021 sagte er bei einem weiteren Besuch die Finanzierung von zwei Planstellen für den Aufbau des TUM-Standorts zu. Im Juli 2022 beschloss das bayerische Kabinett den TUM Campus Geriatronik. Einen Monat zuvor war der Caritasverband der Erzdiözese München und Freising als Pächter und Entwicklungspartner für das geplante Pflegezentrum ausgewählt worden; im Frühjahr 2022 wurde die Masterplanung abschließend abgestimmt.
Viele Vorarbeiten, jetzt die Baustraße
Im Dezember 2022 erklärte Wissenschaftsminister Markus Blume Garmisch-Partenkirchen offiziell zum „Universitätsstandort“. Für 2023 wurden rund 4,7 Millionen Euro für die Robotik-Forschung vor Ort angekündigt. Im Januar 2023 informierte sich der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek in Garmisch-Partenkirchen über Assistenzrobotik und den Campus.
Im Februar 2023 wurden die Bebauungspläne öffentlich ausgelegt und konnten im Rathaus sowie online eingesehen werden. Im April zog LongLeif in das Gebäude „LEIFHEIT“ und richtete dort ein Projektbüro ein. Dort kann auch ein Holzmodell des Campus besichtigt werden. Ein Ingenieurbüro erhielt im Mai den Auftrag, ein Energiekonzept für ein nachhaltiges Forschungs-, Lehr- und Pflegeareal zu erstellen.
Beim Geriatronics Summit im Juli 2023 diskutierten internationale Forschende über Robotik in der Pflege. Eine anschließende Podiumsdiskussion ging um die Bedeutung des Campus für Bildung, Wirtschaft und Gesundheit. Im Oktober wog der Bauausschuss Stellungnahmen öffentlicher Stellen und der Öffentlichkeit zu den Bauleitplänen ab.
Am 15. April 2024 begann eine Geothermie-Probebohrung. Nachhaltigkeit und Klimaschutz sollen bei der Campusplanung berücksichtigt werden. Seit Juli 2024 gibt es außerdem eine eigene Website mit Informationen zu aktuellen Entwicklungen, Zielen, Plänen und den Aktivitäten von Long
