Atmosphären im Film: Innovativer Workshop beleuchtet neue Medien!
In der Zeit vom 27. bis 30. Mai 2026 fand an der Film Universität in Potsdam ein internationaler Workshop des CATNEMI-Projekts statt. Diese Veranstaltung wurde in Zusammenarbeit mit dem ZeM – Zentrum für Medienwissenschaft durchgeführt und widmete sich dem spannenden Thema der filmischen Atmosphären, einem Bereich, der in der Filmwissenschaft bisher oft als marginal betrachtet wurde. CATNEMI ist das erste großangelegte Forschungsprojekt, das sich intensiv mit den atmosphärischen Elementen des Films auseinandersetzt und deren Einfluss auf die Zuschauer untersuchen möchte.
Unter der Leitung von Steffen Hven, dem Projektleiter, wurden in insgesamt 12 Vorträgen an zwei Tagen vielfältige atmosphärische Aspekte beleuchtet. Zu den Höhepunkten gehörten Präsentationen von Experten wie Jennifer Fay von der Vanderbilt University, die über „climatic atmosphere“ in Zoos referierte, sowie Johannes von Moltke von der University of Michigan, der die „Spectatorial Atmospheres“ thematisierte. Patricia Pisters von der University of Amsterdam gab Einblicke in die „Atmospheric Qualities of the Cosmic Camera“, während Tiago de Luca über „Atmospheres on Location: Cinema and the Outdoors“ sprach. Auch die ZeM-Direktoren Michael Wedel und Michael Ufer steuerten wertvolle Vorträge bei, die sich mit den Elementen filmischer Atmosphären auseinandersetzten.
Der Beitrag von Forschung und Theorie
Das CATNEMI-Projekt untersucht atmosphärische Elemente als wichtige Werkzeuge, um die Beziehung zwischen Film und Publikum zu verstehen. Es zielt darauf ab, eine umfassende theoretische und konzeptionelle Einführung des Atmosphärenbegriffs in die Filmstudien zu bieten. Atmosphären verbinden Materielles und Immaterielles, Kollektives und Individuelles und gelten als entscheidend für die affektiven Empfindungen des Publikums. Die angesprochenen Themen reichen von den moralischen und ethischen Implikationen filmischer Atmosphären bis hin zu Methoden, die auch in neuen Medienumgebungen zum Einsatz kommen.
Ein zentrales Anliegen des Workshops war die konzeptionelle Klärung filmischer Atmosphären, die helfen soll, die verkörperten Formen der Welterschaffung durch das Kino zu fördern. Dabei wird der Begriff der „Atmosphäre“ seit dem 18. Jahrhundert als eine nicht-binäre Verbindung verstanden, die sowohl materielle als auch immaterielle Aspekte umfasst. Diese Perspektive ermöglicht es, das Kino als ein Wahrnehmungsmedium zu sehen, das eigene Atmosphären erzeugt und dabei die menschliche Erfahrung beeinflusst.
Wissenschaftliche Impulse für die Filmstudien
Im Rahmen des Workshops präsentierte auch die Doktorandin Jamie Lee Moser ihre Forschung zu „Anamorphic Atmospheres and the Elemental Operations of Moving Images“, die Teil ihrer Dissertation ist. Diese wissenschaftlichen Beiträge ermöglichen nicht nur einen tieferen Einblick in die spezifischen Techniken zur Schaffung atmosphärischer Effekte, sondern beleuchten auch die Relevanz dieser Aspekte für die zeitgenössische Filmkultur. So wird beispielsweise diskutiert, wie moderne Techniken, die zunächst im Kino entwickelt wurden, auch in anderen Medien ihren Platz gefunden haben.
Für Interessierte, die mehr über die filmischen Atmosphären erfahren möchten, bietet sich die Lektüre der „Zürcher Filmstudien“ an, die eine umfassende Auseinandersetzung mit dem Thema bieten. Die von Philipp Brunner, Jörg Schweinitz und Margrit Tröhler herausgegebene Sammlung untersucht, wie Atmosphären im Film entstanden und wahrgenommen werden und beleuchtet unterschiedliche historische und soziale Kontexte, die diese beeinflussen. Damit wird das Thema der filmischen Atmosphären endlich auf eine breitere theoretische Basis gestellt, was den Diskurs in der deutschsprachigen Filmwissenschaft bereichern wird.
Der Workshop war ein wichtiger Schritt in Richtung eines besseren Verständnisses von filmischen Atmosphären und deren Einfluss auf die Zuschauererfahrung. CATNEMI fungiert als Plattform, die die Entwicklung neuer theoretischer Ansätze und die Integration dieser Konzepte in die Filmkritik vorantreibt. Wie sich zeigt, kann das Studium der Atmosphäre im Film nicht Hoch im Kurs zeigen, sondern es birgt das Potenzial, unser Verständnis von Film und Medien nachhaltig zu prägen.
Für weitere Informationen zu diesem spannenden Thema besuchen Sie gerne die Webseiten des Projekts: Film Universität, CORDIS und Schüren Verlag.
