Wie wird Interdisziplinarität im Wissenschaftsalltag eigentlich gemacht – und nicht bloß beschworen? Dieser Frage widmet sich die Vortragsreihe „Interdisciplinarity in Scientific Research – Perspectives from Practice and Science Studies“ an der Universität Bielefeld. Am 24. November 2026 steht dabei der Vortrag „Interdisciplinarity as an Institutional Practice: Historical Perspectives from ZiF“ auf dem Programm.

Marie Kaiser und Daniela Noll-Opitz aus Bielefeld sprechen über Interdisziplinarität in der wissenschaftlichen Forschung, und zwar aus theoretischer wie praktischer Perspektive. Beginn ist um 18:15 Uhr im Zentrum für interdisziplinäre Forschung, Wellenberg 1, 33615 Bielefeld. Die Veranstaltung ist kostenlos und gehört zum Bereich „Lesungen | Vorträge, Wissenschaft“. Wer nicht vor Ort sein kann, kann online teilnehmen; die Details stehen auf der Veranstaltungswebsite.

Mehr als mehrere Fächer nebeneinander

Im Mittelpunkt stehen die Unterschiede zwischen interdisziplinärer und multidisziplinärer Forschung, die Integration von Wissen über Fachgrenzen hinweg sowie die Entstehung und Stabilisierung interdisziplinärer Forschungsfelder. Auch der Umgang mit unterschiedlichen Methoden, Standards und Wissenskulturen kommt zur Sprache. Das klingt zunächst nach ziemlich viel Stoff für einen Abend – ist aber genau die Realität gemeinsamer Forschung: Verschiedene Fächer bringen nicht automatisch dieselbe Sprache, dieselben Regeln oder dieselben Vorstellungen davon mit, was als gute Erkenntnis gilt.

Die Reihe verbindet Erfahrungen aus Forschung, Forschungsförderung und institutioneller Praxis mit theoretischen Perspektiven der Wissenschaftsforschung. Thematisiert werden außerdem Bedingungen, Formen und Auswirkungen interdisziplinärer Forschung, institutionelle Rahmenbedingungen sowie die Integration sozial- und geisteswissenschaftlicher Perspektiven in Energie- und Nachhaltigkeitsforschung. Dazu kommen die Entwicklung von Kooperationsansätzen, die Förderung interdisziplinärer Kompetenzen und die Frage, wie Förderorganisationen passende Förderformate gestalten können.

Das ZiF als Ort für Zusammenarbeit

Die Universität Bielefeld versteht Interdisziplinarität seit ihrer Gründung Ende der 1960er-Jahre als zentrales institutionelles Prinzip; gegründet wurde sie 1968. Das Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) und das Institute for Studies of Science (ISoS) organisieren die Vortragsreihe gemeinsam. Das ZiF bietet Forschenden die Möglichkeit, frei von alltäglichen akademischen Pflichten mit internationalen Kolleginnen und Kollegen an einem interdisziplinären Projekt zu arbeiten. Fellows und Gäste finden dort geeignete Arbeitsbedingungen und eine professionelle Infrastruktur vor.

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Am ZiF richtet sich die Arbeit deshalb an Forschungsgruppen und nicht nur an einzelne Forschende. Die Gruppen beschäftigen sich intensiv mit Themen, die verschiedene Disziplinen verbinden. Perspektiven aus anderen Fächern können methodische Annahmen und Grenzen sichtbarer machen, neue Zugänge zu einem gemeinsamen Untersuchungsgegenstand eröffnen und – wie die Geschichte des ZiF zeigt – teilweise sogar zur Entstehung neuer Forschungsfelder beitragen.

Interdisziplinarität wird dabei nicht als fertige Gebrauchsanweisung verstanden, sondern als fortlaufender Prozess, der immer wieder neu definiert werden muss. Das ZiF ermutigt Forschungsgruppen, Begriff und Praxis eigenständig weiterzuentwickeln. Berücksichtigt werden Kooperationen zwischen Naturwissenschaften, Sozialwissenschaften und Geisteswissenschaften ebenso wie die zunehmende Ausdifferenzierung innerhalb einzelner Disziplinen. Ein bisschen knirschen darf es also offenbar: Das ZiF versucht, komplexe interdisziplinäre Kooperationen anzuregen, zu vermitteln und zu organisieren.

Eine Reihe über das ganze Wintersemester

Die Veranstaltung am 24. November ist Teil einer Reihe, die ab Oktober läuft und während des gesamten Wintersemesters wöchentliche Vorträge vorsieht. Den ersten Vortrag hält am 20. Oktober die Hochschul- und Wissenschaftsforscherin Professorin Dr. Anna Kosmützky von der Leibniz-Universität Hannover. Nach jedem Vortrag ist eine Diskussion geplant. Die Termine finden teilweise im Universitätshauptgebäude und teilweise im ZiF statt; gesprochen wird auf Deutsch und Englisch.

Inhaltlich verknüpft die Reihe wissenschaftstheoretische Ansätze mit Einblicken in Forschungspraxis, Forschungsförderung und Institutionen wie das ZiF. Auch die Umsetzung von Förderformaten für interdisziplinäre Forschung gehört dazu. Wer nach dem Termin noch Fragen hat, kann sich an Nadine Moschkelewski vom ZiF unter zif-eventsupport@uni-bielefeld.de oder an Julie Schweer vom Institute for Studies of Science unter isos@uni-bielefeld.de wenden.

Die Veranstaltung am 24. November findet vor Ort im ZiF, Wellenberg 1, 33615 Bielefeld, und online statt. Bildmaterial zur Reihe ist ebenfalls online abrufbar; Bildunterschrift und Copyright-Hinweise erscheinen nach dem Anklicken des Bildes in der rechten Seitenleiste.