Am 21. Oktober 2026 wird das ZiF der Universität Bielefeld zum Treffpunkt für eine internationale Debatte über die Amerikas. Die Konferenz „Shifting Worlds: InterAmerican (Dis)Entanglements“ beginnt um 10:00 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos.

Organisiert wird die Veranstaltung von der Focus Area SHIFT der Universität Bielefeld. Internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sprechen über Verbindungen, Spannungen und Wandlungsprozesse in der interamerikanischen Welt. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie geopolitische Veränderungen, konkurrierende Wissensformen, moralische Ökonomien sowie neue Entwicklungen in Technologie und Kreativität die Amerikas prägen. Das klingt groß – ist aber gerade deshalb für alle interessant, die verstehen wollen, wie eng regionale Konflikte und globale Verflechtungen inzwischen zusammenhängen.

Vier Zugänge zu einer unruhigen Welt

Geplant sind Panels zu „Geopolitischen Konstellationen“, „Wissensordnungen“, „Moralischer Ökonomie“ sowie „Technologie und Kreativität“. Die Konferenz möchte etablierte Narrative hinterfragen und neue Perspektiven auf die Amerikas und ihre globalen Verbindungen entwickeln. Geleitet wird sie von Prof. Dr. Kirsten Kramer und Prof. Dr. Olaf Kaltmeier, koordiniert von Dr. Matti Steinitz.

Der Veranstaltungsort ist das ZiF, Wellenberg 1, 33615 Bielefeld. Wer also am Mittwoch Zeit hat: hingehen, zuhören, Fragen mitnehmen. Gerade beim Blick auf die US-Politik liegt derzeit genug Material auf dem Tisch.

Bei den Präsidentschafts- und Kongresswahlen 2024 erhielten Donald J. Trump und die Republikanische Partei laut einer Analyse der Stiftung Wissenschaft und Politik ein Mandat für einen Kurswechsel. Trump wurde zum Präsidenten gewählt, die Republikanische Partei kontrolliert beide Kammern des Kongresses. Die MAGA-Bewegung hatte ihre Regierungsagenda bereits inhaltlich vorbereitet und entsprechendes Personal zusammengestellt.

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Washington zwischen Machtanspruch und Unsicherheit

Innenpolitisch setzt die Regierung auf Steuersenkungen, den Rückbau des Verwaltungsstaates und eine restriktive Migrationspolitik. Trump beruft sich dabei auf eine weitreichende Auslegung exekutiver Befugnisse. Der SWP-Artikel wirft seiner Regierung vor, grundlegende Verfassungsprinzipien wie Rechtsstaatlichkeit und Gewaltenteilung zu missachten.

Außenpolitisch verändert die Trump-Administration die internationale Führungsrolle der USA in mehreren Politikfeldern. Anders als in Trumps erster Amtszeit wird der Wandel nicht nur als rhetorisch beschrieben, sondern mit erheblichen Auswirkungen auf die internationale Ordnung verbunden. Völkerrechtliche Prinzipien wie territoriale Integrität und staatliche Souveränität werden laut Artikel zugunsten einer transaktionalen Großmachtpolitik infrage gestellt.

Das bleibt nicht ohne Folgen. Unsicherheit und Unberechenbarkeit belasten militärische Allianzen in Europa und Asien. Eine wechselhafte, teilweise willkürliche Zollpolitik setzt das internationale Handels- und Finanzsystem unter Druck. Die traditionell partnerschaftlichen Beziehungen zwischen den USA und Europa stehen laut SWP stärker als zu jedem Zeitpunkt seit dem Zweiten Weltkrieg infrage.

Das Dossier der Stiftung Wissenschaft und Politik bündelt Analysen und Beiträge ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Gegliedert ist es in die Bereiche Außen- und Sicherheitspolitik, Innenpolitik und Gesellschaft sowie Wirtschaft und Handel. Passender könnte die thematische Klammer zur Bielefelder Konferenz kaum sein: Dort geht es nicht nur um Staaten, sondern auch um Wissen, Interessen, Moral, Technik und die Frage, wer globale Entwicklungen überhaupt deutet.

Eine Außenpolitik mit langem Gedächtnis

Die heutige Lage steht vor einem historischen Hintergrund, der weit zurückreicht. Nach der Unabhängigkeit suchten die USA die Aussöhnung mit Großbritannien und schwankten außenpolitisch zwischen einer Annäherung an Großbritannien und an Frankreich. Im 19. Jahrhundert hielten sie sich weitgehend aus europäischen Konflikten heraus und konzentrierten sich auf kontinentale Expansion und Integration. Die Monroe-Doktrin forderte europäische Mächte zur Nichteinmischung auf dem amerikanischen Doppelkontinent auf.

Diese Expansion führte zu Kriegen mit Mexiko sowie zu Spannungen mit Großbritannien wegen Oregon und mit Spanien wegen Florida und Kuba. Während des Bürgerkriegs warfen die USA Großbritannien und Frankreich Unterstützung der Konföderation vor; Frankreich wurde zudem Einflussnahme in Mexiko beschuldigt. Am 8. Mai 1871 schlossen die USA und Frankreich einen weitreichenden Vertrag zur Beilegung bilateraler Streitfragen. Frankreich zog bis 1867 rund 40.000 Soldaten aus Mexiko ab; Kaiser Maximilian, Statthalter Napoleons III. in Mexiko, wurde trotz US-amerikanischer Gegenbemühungen hingerichtet.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erweiterte Theodore Roosevelt die Monroe-Doktrin zur Forderung nach US-amerikanischer Hegemonie in der westlichen Hemisphäre. Die USA intervenierten in Mittel- und Südamerika, installierten teils abhängige Regierungen und drängten den europäischen Einfluss zurück. Der Bau und die Pachtung der Panamakanalzone erleichterten die Expansion in den Atlantik und Pazifik. Industrialisierung und wirtschaftliche Stärke wurden vor allem durch Handelsabkommen in außenpolitischen Einfluss umgesetzt.

Die USA besetzten unter anderem Hawaii und die Philippinen und wirkten gemeinsam mit europäischen Mächten auf die Öffnung Japans und Chinas hin. Im Ersten Weltkrieg traten sie aufseiten der Entente ein, schlossen sich deren Kriegszielen jedoch nicht vollständig an. Woodrow Wilsons 14-Punkte-Programm zielte auf eine europäische Ordnung mit Selbstbestimmungsrecht der Völker und freiem Handel. Nach dem Krieg zogen sich die USA zunehmend aus europäischen Angelegenheiten zurück. Erst der japanische Angriff auf Pearl Harbor führte 1941 zum US-Eintritt in den Zweiten Weltkrieg.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Vereinten Nationen gegründet; die USA erhielten einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat. Die Atlantik-Charta beeinflusste die Gründung der UN, außerdem entwickelte sich aus dem Krieg die „special relationship“ mit Großbritannien. Im Kalten Krieg zielte die Containment-Politik auf die Eindämmung sowjetischer Macht und langfristig deren Auflösung. Die weitergehende Rollback-Politik stand im Zusammenhang mit dem Koreakrieg, dem Vietnamkrieg und der Annäherung an China.

Zur Einbindung von Partnern bauten die USA multilaterale Organisationen und Bündnisse aus: die NATO zur sicherheitspolitischen Absicherung West- und Mitteleuropas und das GATT als Grundlage späterer weltweiter Handelsregeln und der WTO. Die Kubakrise brachte die USA und die Sowjetunion 1962 an den Rand eines direkten Nuklearkriegs. John F. Kennedy entschärfte sie durch den gegenseitigen Abbau von Atomraketen.

Die Dominotheorie trug zur US-Verwicklung in den Vietnamkrieg bei. Nach dem Scheitern, militärische Überlegenheit in politische Erfolge umzusetzen, endete der Krieg mit einer US-Niederlage und einer innen- und militärpolitischen Zäsur. Seit der Staatsgründung Israels 1948 unterstützen die USA Israel politisch, wirtschaftlich und militärisch; nach dem Sechstagekrieg 1967 verstärkte sich diese Unterstützung.

Richard Nixon verfolgte trotz seines Antikommunismus eine Entspannungspolitik: mit der Annäherung an die Volksrepublik China, Abrüstungsbemühungen und Unterstützung der deutschen Ostpolitik. Jimmy Carters Amtszeit war geprägt durch den sowjetischen Einmarsch in Afghanistan, die Islamische Revolution im Iran 1979, den Zusammenbruch der US-Präsenz in Persien, die Geiselnahme in der US-Botschaft in Teheran und den gescheiterten Befreiungsversuch.

Ab 1981 nahm Ronald Reagan wieder einen konfrontativen Kurs gegenüber der Sowjetunion ein. Eine starke Erhöhung des Verteidigungshaushalts finanzierte unter anderem die Strategic Defense Initiative und das Programm einer „Marine der 600 Schiffe“. Die Sowjetunion brach Anfang der 1990er-Jahre unter anderem wegen innerer Probleme und der Belastung durch das Wettrüsten zusammen.

Der irakische Einmarsch in Kuwait 1990 führte zum Zweiten Golfkrieg und zu einer internationalen Koalition unter US-Führung. Präsident George H. W. Bush sprach nach dem Ende des Ostblocks von einer „neuen Weltordnung“. Bill Clinton setzte stärker auf internationale Abkommen, führte aber zugleich mehrere militärische Interventionen durch: das gescheiterte Nation-Building in Somalia, Bombardierungen im Sudan und Irak sowie die Intervention zur Beendigung des Jugoslawienkriegs und der Gewalt auf dem Balkan.

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