Wer das Universitätsmuseum Bonn noch am heutigen Standort im historischen Hauptgebäude besuchen möchte, muss sich beeilen: Regulär geöffnet ist es noch donnerstags bis sonntags von 12 bis 17 Uhr. Wegen der Feiertage fällt der vorläufig letzte Besuchertag allerdings auf Sonntag, den 20. Dezember 2026. Zum 31. Dezember 2026 schließt das Museum zunächst.

Grund dafür ist die beginnende Sanierung des Universitätshauptgebäudes. Dort werden derzeit neben dem Museum vor allem noch Hörsäle und die Aula genutzt. Langfristig soll das Museum Räume im sanierten Ostflügel zwischen Stockentor und Altem Zoll erhalten. Wann der Umzug tatsächlich stattfindet, ist noch offen. Bis dahin soll die aktuelle Ausstellung inhaltlich und didaktisch überarbeitet werden. Außerdem wird geprüft, einzelne Exponate im „Schaufenster der Universität“ in der Poststraße 26 öffentlich zu zeigen.

Ein Museum zieht mit dem Hauptgebäude um

Das Universitätsmuseum gehört zu den zehn Museen und mehr als 30 Sammlungen der Universität Bonn. Es vermittelt die über 200-jährige Geschichte und das Selbstverständnis der Universität Bonn als Exzellenzuniversität. Vieles davon ist derzeit noch eng mit dem Gebäude verbunden: historische Säle, Aula, Hörsäle, Arbeitsplätze und Seminarräume liegen hier dicht beieinander.

Bauherr der Generalsanierung ist der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW, kurz BLB NRW. Die Universität gibt das Hauptgebäude schrittweise auf und verlagert Nutzungen unter anderem in die Rabinstraße 8 sowie in die ehemalige Hauptverwaltung des „Deutschen Herolds“ an der Poppelsdorfer Allee. Für die Aula entsteht im Hofgarten ein Interimsbau. Neue Hörsäle sollen durch die vorgezogene Sanierung des Ostflügels geschaffen werden.

Der Zeitplan bleibt dabei ziemlich neblig. Die ursprünglich für 2024 geplante Sanierung soll mindestens zehn Jahre dauern; ob dieser Zeitplan eingehalten wird und wann der reguläre Betrieb wieder vollständig möglich sein soll, dazu machte die Universität keine Angaben. Der BLB NRW bestätigte laufende Voruntersuchungen im Ostflügel, nannte aber keinen detaillierten Zeitplan. Der Ostflügel soll ab Ende 2024 außer Betrieb genommen und zuerst saniert werden. Seine Hörsäle und Seminarräume könnten wieder genutzt werden, während andere Bereiche des Hauptgebäudes noch Baustelle sind.

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Für die Zwischenzeit gibt es mehrere Ausweichorte: Die Rabinstraße 8 wird von den Geisteswissenschaften genutzt, der Bezug begann 2023 und sollte bis Ende 2024 abgeschlossen sein. In der Poppelsdorfer Allee 31–33 läuft der Umzug der Verwaltung seit Herbst 2023, die Rabinstraße 4 wurde 2024 bezogen, die Heinrich-von-Kleist-Straße 22–28 seit April 2024 und die Poststraße 26 seit August 2024. Im März 2024 mietete die Universität außerdem eine Etage im ehemaligen Karstadt-Gebäude nahe dem Hauptbahnhof an. Dort sollen künftig vorübergehend Hörsäle untergebracht werden; die Planung läuft.

Ganz leer dürfte das Hauptgebäude trotzdem nicht stehen. Ein Teil der Hörsäle kann zeitweise im Ostflügel des Schlosses beim Koblenzer Tor genutzt werden. Im Wintersemester 2024/25 konnten Hörsäle und Aula noch regulär genutzt werden; Vorlesungen sollten mindestens bis 2026, möglicherweise länger, im Hauptgebäude stattfinden. Für die Aula ist ein Modulbau auf der Freifläche vor dem Hauptflügel des Schlosses vorgesehen, wo derzeit die Interims-Mensa steht. Die Stadt Bonn genehmigte die entsprechende Bauvoranfrage, die Planung ist aber noch nicht abgeschlossen. Kosten stehen deshalb noch nicht fest. Die Interims-Aula soll bleiben, bis das Hauptgebäude wieder zur Verfügung steht.

Große Baustellen, offene Rechnungen

Die Bau- und Sanierungsprojekte der Universität Bonn und des Studierendenwerks Bonn kosten zusammen mehr als 200 Millionen Euro. Die Sanierung des Hauptgebäudes ist darin noch nicht enthalten. Universität und BLB NRW machten dazu keine Angaben; laut „General-Anzeiger“ schätzte die Universität die Kosten 2023 grob auf eine Milliarde Euro.

Auch andernorts wird kräftig gebaut. Der Abriss der ehemaligen Mensa an der Nassestraße begann im Sommer 2021. Der Neubau soll eine Mensa, ein Wohnheim mit 106 Plätzen und ein Bürogebäude für Beratungsbereiche sowie die zentrale Verwaltung des Studierendenwerks umfassen. Zwei denkmalgeschützte Altbauten werden kernsaniert und sollen künftig den AStA und ausgewählte Beratungsstellen aufnehmen. Das Projekt befindet sich derzeit im Hochbau, die Grundsteinlegung fand im April statt. Die Inbetriebnahme wird aktuell für das erste Halbjahr 2026 erwartet, wobei das Studierendenwerk auf mögliche Zeit- und Kostenänderungen hinweist.

Bis dahin ersetzt die Interims-Mensa am Hofgarten den Standort an der Nassestraße. Die förderfähigen Kosten für die Mensa einschließlich Interimskosten wurden auf 50,6 Millionen Euro festgesetzt, davon entfallen 42,04 Millionen Euro auf Fördermittel. Für das Studierendenservicezentrum und die Verwaltung einschließlich Interimskosten sind 20,22 Millionen Euro vorgesehen. Das Land Nordrhein-Westfalen fördert diesen Teil mit 70 Prozent der förderfähigen Kosten.

In der Innenstadt befinden sich außerdem die Sanierung des Juridicums, des Sitzes der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät, in der Planungsphase sowie die umfassende Sanierung des Akademischen Kunstmuseums unter Leitung des BLB NRW. Das Museum ist seit Januar 2022 in der Römerstraße 164 untergebracht; wann es an den Hofgarten zurückkehrt, steht noch nicht fest. Die Arbeiten begannen 2022. Erdarbeiten müssen archäologisch begleitet werden, Funde wurden bereits entdeckt. Ihre Sicherung beeinflusst den Baufortschritt, weshalb Zeitplan und Gesamtkosten vom Abschluss der Ausgrabungen abhängen.

Das zwölfstöckige Gebäude der ehemaligen Pädagogischen Fakultät in der Römerstraße 164 wird wegen hoher Schadstoffbelastung seit etwa zehn Jahren nicht mehr genutzt. Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ soll das in den 1970er-Jahren errichtete Gebäude abgerissen werden.

Vom Poppelsdorfer Schloss bis Tannenbusch

Am Campus Poppelsdorf wurde das Rotationsgebäude im Mai 2023 fertiggestellt und an die Universität übergeben. Es soll wechselnde Institute vorübergehend aufnehmen; der Nutzungsbeginn ist ab dem Wintersemester 2024 vorgesehen. Die Außenanlagen werden noch fertiggestellt. Die Sanierung des Poppelsdorfer Schlosses ist laut BLB NRW weitgehend abgeschlossen. Dach- und Fassadenflächen wurden denkmalgerecht saniert und restauriert. Offen sind noch witterungsabhängige Tiefbauarbeiten im Innenhof, eine neue Pflasterung, die Instandsetzung des Natursteinbodens im Arkadengang und Lackierarbeiten an den Toren. Einen konkreteren Zeitplan nannte der BLB NRW nicht. Die Gesamtkosten der Maßnahmen am und um das Schloss liegen laut BLB NRW bei etwa 16 Millionen Euro.

In Endenich steckt der Neubau des Pharmazeutischen Instituts in einer mehrjährigen Planungsphase. Der BLB NRW will den Zeitplan im weiteren Verlauf konkretisieren; weitere Einzelheiten sollen später bekanntgegeben werden. Auf dem Venusberg gibt es derzeit keine baubedingten Einschränkungen für den Studienbetrieb. Lehrgebäude und Bildungszentrum, das 2022 eröffnet wurde, seien in gutem Zustand, Lehrflächen und Hörsäle der Medizinischen Fakultät stehen uneingeschränkt zur Verfügung. Geplant ist ein modernes Trainingszentrum mit einem Skillslab für praktische Übungen der Studierenden.

Für den Zukunftscampus auf dem Gelände der ehemaligen Kinderklinik am Campus Adenauerallee gibt es keinen neuen Planungsstand. Einzelne Gebäude befinden sich in der Ausführungsplanung oder Vorentwurfsphase, während Verhandlungen über die Übergabe des Geländes vom BLB NRW an die Universität laufen. Der „Innovation Campus Bonn“ existiert bislang vor allem als digitales Konzept. Vorgesehen ist ein Campus nahe dem UN-Viertel, bei dem Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle spielen soll.

Wohnraum gehört ebenfalls zur Rechnung. In Bonn-Auerberg soll ein Parkdeck eines Wohnheims zu Wohnraum mit 115 Plätzen umgebaut werden; die Umsetzung erscheint für den Zeitraum 2025 bis 2027 möglich. In Bonn-Tannenbusch plant das Studierendenwerk die Kernsanierung und Erweiterung des Wohnheims an der Hirschberger Straße. Ein Erweiterungsbau soll rund 250 zusätzliche Plätze schaffen, danach wird das bestehende Gebäude umfassend saniert. Für die Erweiterung wird mit einer Fertigstellung 2028/29 gerechnet, die Kernsanierung soll Anfang der 2030er-Jahre abgeschlossen werden. Je nach Umfang der Erweiterung soll das Wohnheim insgesamt 750 bis 850 Plätze bieten.

Im Museum am