In den letzten Jahren hat sich viel darüber gezeigt, wie sich das Selbstbild von Schüler*innen in der Schule entwickelt. Viele Jugendliche identifizieren sich stark mit dem Label „Mathe-Typ“ oder „Sprach-Typ“. Solche Selbstzuordnungen haben nicht nur Einfluss auf die Kurswahl, sondern auch auf die gesamte Motivation und die Bildungswege der Betroffenen. Eine aktuelle Studie von der Universität Bielefeld zeigt, dass dieser Einfluss durchaus veränderbar ist. Eine kurze Unterrichtseinheit kann das Selbstbild nachhaltig beeinflussen und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten stärken.

Im Rahmen der COMPASS-Intervention, die Teil dieser Studie ist, haben Schüler*innen erfahren, dass sie ihre eigenen Fähigkeiten nicht festlegen müssen. Die Ergebnisse waren eindrucksvoll: Positive Effekte waren sogar noch sechs Monate nach der Intervention messbar. Professor Dr. Fabian Wolff erläutert, dass viele Jugendliche bestimmte Bildungswege nicht in Betracht ziehen, weil sie von ihren eigenen Fähigkeiten nicht überzeugt sind. Daher ist es wichtig, dass Schüler*innen lernen, ihre Selbstwahrnehmung zu hinterfragen.

Intervention und langfristige Veränderungen

Das Projekt COMPASS untersucht, wie solche Selbstbilder entstehen und wie sie verändert werden können. Eine zentrale Methode ist eine 90-minütige Unterrichtseinheit, die den Schüler*innen zeigt, wie schädlich Vergleiche mit Mitschüler*innen oder eigenen früheren Leistungen sein können. Die drei Schlüsselbotschaften dieser Intervention machen Mut:

  • Mathematische und sprachliche Fähigkeiten schließen sich nicht aus.
  • Fähigkeiten können sich verändern.
  • Lernstrategien sind oft übertragbar.

Rund 600 Schüler*innen aus zehn Schulen nahmen an dieser Langzeitstudie teil, und die positiven messbaren Auswirkungen auf das mathematische Selbstbild sind signifikant. Während die Verbesserung im Fach Englisch weniger konsistent war, zeigt die Studie klar, dass Selbstbilder veränderbar sind. Diese Erkenntnisse wurden im Fachjournal Educational Psychology Review veröffentlicht.

Die nächste Herausforderung besteht darin, diese Erkenntnisse auch auf die Grundschulen zu übertragen. Für eine neue Studie im kommenden Schuljahr sucht das Team von Professor Wolff teilnehmende Grundschulen, um auch hier den Wandel zu unterstützen.

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Der Einfluss von Selbstregulierung und digitaler Unterstützung

Selbstreguliertes Lernen ist ein ebenso wichtiger Aspekt für den schulischen Erfolg. Laut Forschung des Hector Instituts sind Selbstregulationsfähigkeiten besonders im Fach Mathematik entscheidend, da diese Kompetenzen oft in Selbstlernphasen gefordert sind. Adaptive digitale KI-Tools können sowohl Chancen als auch Herausforderungen für die Entwicklung dieser Fähigkeiten mit sich bringen. Sie ermöglichen individuelles Feedback und können auf das Verständnisniveau der Schüler*innen abgestimmt werden, bringen jedoch auch die Gefahr einer Abhängigkeit von algorithmischen Anleitungen mit sich.

Die Balance zwischen adaptiver Unterstützung und autonomem Lernen ist hier von großem Interesse. Schließlich ist es wichtig, dass Schüler*innen in der Lage sind, ihre eigenen Lernprozesse aktiv zu steuern und Selbstregulation zu erlernen, ohne sich in der Technologiekonfrontation zu verlieren.

Zusammenhänge für ein positives Selbstbild

Zusätzlich verdeutlicht eine Meta-Studie des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften (IPN), wie stark die Selbstwahrnehmung von schulischen Leistungen, Motivation und sozialer Unterstützung beeinflusst wird. Die positive Selbstwahrnehmung ist nicht nur für das persönliche und soziale Wohlbefinden von Bedeutung, sondern entscheidet auch über den schulischen Erfolg und die langfristige Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Gezielte Interventionen zur Verbesserung der Selbstwahrnehmung zeigen eine höhere Effektivität, was für Lehrkräfte, Eltern und Bildungsplaner:innen von großer Relevanz ist.

Die Ergebnisse dieser Studien und Methoden zeigen, dass es an der Zeit ist, Selbstbilder von Schüler*innen aktiv zu gestalten und deren Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu stärken. Wo liegt nun der Schlüssel für zukünftige Bildungsansätze? Die Antworten könnten weitreichende Folgen für die Entwicklung motivationsfördernder Lernumgebungen haben.