Am Freitag, 30. Oktober 2026, wurde im Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart in Berlin der Tiemann-Preis verliehen. Der mit 50.000 Euro dotierte Ankaufspreis der Ingeborg und Dr. H. Jürgen Tiemann-Stiftung ging erstmals an ein Berliner Museum.

Der Hamburger Bahnhof erwarb damit sechs Werke der in Berlin lebenden Künstlerin Elif Saydam aus der Serie „Späti Paintings“ (2021–2025) für seine Sammlung. Zu sehen sind Saydams Arbeiten derzeit in der Sammlungspräsentation „Tausendmal Berlin“ – passend zu einer Werkgruppe, die sich mitten in die Stadtkultur einschreibt.

Sechs Bilder für die Sammlung

In den „Späti Paintings“ nimmt Saydam Berliner Spätis als soziale Treffpunkte in den Blick. Dort wird eingekauft, gewartet, geredet, manchmal nur kurz Luft geschnappt. Die Künstlerin verbindet verschiedene Techniken und Materialien mit Fragen nach Zugehörigkeit und urbaner Identität.

Der Tiemann-Preis richtet sich an Museen und Kunstinstitutionen mit einer eigenen Sammlung zeitgenössischer Kunst. Er ist ein Ankaufspreis für Museen in Deutschland und unterstützt den Erwerb zeitgenössischer Malerei. Für den Hamburger Bahnhof bedeutet die Auszeichnung nun eine Werkgruppe mit sechs Arbeiten von Elif Saydam.

Saydam wurde 1985 in Calgary geboren und lebt und arbeitet in Berlin. Zu ihren jüngsten Einzelausstellungen gehören Präsentationen am MIT List Visual Arts Center in Cambridge, in der Kunsthal Thy in Dänemark und in den Oakville Galleries in Toronto. Außerdem nahm sie an der 18. Istanbul-Biennale teil.

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Gespräch auf Englisch

Am Tag der Preisverleihung fand um 16:00 Uhr im Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart ein Künstlerinnengespräch mit Elif Saydam und der Kuratorin Charlotte Knaup statt. Anlass war die Verleihung des Tiemann-Preises 2026. Im Mittelpunkt standen Saydams künstlerische Praxis und die neu erworbenen Werke. Gesprochen wurde auf Englisch.

Die Jury bestand aus Christiane Mennicke-Schwarz vom Kunsthaus Dresden, Dr. Kathleen Reinhardt vom Georg Kolbe Museum Berlin, Milan Ther vom Kunstverein in Hamburg, Prof. Dr. Wolfgang Ullrich aus Leipzig/München und Moritz Wesseler vom Fridericianum Kassel.

Frühere Preisträger waren das Museum Marta Herford mit Werken von Kerstin Brätsch, das Kunstmuseum Magdeburg mit Werken von Özlem Altın sowie das Museum Folkwang in Essen für den Ankauf von Werken von Armin Boehm. Jetzt landet der Preis also in Berlin – und die sechs „Späti Paintings“ im Bestand des Hamburger Bahnhofs.

Abgebildet ist Elif Saydams Werk „Zu spät (VII) aka Leider Nicht (Unfortunately Not)“ aus dem Jahr 2023: 23-karätiges Gold, Inkjet-Transfer und Öl auf Leinwand, 30 × 21 cm. Das Foto stammt von Gunter Lepkowski.

Wer die Arbeiten sehen möchte, findet sie in „Tausendmal Berlin“ im Hamburger Bahnhof. Von der UdK Berlin aus ist das ein Ausflug quer durch die Stadt – dorthin, wo Museumslicht auf Bilder trifft, die von Orten erzählen, an denen Berlins Alltag oft bis spät in die Nacht weiterläuft.