Am 13. Januar 2027 wird an der Universität Bielefeld über Tradwives, Geschlechterrollen und extrem rechte Ideologien gesprochen. Das studentische Werkstattgespräch beginnt um 16:00 Uhr in Raum S1-138. Es gehört zur Reihe „Tradwives als ‚Symptom‘? Aktuelle Debatten im Kontext von Geschlechterverhältnissen, sozialen Medien und extrem rechten Ideologien“.

Die Darstellung der vermeintlich „guten Mutter, Haus- sowie Ehefrau“ ist in sozialen Medien wieder deutlich sichtbarer. Tradwives inszenieren Mutterschaft, Häuslichkeit und Sorgearbeit als Ideal einer tradierten, zugleich neu verpackten Weiblichkeit. Auf Instagram, TikTok und YouTube wirkt das oft zunächst wie Lifestyle: Rezepte, aufgeräumte Küchen, Kleider, Kinder und ein bisschen nostalgischer Filter. Politische Botschaften liegen nicht immer offen auf dem Tisch.

Drei studentische Beiträge, ein großes Spannungsfeld

Karina Korneli spricht über „Konservative und extrem rechte Vorstellungen von Geschlecht: Übereinstimmungen, Differenzen und Verwischungen“. Nina Steinmetz untersucht die „Selbstpräsentation von Tradwives im Spannungsfeld von Rebellion und Rückzug auf Instagram“. Ellen Hegewaldt widmet sich der „Extrem rechten Konstruktion einer Krise der Männlichkeit auf TikTok“.

Die Veranstaltungsreihe fragt danach, welche Konflikte sich an Geschlechter- und Machtverhältnissen, Elternschaft, Care-Arbeit, Antifeminismus, Retraditionalisierung und Faschisierung entzünden. Im Mittelpunkt stehen sichtbare Entwicklungen in der Aushandlung von Geschlechterverhältnissen – und mögliche Folgen, die zunächst unsichtbar bleiben. Eingeladen sind Mitglieder des Zentrums, Studierende und Mitglieder aller Fakultäten der Universität Bielefeld sowie weitere Interessierte.

Die Veranstaltung wird vom ZKJF und der Universität Bielefeld organisiert und ist kostenlos. Nach Anmeldung können während der Vorträge und des Werkstattgesprächs Kinder betreut werden; außerdem ist die Teilnahme an einem Livestream der Vorträge möglich. Informationen zum Veranstaltungsort finden sich im eKVV und über einen QR-Code. Kontakt: medien@uni-bielefeld.de. Weitere Informationen gibt es auf www.uni-bielefeld.de und auf der Veranstaltungsseite.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Die Veranstaltenden können Personen vom Zutritt ausschließen, wenn diese rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zugeordnet werden oder früher menschenverachtende Äußerungen getätigt haben.

Zwischen Backvideo und politischer Botschaft

Antifeministische Aussagen finden laut Leipziger Autoritarismus-Studie zunehmend Zustimmung und sind auf TikTok, Instagram und YouTube weit verbreitet. Sprecher wie Jordan Peterson erzielen online Millionenaufrufe; unter dem Hashtag „#TradWife“ gibt es Tausende Beiträge. Gemeint ist dabei nicht bloß Kritik an einzelnen feministischen Positionen: Antifeminismus wertet feministische Ansätze pauschal ab, stellt sich gegen die Gleichstellung der Geschlechter und verbindet sich häufig mit Queer- und Transfeindlichkeit, Frauenfeindlichkeit und Sexismus.

Antifeministische Akteure berufen sich oft auf eine gottgegebene oder „natürliche“ patriarchale Geschlechterordnung. Das Phänomen zieht sich durch verschiedene politische Lager, spielt aber in rechten Ideologien eine zentrale Rolle. Die extreme Rechte nutzt solche Inhalte zur Mobilisierung; Antifeminismus kann – ähnlich wie Antisemitismus – als ideologische Brücke zwischen Milieus wirken und Radikalisierungsprozesse begünstigen.

Auch politische Akteure, darunter AfD-Mitglieder, verwenden antifeministische Inhalte in sozialen Medien. „Der Feminismus“ erscheint dabei als Gefahr für die Vorstellung einer „Volksgemeinschaft“. Neu-rechte Influencer wie @EinGollan und @KetzerderNeuzeit machen Antifeminismus zum Kern ihrer Online-Auftritte. Ein verbreitetes Format: Feministische Demonstrationen werden gefilmt, die abgebildeten Aktivistinnen anschließend abgewertet. Das Nachrichtenportal NIUS, gegründet vom früheren „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt, verbreitet ebenfalls antifeministische Narrative auf TikTok.

Manchmal kommt Esoterik dazu: Feminismus wird dann als Bedrohung angeblich „weiblicher und männlicher spiritueller Energien“ dargestellt. Coaching-Angebote können daraus ein Geschäftsmodell machen. Und nicht jedes Video ist sofort zu durchschauen. Nicht jede Frau, die Backrezepte teilt, ist antifeministisch; nicht jeder Dating-Coach arbeitet mit sexistischen Stereotypen, und nicht jede spirituelle Sinnsuche führt dorthin.

Die digitale Manosphere

Zur sogenannten „Manosphere“ gehören unter anderem Incels, Pick-up-Artists, Männerrechtler und selbsternannte Maskulinisten. Die plattformübergreifende digitale Subkultur verbreitet antifeministische und frauenfeindliche Weltbilder. Typisch sind Verschwörungserzählungen über einen angeblich allmächtigen Feminismus, der insbesondere Männer bedrohe. Selbst sinkende Geburtenraten werden mitunter auf Feminismus zurückgeführt.

Reddit und 4chan gelten als wichtige Verbreitungsorte, doch auch auf TikTok und Instagram finden sich antifeministische und maskulinistische Inhalte. Akteure idealisieren eine soldatische, wehrhafte Männlichkeit und sprechen besonders junge Männer an. Incels verstehen sich als unfreiwillig sexuell enthaltsam, machen Frauen dafür verantwortlich und vertreten teilweise die Vorstellung eines männlichen Anspruchs auf Sex. Pick-up-Artists verbreiten maskulinistische Dating- und Flirttipps; aggressive Techniken können dabei sexualisierte Gewalt gegen Frauen legitimieren.

TradWives richten sich vor allem an ein weibliches Publikum. Die Bewegung entstand in Reddit-Foren und ist inzwischen auch auf Instagram, TikTok und YouTube präsent. Sie verbindet die Präsentation des persönlichen Lebensstils mit antifeministischen Botschaften, propagiert konservative Geschlechterbilder und eine unterwürfige Weiblichkeit – häufig aus christlich-fundamentalistischer Perspektive. Es gibt personelle und inhaltliche Überschneidungen mit der extremen Rechten. Eine bekannte TradWife initiierte 2017 auf YouTube die „White Baby Challenge“, bei der zur Zeugung möglichst vieler weißer Kinder aufgerufen wurde.

Der im September 2025 veröffentlichte Report von jugendschutz.net untersuchte rund 5.000 Beiträge auf TikTok, Instagram, YouTube und weiteren Plattformen. Er beschreibt Antifeminismus als Sammelbegriff für verschiedene Hassformen und Ideologien der Ungleichheit. Dazu zählen die Manosphere, Manfluencer, Dating-Coaches und Pick-up-Artists, die sich als „Alphas“ und Experten für Dating und sexuelle Kontakte verstehen. Laut Report beinhalten ihre vermeintlichen Tipps emotionale Manipulationstechniken, mit denen Frauen sexuell gefügig gemacht werden sollen.

Der Report beschreibt außerdem die Incel-Ideologie: „Incels“ sehen sich in einem vermeintlichen Konkurrenzkampf um Sex mit Frauen, den sie verloren hätten. Sie ordnen sich am unteren Ende einer Geschlechterhierarchie ein und machen unter anderem den Feminismus dafür verantwortlich, dass Frauen gesellschaftlich stärker geworden seien. Tradwives romantisieren demnach ein an den 1950er-Jahren orientiertes Leben als Hausfrau, Ehefrau und Mutter. Binäre Geschlechtervorstellungen und Vorschriften für Frauen werden mit Beauty- und Lifestyle-Inhalten verbunden; christlich-fundamentalistische Argumentationen und Überschneidungen mit der rechten Szene treten häufig auf.

Warum das auch außerhalb von TikTok zählt

Tradwives und antifeministische Influencer wie Andrew Tate erreichen über soziale Netzwerke Millionen Jugendliche. Ihre Inhalte vermitteln traditionelle Geschlechterrollen, Frauenfeindlichkeit und gewaltverherrlichende Vorstellungen von Männlichkeit. Bei orientierungssuchenden Jungen können sie zur Entwicklung radikaler und frauenfeindlicher Weltbilder sowie zu Gewalt- und Tötungsfantasien beitragen. Mädchen, queere und trans Personen können Minderwertigkeitsgefühle entwickeln oder Angst bekommen, Ziel sexistischer Angriffe zu werden.

Die Polizeiliche Kriminalstatistik verzeichnet Straftaten gegen Frauen und Mädchen offline wie online, darunter Sexual- und Tötungsdelikte, Cyberstalking und Online-Bedrohungen. 2024 wurden 558 frauenfeindliche Straftaten erfasst; bereits 2023 war deren Zahl um 56,3 Prozent gestiegen. Laut Leipziger Autoritarismus-/Heinrich-Böll-Studie 2024 vertreten 25 Prozent der deutschen Bevölkerung ein geschlossen antifeministisches Weltbild.</