Am 15. Oktober 2026 kommt Sinn und Sinnlichkeit ins Kino – eine Neuverfilmung von Jane Austens Roman, dessen bislang letzte Adaption 30 Jahre zurückliegt und unter anderem Kate Winslet und Emma Thompson besetzte. Regie führt Georgia Oakley. Der 132 Minuten lange Film ist als Drama, Komödie und Romanze angekündigt, stammt aus den USA und ist ab 6 Jahren freigegeben.

Die Geschichte beginnt zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Nach dem Tod ihres Vaters stehen die Schwestern Elinor und Marianne Dashwood mittellos da. Das Familienhaus fällt an den Sohn aus erster Ehe und dessen Ehefrau; Mutter und Töchter müssen in ein leer stehendes Cottage einer entfernten Verwandten ziehen. Elinor hofft auf eine finanziell abgesicherte Ehe mit Edward, dem Bruder ihrer Schwägerin. Doch Edward verschwindet – ohne Heiratsantrag.

Verstand gegen Gefühl

Der Originaltitel Sense and Sensibility bedeutet „Verstand und Gefühl“. Elinor steht für Besonnenheit und Vernunft, Marianne für Leidenschaft und Gefühl. In der neuen Fassung spielt Esmé Creed-Miles die Marianne naturverbunden und stürmisch: Sie verliebt sich in Willoughby, den sie als edlen Retter wahrnimmt. Den stillen Colonel Brandon erkennt sie zunächst nicht als möglichen Partner.

Die wirtschaftlich prekäre Lage der Frauen bleibt dabei sichtbar. Zugleich setzt der Film auf pointierte Dialoge. Gelobt werden außerdem die Besetzung, die Bildsprache und die Musik. Neben Esmé Creed-Miles gehören Daisy Edgar-Jones, Caitriona Balfe und andere zum Ensemble.

Kevin Wolf, Literaturwissenschaftler an der Universität Bremen, hält Austens Heldinnen bis heute für modern: Sie haben einen eigenen Willen und klare Vorstellungen davon, mit wem sie ihr Leben teilen möchten. Austens romantische Handlungen sind ohnehin nie bloß Liebesgeschichten. Ehen können zwar die wirtschaftlichen Probleme ihrer Figuren lösen, ihre Ursachen beseitigen sie aber nicht. Ironie, Humor und peinliche Situationen machen diese Sozialkritik zugänglich – manchmal lacht man, obwohl die Lage eigentlich ziemlich bitter ist.

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Eine Heirat als wirtschaftliche Frage

Für Frauen der Gentry war eine vorteilhafte Heirat eine der wenigen gesellschaftlich akzeptierten Möglichkeiten, eine gesicherte Stellung zu erlangen. Unverheiratete Frauen waren häufig auf wohlhabende Verwandte angewiesen. Austens Romane folgen deshalb oft dem Muster von Partnersuche und Heirat: Im Mittelpunkt stehen junge Frauen aus der ländlichen Gentry, die nach Konflikten und persönlichen Lernprozessen eine Liebesheirat eingehen.

Die frühen Romane behandeln den Konflikt zwischen gesellschaftlicher Heiratspflicht und dem Wunsch nach einer emotional erfüllenden Ehe. Die Heiratshandlung dient zugleich dazu, soziale und menschliche Verhaltensweisen darzustellen und humorvoll zu kritisieren. Spätere Werke rücken gesellschaftspolitische Fragen noch stärker in den Vordergrund: Fanny Price aus Mansfield Park wächst als abhängige Nichte in der Familie ihres wohlhabenden Onkels auf; der Roman thematisiert unter anderem die Herkunft seines Vermögens aus dem Sklavenhandel. Emma ist eine wohlhabende und unabhängige Erbin, die sich in die Angelegenheiten anderer einmischt und ihre eigenen Fehleinschätzungen erst am Ende erkennt. Anne Elliot aus Persuasion begegnet nach Jahren erneut dem Mann, gegen den sie sich einst unter dem Einfluss ihrer Familie entschieden hatte.

Gerade darin liegt Austens anhaltende Nähe zur Gegenwart: Gefühle sitzen nicht getrennt von Geld, Herkunft und gesellschaftlichen Erwartungen. Sie stecken mittendrin. Elinor und Marianne müssen das auf die harte Tour lernen.

Jane Austen: Schreiben, Familie, Chawton

Jane Austen wurde am 16. Dezember 1775 in Steventon in Hampshire geboren und starb am 18. Juli 1817 in Winchester. Sie war eine britische Schriftstellerin der Regency-Zeit; zu ihren bekanntesten Werken zählen Stolz und Vorurteil und Emma. Austen kam als siebtes von acht Kindern im Pfarrhaus von Steventon zur Welt. Ihr Vater William George Austen war Geistlicher, ihre Mutter Cassandra Austen, geborene Leigh.

Zu ihrer älteren Schwester Cassandra war Jane besonders eng verbunden. Die einzigen erhaltenen Porträts von ihr stammen von Cassandra. Sechs Brüder hatte Austen ebenfalls; Francis und Charles dienten in der Royal Navy und erreichten später den Rang eines Admirals. Die gebildete Familie ermöglichte Jane eine für Mädchen ihrer Zeit vergleichsweise umfassende Ausbildung und den Zugang zur Bibliothek ihres Vaters.

Mit zwölf Jahren begann sie zu schreiben. Zwischen 1787 und 1793 entstanden drei Bände mit Prosastücken, Kurzromanen, Theaterstücken und Fragmenten, in denen sie literarische und gesellschaftliche Konventionen satirisch behandelte. Zwischen 1792 und 1799 verfasste sie in Steventon erste Fassungen späterer Romane. Sie las unter anderem William Cowper, Alexander Pope, Henry Fielding und George Crabbe; 1796 stand ihr Name auf der Subskriptionsliste von Fanny Burneys Roman Camilla.

1801 zog Austen mit ihren Eltern und ihrer Schwester nach Bath und lebte dort bis 1806. Wegen verlorener oder vernichteter Briefe ist über diese Zeit wenig bekannt; vermutlich schrieb sie damals nur wenig. Das Fragment The Watsons wird meist dieser Phase zugeordnet. Nach dem Tod ihres Vaters 1805 lebten Austen, ihre Mutter und ihre Schwester zunächst bis 1809 bei ihrem Bruder Francis und dessen Frau in Southampton.

In Chawton, wohin die Familie 1809 mit Martha Lloyd zog, stellte Austens Bruder Edward, der von einem wohlhabenden Onkel adoptiert worden war, ihnen ein Landhaus zur Verfügung. Im heutigen Jane Austen’s House Museum lebte und arbeitete Austen bis zu ihrem Tod. Dort schrieb, überarbeitete und veröffentlichte sie alle ihre Romane außer Northanger Abbey und Persuasion.

Austen heiratete nie. 1802 lehnte sie einen Heiratsantrag von Harrison Bigg Wither ab. Mit 20 Jahren lernte sie Thomas Lefroy kennen; beide teilten ein Interesse an englischsprachiger Literatur, doch Lefroys Familie lehnte eine mögliche Heirat aus finanziellen Gründen ab. Zu Lebzeiten veröffentlichte Austen anonym, ihre Bücher trugen die Verfasserangabe „by a lady“.

Von „Elinor and Marianne“ ins Kino

Das Manuskript Elinor and Marianne von 1796 überarbeitete Austen 1809. 1811 erschien es als Sense and Sensibility – „Verstand und Gefühl“ –, ihr erster veröffentlichter Roman. Pride and Prejudice folgte 1813; der ursprüngliche Entwurf von 1797 hieß First Impressions und wurde 1811 überarbeitet. Northanger Abbey, zwischen 1798 und 1799 verfasst und 1802 überarbeitet, erschien 1817 nach Austens Tod.

Der Briefroman Lady Susan entstand 1794, wurde 1805 um einen Schluss erweitert und erschien erst 1870. The Watsons begann Austen vermutlich 1804, blieb unvollendet und wurde 1871 veröffentlicht. Das Manuskript wurde 2011 bei Sotheby’s für 993.250 Pfund versteigert. Ein weiteres unvollendetes Werk, Sanditon, entstand 1816 und erschien 1925.

Im Alter von 40 Jahren erkrankte Austen schwer. Heute wird vermutet, dass sie an Nebennierenrindeninsuffizienz litt. Am 24. Mai 1817 reiste sie mit ihrer Schwester zur Behandlung nach Winchester. Dort starb sie am 18. Juli; am 24. Juli wurde sie in der Kathedrale von Winchester beigesetzt.

Ihre frühen Texte bestanden vor allem aus satirischer und parodistischer Kurzprosa sowie Theaterstücken. Vollständig veröffentlicht wurden diese Jugendwerke erst in den 1950er Jahren. Eine englische Gesamtausgabe erschien 1988 bei Oxford University Press und wurde 1993 erweitert. Zu den Texten zählen unter anderem Frederic & Elfrida, The History of England, Jack & Alice, Edgar & Emma, Henry and Eliza, The Beautifull Cassandra, The Three Sisters, Love and Freindship