In Göttingen bekommt die klinische Datennutzung eine neue Ebene: Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) führt als erstes Krankenhaus in Deutschland und der Europäischen Union die ADAMS-Plattform des Unternehmens MDClone ein. Aufsetzen wird ADAMS auf dem bestehenden Datenintegrationszentrum UMG-MeDIC. Dort bereits zusammengeführte klinische Daten sollen für Forschung, Versorgung und Qualitätsmanagement leichter zugänglich werden.

Berechtigte UMG-Mitarbeitende sollen longitudinale klinische Daten künftig in einem kontrollierten und sicheren Rahmen selbstständig untersuchen können. Für einzelne Analysen dürfte damit seltener die Unterstützung zentraler IT- oder Analytics-Ressourcen nötig sein. Forschungsfragen, die Weiterentwicklung von Behandlungspfaden, Qualitätsverbesserungen und die Analyse klinischer Prozesse sollen schneller vorankommen – weniger Warteschleife, mehr eigenes Arbeiten mit den Daten.

Eine Nutzungsebene für Forschung und Versorgung

ADAMS kann aus realen klinischen Daten synthetische Datensätze erzeugen. Sie bilden statistische Eigenschaften der Originaldaten ab, ohne reale Patientendatensätze weiterzugeben. Das eröffnet zusätzliche Möglichkeiten für Forschung, die Entwicklung und Erprobung von KI-Anwendungen sowie Kooperationen mit wissenschaftlichen Einrichtungen und externen Partnern.

Ein vergleichbares Datennutzungsmodell wird laut Mitteilung unter anderem bei UChicago Medicine, dem Manchester University NHS Foundation Trust und dem Sheba Medical Center eingesetzt. MDClone bietet Gesundheitseinrichtungen mit ADAMS und dem Betriebsmodell der ADAMS Center einen kontrollierten Self-Service-Zugang zu Daten. Die Plattform verbindet longitudinale Real-World-Daten, synthetische datenschutzwahrende Daten und KI-Funktionen. Nach eigenen Angaben arbeitet MDClone mit Gesundheitseinrichtungen und akademischen Institutionen in Nord- und Südamerika, Europa und Israel zusammen.

UMG-MeDIC wurde im Rahmen der bundesweiten Medizininformatik-Initiative aufgebaut. Mit ADAMS ergänzt die UMG diese bestehende Dateninfrastruktur um eine Nutzungsebene für Forschung, Versorgung und Qualitätsmanagement. Die Infrastruktur soll dadurch auch über die Förderperioden der Medizininformatik-Initiative hinaus nachhaltig genutzt werden können.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Die UMG vereint die Medizinische Fakultät der Georg-August-Universität und das Universitätsklinikum in einem Integrationsmodell. Als einziger Maximalversorger in Südniedersachsen verfügt sie über rund 1.700 stationäre und teilstationäre Betten. Jährlich behandelt sie rund 55.000 Patientinnen und Patienten stationär sowie etwa 280.000 ambulant. Zusammen mit ihren Tochtergesellschaften beschäftigt die UMG knapp 9.800 Menschen; rund 60 Kliniken, Institute und Abteilungen decken medizinische Grund- und Spezialdisziplinen ab.

Was hinter einem Datenintegrationszentrum steckt

Die Konsortien der Medizininformatik-Initiative haben an ihren universitätsmedizinischen Standorten Datenintegrationszentren, kurz DIZ, eingerichtet. Sie sammeln Forschungs- und Versorgungsdaten von Universitätskliniken, übernehmen Informationen aus unterschiedlichen datenliefernden Systemen, führen sie zusammen und bereiten sie auf. Dazu kommen die Sicherstellung von Datenqualität und Datenschutz, die Bereitstellung aufbereiteter Daten für die medizinische Forschung und die Rückführung von Forschungsergebnissen in die Versorgung.

Meist liegen DIZ innerhalb des Klinikums und sind eng mit den klinischen Rechenzentren verbunden. Dadurch bleiben sie an die Systeme der Krankenversorgung angebunden. Gleichzeitig schaffen sie technische und organisatorische Voraussetzungen für die standortübergreifende Datennutzung zwischen Versorgung und Forschung. Medizinische Daten sollen standardisiert erfasst, zusammengeführt und ausgetauscht werden, damit sie mehrfach genutzt werden können. Standardisierung, Wiederverwendbarkeit und Austauschbarkeit sind dabei keine Nebensachen, sondern die Grundlage des ganzen Vorhabens.

Perspektivisch sollen Forschende über eine Anfrage harmonisierte Daten aller deutschen Universitätskliniken in einem einheitlichen Rechtsrahmen nutzen können. Die DIZ sollen als dauerhafte und nachhaltige Infrastruktur erhalten bleiben, die digitale, zielgerichtete Versorgung verbessern und die föderale Forschungslandschaft weiterentwickeln. Die folgende Standortübersicht hat den Stand 03/2026.

Die Standorte der vier MII-Konsortien

Zum Konsortium DIFUTURE gehören das Universitätsklinikum Augsburg (UKA), das Klinikum der Technischen Universität München (TUM Klinikum), das Klinikum der Universität München (KUM), das Universitätsklinikum Regensburg (UKR), die Universität des Saarlandes/Universitätsklinikum des Saarlandes (UdS/UKS), das Universitätsklinikum Tübingen (UKT) und das Universitätsklinikum Ulm (UKU).

Im Konsortium HiGHmed arbeiten die Charité – Universitätsmedizin Berlin, die Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH, das Universitätsklinikum und die Medizinische Fakultät OWL der Universität Bielefeld, die Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem, die Universitätsmedizin Göttingen (UMG), die Medizinische Hochschule Hannover (MHH), das Universitätsklinikum Heidelberg und die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg, das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), die Universität zu Köln/Uniklinik Köln (UKK), die Universität Münster, die Universitätsmedizin Oldenburg, der Bosch Health Campus Stuttgart sowie das Universitätsklinikum Würzburg und die Julius-Maximilians-Universität Würzburg (UKW/JMU) zusammen.

MIRACUM umfasst das Klinikum Chemnitz, die Technische Universität Dresden/Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg/Universitätsklinikum Erlangen, die Goethe-Universität Frankfurt am Main/Universitätsklinikum Frankfurt, die Universität Freiburg/Universitätsklinikum Freiburg, die Justus-Liebig-Universität Gießen/Universitätsklinikum Gießen/Marburg, die Universitätsmedizin Greifswald, die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg/Universitätsklinikum Magdeburg, die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, die Medizinische Fakultät Mannheim der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg/Universitätsklinikum Mannheim sowie die Philipps-Universität Marburg/Universitätsklinikum Gießen/Marburg.

Zum Konsortium SMITH gehören das Universitätsklinikum RWTH Aachen, die Ruhr-Universität Bochum, das Universitätsklinikum Bonn, das Universitätsklinikum Düsseldorf, die Universitätsmedizin Essen, die Universitätsmedizin Halle (Saale), das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, das Universitätsklinikum Jena, das Universitätsklinikum Leipzig und die Universitätsmedizin Rostock.

Vom Sensor am Körper bis zur Forschungsdatenbank

Die Medizininformatik-Initiative des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) soll die Digitalisierung der Medizin und die datenbasierte Gesundheitsforschung in Deutschland voranbringen. Gemeinsam mit den Digitalen FortschrittsHubs Gesundheit verfolgt sie das Ziel, Gesundheitsdaten zu vernetzen und Forschung sowie Versorgung zu verbessern.

Ein Beispiel klingt fast nach Alltag, ist medizinisch aber durchaus heikel: Tragbare Sensoren erfassen bei Menschen mit Herzschwäche zu Hause Vitaldaten und übermitteln sie an Kliniken. Frühzeichen kritischer Entwicklungen können erkannt und Betroffene gezielt behandelt werden. Smartphone-Apps unterstützen Ärztinnen und Ärzte bei schnellen Therapieentscheidungen in Notfällen.

Von 2018 bis 2026/2027 schaffen vier Konsortien Voraussetzungen für die standortübergreifende Nutzung von Forschungs- und Versorgungsdaten. Datenintegrationszentren werden an Universitätskliniken und Partnereinrichtungen gemeinsam mit dem Netzwerk Universitätsmedizin aufgebaut. Anwendungsfälle sollen zeigen, welchen medizinischen Nutzen die Daten für Forschung und Patientenversorgung haben. Die MII soll zu einer dezentralen Forschungsdateninfrastruktur in Deutschland beitragen. Auf die Aufbau- und Vernetzungsphase 2018–2022 folgte die Ausbau- und Erweiterungsphase ab 2023. Das Fördervolumen liegt insgesamt bei mehr als 400 Millionen Euro.

Die Digitalen FortschrittsHubs Gesundheit laufen von 2021 bis 2029. Sie binden Daten aus der regionalen Versorgung in Strukturen und Lösungen der MII ein und erproben an konkreten Anwendungsfällen den Nutzen für die regionale Patientenversorgung. Dafür stehen 100 Millionen Euro zur Verfügung. Daten aus Arztpraxen und Krankenhäusern außerhalb der Universitätskliniken sollen stärker einbezogen werden; die Hubs sollen zeigen, wie digitale Innovationen auch im regionalen Krankenhaus und in der ambulanten Versorgung funktionieren.

Auch der Nachwuchs ist Teil des Programms. Von 2020 bis 2027 fördert das BMFTR Fachkräfte an der Schnittstelle von Informatik und Medizin. Es wurden 51 Medizininformatik-Professuren und 21 Nachwuchsgruppen eingerichtet, in denen rund 100 junge Menschen forschen. Das Fördervolumen beträgt etwa 30 Millionen Euro. Die Gruppen arbeiten an klinischer Entscheidungsunterstützung, Datenintegration und personalisierter Medizin, künstlicher Int