Am Dienstagmorgen wirkt der Rhein bei Köln fast wie zurückgezogen: Der Pegel liegt bei 39 Zentimetern und nähert sich einem historischen Niedrigwasserstand. In Opladen führt die Wupper 38,2 Zentimeter Wasser. Kaum vorstellbar, dass der Rhein dort Ende Februar noch 7,07 Meter erreicht hatte.

Gerade in dieser trockenen Momentaufnahme wird im Bergischen Land an einem System gearbeitet, das beim nächsten extremen Regen entscheidende Minuten bringen soll. Das Projekt „KIRa-Berg“ gehört zur „Kooperation Überflutungsvorsorge an Agger und Wupper“ (ÜVAW), an der auch Leverkusen beteiligt ist. Die Stadt hat das Starkregenereignis von 2021 noch deutlich vor Augen: Damals kam es zu erheblichen Überflutungen und Schäden.

Radar blickt dichter über das Bergische Land

Der Oberbergische Kreis erhält für das Vorhaben Fördermittel der Bezirksregierung Köln. Geplant ist die Installation von zwei X-Band-Radargeräten. Sie sollen das bestehende Wetterradarsystem des Deutschen Wetterdienstes ergänzen – und zwar dort, wo es für schnelle Warnungen besonders darauf ankommt: in geringerer Höhe und mit deutlich häufigeren Messungen.

So entstehen detailliertere Niederschlagsdaten. Geprüft wird außerdem, ob diese Informationen in die kurzfristigen Wettervorhersage- und Warnsysteme des Deutschen Wetterdienstes integriert werden können. Zwei kleine Radarstationen, die im Ernstfall nicht lange fackeln, sondern möglichst schnell zeigen, wo sich Regenzellen bilden und wie viel Wasser unterwegs ist.

KI soll Hochwasserlagen durchspielen

Zusätzlich werden die Radardaten mit einem KI-Modell verknüpft. Dieses soll nicht nur mögliche Hochwasserfolgen durch Niederschläge berücksichtigen, sondern auch bereits bestehendes Flusshochwasser. Damit lassen sich Überflutungsszenarien kurzfristig simulieren – eine wichtige Hilfe für Behörden, Leitstellen, Feuerwehren und Krisenstäbe, wenn Schutzmaßnahmen vorbereitet oder ausgelöst werden müssen.

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Nach der Förderzusage werden nun die Beschaffung der Radargeräte und des KI-Modells vorbereitet. Parallel sucht das Projekt nach geeigneten Standorten. Bis Mitte 2027 sollen die Radargeräte installiert sein. Der Projektzeitraum läuft von September 2026 bis Februar 2029.

Die Gesamtkosten betragen rund 1,91 Millionen Euro. Begleitet wird „KIRa-Berg“ von der Universität Bonn und der TH Köln. Für den Hochschulstandort Bonn ist das kein fernes Planspiel: Was an Messdaten, Modellen und Warnketten entsteht, muss am Ende draußen funktionieren – an Flüssen, Straßen und Häusern, wenn der Regen nicht mehr nach Lehrbuch fällt.

Früher warnen, bevor das Wasser kommt

Langfristig soll „KIRa-Berg“ helfen, Überflutungsgefahren in Leverkusen früher zu erkennen, Schutzmaßnahmen rechtzeitig einzuleiten und die Bevölkerung im Ereignisfall besser zu warnen. Der niedrige Rheinpegel von heute erzählt dabei nur die eine Hälfte der Geschichte. Wasser kann fehlen. Oder binnen kurzer Zeit zu viel werden.