Am heutigen 1. Oktober 2026 sorgt Hasso Plattner in Potsdam erneut für Schlagzeilen – diesmal mit einer Zahl, die kleiner geworden ist. Das „Manager Magazin“ schätzt das Vermögen des SAP-Mitgründers und seiner Familie auf 15,6 Milliarden Euro. Im Vorjahr waren es noch 17,7 Milliarden Euro. In der Rangliste der 500 reichsten Deutschen rutschte Plattner damit vom neunten auf den zehnten Platz. Der 82-Jährige bleibt trotzdem unter den zehn Reichsten des Landes.

An der Spitze stehen die Gesellschafterfamilie von Boehringer Ingelheim mit 66,7 Milliarden Euro, Lidl-Gründer Dieter Schwarz mit 53,7 Milliarden Euro und die Familie Merck mit 50,7 Milliarden Euro. Laut „Manager Magazin“ gibt es in Deutschland derzeit 257 Milliardärinnen und Milliardäre – so viele wie nie zuvor. Das bereinigte Gesamtvermögen der 100 reichsten Deutschen stieg innerhalb eines Jahres um 3,4 Prozent auf knapp 784 Milliarden Euro.

Vom SAP-Gründer zum Potsdamer Mäzen

Plattner gründete SAP 1972 gemeinsam mit Claus Wellenreuther, Hans-Werner Hector, Klaus Tschira und Dietmar Hopp in Weinheim. Die fünf waren ehemalige IBM-Mitarbeiter. Plattner war 1968 bei IBM Deutschland eingestiegen und übernahm 1979 bei SAP die Gesamtverantwortung für den Technologiebereich. Von 1997 bis 2003 war er Vorstandssprecher, bis zum 9. Mai 2003 gemeinsam mit Henning Kagermann. Danach stand er bis zum 15. Mai 2024 an der Spitze des SAP-Aufsichtsrats. Im Mai 2022 wurde er mit knapp 91 Prozent der abgegebenen Stimmen wiedergewählt; im Februar 2023 hatte SAP mitgeteilt, dass er nach Ablauf der Amtszeit nicht erneut kandidieren werde.

Auch danach beriet Plattner SAP als Chief Software Advisor zur mittel- und langfristigen technologischen Ausrichtung und Strategie. Im Oktober 2020 hielt er rund sechs Prozent der SAP-Aktien. Sein Rückzug aus dem Tagesgeschäft verschob den Schwerpunkt sichtbar: Plattner engagierte sich verstärkt als Mäzen.

In Potsdam ist das nicht zu übersehen. 1998 gründete er das Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik an der Universität Potsdam. Träger ist die gemeinnützige Hasso-Plattner-Stiftung für Softwaresystemtechnik. Zunächst sagte Plattner der Stiftung über 20 Jahre mehr als 50 Millionen Euro aus seinem Privatvermögen zu; später vervierfachte sich sein Engagement, der kumulierte Betrag überstieg 200 Millionen Euro. Er finanzierte das Institut vollständig und leitete dort das Fachgebiet „Enterprise Platform and Integration Concepts“ in Forschung und Lehre.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Das HPI betreibt mit openHPI außerdem eine webbasierte E-Learning-Plattform für überwiegend technische, kostenlos zugängliche Kurse. Nach dem Studium der Nachrichtentechnik, das Plattner nach dem Abitur 1963 an der Universität Karlsruhe – dem heutigen Karlsruher Institut für Technologie – begonnen hatte, klingt das fast folgerichtig. Aber auf dem Campus an der Uni Babelsberg liegen solche Lebensläufe trotzdem erst einmal schwer auf dem Tisch.

Kunst, Campus und Brauhausberg

Seine Stiftung finanzierte den Bau des 2017 eröffneten Museums Barberini am Alten Markt, das im wiederaufgebauten Palais Barberini untergebracht ist. Die Hasso Plattner Foundation finanzierte den Wiederaufbau des Potsdamer Palais Barberini; Plattner hatte bereits 2012 angekündigt, Potsdam eine Kunsthalle zu schenken. Dort sollten wechselnde Ausstellungen und seine private DDR-Kunstsammlung gezeigt werden.

Der Potsdamer Kunstzug ging weiter: 2019 erwarb die Hasso Plattner Foundation das frühere Terrassenrestaurant „Minsk“ am Brauhausberg. Das Gebäude im Stil der DDR-Moderne sollte Kunst und Architektur der DDR bewahren und mit zeitgenössischer Kunst verbinden. Das Museum Minsk wurde im September 2022 eröffnet. Dort sind auch Werke aus Plattners Kunstsammlung beziehungsweise Arbeiten zur Kunstgeschichte der DDR zu sehen.

Schon im November 2007 hatte Plattner 20 Millionen Euro für den Wiederaufbau des Potsdamer Stadtschlosses gespendet. Damit wurde die Errichtung der historischen Fassaden des heutigen Brandenburger Landtags ermöglicht. Aktuell finanziert seine Stiftung zudem einen neuen Universitätscampus auf dem Brauhausberg. Im Frühjahr 2005 spendete Plattner zehn Millionen Euro für den Bibliotheksausbau der Universität Mannheim. 2005 stellte er außerdem 35 Millionen US-Dollar für die Gründung des Hasso Plattner Institute of Design an der Stanford University bereit. Das Institut arbeitet mit Design Thinking an nutzerfreundlichen Innovationen; nach diesem Vorbild entstand die HPI School of Design Thinking in Potsdam.

Förderung über Potsdam hinaus

Plattners Stiftungsarbeit reicht weit über Brandenburg hinaus. Im Herbst 2003 gab er zehn Millionen Euro für den Bibliotheksausbau der Universität Mannheim. In Südafrika, mit dem er seit Jahren verbunden ist und wo er sich zeitweise am Kap aufhält, unterstützt er ebenfalls Bildungs- und Gesundheitsprojekte. Eine seiner Töchter lebt dort. Seit 1994 besitzt Plattner in George den Golfplatz und das Luxushotel Fancourt.

Die Universitäten KwaZulu-Natal und Kapstadt unterstützte er im Kampf gegen AIDS. 2004 spendete er sechs Millionen Euro für das Programm „Isombululo“ zur Prävention und Behandlung von HIV/AIDS, das rund 360.000 Menschen in der Kapregion erreichte. Außerdem förderte er den Aufbau einer Design-Thinking-Schule an der Universität Kapstadt. Im Juli 2018 gingen 4,2 Millionen Euro an die Lucian-Blaga-Universität in Hermannstadt, der Herkunftsstadt seiner Eltern. Mit dem Geld sollte dort ein dem Hasso-Plattner-Institut vergleichbares Institut entstehen.

Im Frühjahr 2005 übernahm Plattner die Kosten für ein „46664“-Benefizkonzert auf seinem Golfplatz in George. Weltweit wurde das Konzert im Fernsehen übertragen, die Einnahmen unterstützten den Anti-AIDS-Kampf der Stiftung Nelson Mandelas. Die Zahl „46664“ bezog sich auf Mandelas frühere Häftlingsnummer auf Robben Island. Im Februar 2013 wurde zudem berichtet, Plattner sei der Initiative The Giving Pledge beigetreten und habe angekündigt, die Hälfte seines damals auf 5,4 Milliarden Euro geschätzten Vermögens zu spenden.

Segeln, Eishockey und ein bewegtes Privatleben

Wenn der Computer einmal aus ist, zieht es Plattner aufs Wasser. Er ist Steuermann im Regattasegeln. 1996 gewann er mit der Hochseeyacht Morning Glory die Sydney-Hobart-Regatta in Rekordzeit. Zwischen 2005 und 2013 nahm er an neun Weltmeisterschaften der 505er-Klasse teil. Seit 2018 segelt er in der TP52-Rennserie 52 Super Series, 2019 nahm er an der Weltmeisterschaft teil. Auf Menorca segelte er 2019 mit seiner Tochter Tina; unterwegs waren sie mit den Booten Phoenix 11 und Phoenix 12.

2013 übernahm Plattner die Mehrheit an der Betreibergesellschaft der San Jose Sharks in der NHL. Zu dieser Gesellschaft gehören außerdem das SAP Center in San José und das Farmteam San Jose Barracuda. Privat ist Plattner verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Potsdam-Babelsberg.

Geboren wurde Hasso Plattner am 21. Januar 1944 in Berlin. Er wuchs in Berlin-Grunewald und Konstanz auf. Sein Vater Horst „Burri“ Plattner (1918–2001) war Augenarzt und stammte aus Hermannstadt in Siebenbürgen. Plattner ist Ehrenbürger von Potsdam und Träger des Bundesverdienstkreuzes. Zu seinen weiteren Auszeichnungen zählen Ehrendoktorwürden und der Werner-von-Siemens-Ring 2017. Das Time Magazine Europe führte ihn 2001 als bedeutendste beziehungsweise einflussreichste IT-Persönlichkeit; die Computerwoche setzte ihn 2010 und 2011 auf Platz eins entsprechender Ranglisten. Beim Festakt zu seinem 60. Geburtstag am 21. Januar 2004 würdigte Bundeskanzler Gerhard Schröder seine Leistungen beim Aufbau von SAP. Roland Berger nannte Plattner 2004 einen der fünf Deutschen, die ihn am meisten beeindruckten. Das Manager Magazin bezeichnete ihn als einen der bedeutendsten privaten Wissenschaftsförderer Deutschlands.

Vermögen bleibt eine Schätzung

Die aktuellen Zahlen