Am 3. November 2026 bekommt die Berliner Universität der Künste einen Professor mit ungewöhnlichem Nebenjob: Phillip Sollmann, bekannt als Efdemin und Resident-DJ im Berghain, wird Gastprofessor am UdK Berlin Career College. Dort unterrichtet er im Masterstudiengang „Sound Studies and Sonic Arts“.

Die Professur teilt er sich im Wechsel mit der Klangkünstlerin, Komponistin und Performerin Antje Vowinckel, die insbesondere im Bereich experimenteller Radiokunst arbeitet. Nach Angaben des UdK Berlin Career College sollen beide den Studiengang in einem 50-Prozent-Tandem leiten. Wie lange das tatsächlich möglich sein wird, ist allerdings offen.

Zwischen Berghain, Klangkunst und Hörsaal

Sollmann ist nicht nur als Techno-DJ international unterwegs. Er arbeitet auch in der experimentellen Klangkunst, an zeitgenössischen Kompositionen und Installationen. Zu seinen Projekten gehören „Monophonie“ und das gemeinsam mit Konrad Sprenger entwickelte „Modular Organ System“. Seine Arbeiten zeigt er in Museen – der Hörsaal ist also nicht sein erster Ausflug aus dem Clubmilieu.

Geboren wurde Sollmann 1974 in Kassel. Zunächst spielte er in Hamburger Post-Punk-Bands, später wechselte er zur elektronischen Musik. Ab 2002 studierte er in Wien Elektroakustische Musik an der Universität für Musik und darstellende Kunst. Seit 2005 lebt er in Berlin, seit 2006 legt er monatlich im Berghain auf.

Seine künstlerische Laufbahn führte ihn auch über die Berliner Clubnächte hinaus: 2012 erhielt er ein Praxisstipendium der Villa Massimo in Rom, 2013 war er Stipendiat des Goethe-Instituts in der Villa Kamogawa in Japan. 2025 erschien sein siebtes Album „Poly“ beim Berghain-Label Ostgut Ton, das für diese Veröffentlichung reaktiviert wurde.

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Das Berghain, sagte Sollmann 2025, habe ihn geprägt. Gleichzeitig habe er den Club durch seine Produktions- und DJ-Art möglicherweise selbst mitgeprägt. Früher sei das Auflegen dort sehr aufregend gewesen; inzwischen sei der Club sein „Lieblingsort, um zur Arbeit zu gehen“ und teilweise auch sein Zuhause. Für seine Sets bereitet er sich intensiv vor. Irgendwann, so beschreibt er es, möchte er aufhören zu denken und sich vollständig von der Musik leiten lassen.

Ein Studiengang im Auslaufen

Der neue Lehrauftrag fällt in eine eigenartige Zwischenphase. Der Akademische Senat der UdK beschloss am 12. Februar 2026 das Ende des Masterstudiengangs „Sound Studies and Sonic Arts“. Für das akademische Jahr 2026 gilt ein sofortiger Aufnahmestopp, neue Studierende werden nicht mehr angenommen. Wer bereits eingeschrieben ist, soll das Studium regulär abschließen können.

Die UdK hatte bereits im Januar angekündigt, alle Masterprogramme des Zentralinstituts für Weiterbildung und Transfer ab dem Wintersemester einzustellen, darunter auch „Sound Studies and Sonic Arts“. Als Grund nannte die Hochschulleitung eine strategische Neuausrichtung angesichts veränderter rechtlicher Rahmenbedingungen im novellierten Berliner Hochschulgesetz. Hinzu kommen erhebliche haushaltspolitische Sparvorgaben.

Der Studiengang bestand mehr als 20 Jahre und war als interdisziplinärer Weiterbildungsmaster angelegt. Mit seinem Ende verliert Berlin sein einziges spezialisiertes Programm für experimentelle Musik. Gegen die Schließung gingen mehr als 5.000 Unterschriften ein, unter anderem von Robert Henke, Dasha Rush, Jan St. Werner, Gerhard Behles und Carsten Nicolai. Proteste von Studierenden und der internationalen Musikszene hatten die Entscheidung schon zuvor begleitet; Vertreter der freien Berliner Szene reagierten mit Bestürzung.

Zum damaligen Zeitpunkt waren 63 Studierende eingeschrieben. Sie können ihre Abschlüsse noch machen. Laut UdK Berlin Career College bleibt das bestehende Programm in seiner bisherigen Form in Abwicklung und wird zu Ende geführt. Gleichzeitig gibt es Ideen und Gespräche, „Sound Studies“ in anderer Form an der UdK neu zu gestalten. Konkrete Pläne liegen derzeit nicht vor.

Neue Formen, offene Dauer

Die Universität erklärt, dass die bisherigen Strukturen enden, die Inhalte des Studiengangs aber möglicherweise erhalten bleiben. Ein vom Akademischen Senat verabschiedeter Antrag sieht vor, „Sound Studies“ in die regulären Fakultäten der UdK zu integrieren. Ob daraus tatsächlich ein neues Angebot entsteht, ist noch nicht entschieden.

Auch deshalb bleibt unklar, wie lange Vowinckel und Sollmann im Studiengang tätig sein werden. Seine Lehrtätigkeit steht seinen DJ-Auftritten offenbar nicht entgegen. Am 14. November soll Sollmann bei einer Klubnacht erneut im Berghain auflegen – dort, wo für ihn Arbeit, Zuhause und Musik ohnehin ziemlich nah beieinanderliegen.

Quelle: Berliner Zeitung
Weitere Informationen: Groove
Kontext: FAZE Magazin