Cartographies of Crises: Wie Karten Kriege, Vertreibungen und Epidemien sichtbar machen
Wie werden Kriege, Vertreibungen oder Epidemien auf Karten sichtbar? Und was passiert mit unserer Erinnerung an solche Krisen, wenn Linien, Symbole und Flächen festlegen, wo Gefahr beginnt und wer wohin gehen musste? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der internationale Workshop „Cartographies of Crises: Mapping Conflict, Disaster, and Uncertainty (19th–21st Centuries)“ am 26. und 27. November 2026 in Gotha.
Gastgeber ist das Forschungskolleg Transkulturelle Studien / Sammlung Perthes (FKTS) der Universität Erfurt. Veranstaltungsort ist das Centre for Transcultural Studies / Perthes Collection, CG2 – Pagenhaus, Schlossplatz 1, Gotha, Deutschland. Der Workshop ergänzt das Programm des Mappings-Seminars und wird gemeinsam mit dem Institut für Geschichte der Tschechischen Akademie der Wissenschaften in Prag organisiert.
Wenn Karten Krisen erzählen
Im Zentrum stehen Geschichte und Theorie der Kartierung von Krisen vom 19. bis zum 21. Jahrhundert. Die Beiträge sollen zeigen, wie Karten Unsicherheit und Ungewissheit, Umbrüche und Disruption, Vertreibung und räumliche Verlagerung sowie sich wandelnde Identitäten darstellen. Ebenso wichtig ist die Frage, wie solche Darstellungen öffentliche Wahrnehmungen und historische Erinnerungen prägen – also nicht bloß, was auf einer Karte eingezeichnet ist, sondern was Menschen darin erkennen.
Untersucht werden Karten zu Kriegen, Zwangsmigrationen und Vertreibungen, Epidemien, Umweltkatastrophen, sozialen Umbrüchen, politischen Konflikten und erwarteten Bedrohungsszenarien. Karten gelten dabei nicht nur als Dokumentationsmittel. Sie können analytische Werkzeuge sein, persuasive Argumente oder Instrumente des Eingreifens – etwa im Krisenmanagement, in der politischen Argumentation, bei Propaganda oder in der Echtzeitkartierung.
Auf dem Tisch liegen ganz unterschiedliche Formen: individuelle und handgezeichnete Karten, staatliche und institutionelle Kartografie, thematische Atlanten, aktuelle digitale Kartierungsprojekte, Historical GIS und Digital Humanities. Beiträge können außerdem untersuchen, wie staatliche, institutionelle, gesellschaftliche, zivilgesellschaftliche und individuelle Akteure Kartografie in Krisensituationen einsetzen.
Macht, Widerstand und andere Blickwinkel
Gefragt sind vergleichende und interdisziplinäre Perspektiven über verschiedene historische Epochen und Weltregionen hinweg. Beiträge zu nichtwestlichen Akteuren und kartografischen Traditionen sind ausdrücklich willkommen. Auch transnationale Ansätze haben Platz – ebenso die Frage, wie unterschiedliche visuelle Sprachen funktionieren: Standardisierung, Symbole und Darstellungstechniken inklusive.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Counter-Mapping und Grassroots-Kartierung durch Gemeinschaften und Einzelpersonen. Karten können Mittel des Widerstands, der Verhandlung und der Anfechtung sein. Sie prägen individuelle und kollektive Vorstellungen von Krieg, Vertreibung, Epidemien und Umweltkatastrophen – manchmal nüchtern, manchmal mit einer politischen Botschaft, die ziemlich deutlich zwischen den Linien steckt.
Auf der Themenliste stehen daher Karten als Analyseinstrumente und als Mittel von Macht und Governance, die Rolle staatlicher und institutioneller Akteure, Krisenmanagement, politische Argumentation, Propaganda und Echtzeitkartierung. Ebenfalls vorgesehen sind Beiträge zu visuellen Sprachen und kartografischen Konventionen, zu Counter-Mapping und Grassroots-Praktiken sowie zu Historical GIS, Digital Humanities, digitalen Kartierungsprojekten, transnationalen Zugängen und nichtwestlichen Kartentraditionen.
Call for Papers läuft bis September
Wer einen Beitrag vorschlagen möchte, reicht ein Abstract mit maximal 300 Wörtern und einen kurzen Lebenslauf ein. Die Frist endet am 10. September 2026. Über Annahme oder Ablehnung werden die Autorinnen und Autoren bis zum 20. September 2026 informiert. Für die Präsentation sind 20 Minuten vorgesehen, anschließend gibt es eine Diskussion.
Die Einreichung erfolgt über das Online-Formular https://forms.gle/Sg1kyeNoSyH5Rukv7. Eine Teilnahmegebühr wird nicht erhoben. Für alle angenommenen Vortragenden übernehmen die Veranstalter die Übernachtungskosten; Reisekosten werden abhängig von den verfügbaren Mitteln teilweise oder vollständig übernommen.
Unterstützt wird der Workshop durch das Forschungsprogramm Strategy AV21 „Identities in the World of Wars and Crises“ der Tschechischen Akademie der Wissenschaften (2026) und die Universität Erfurt. Fragen beantworten Jitka Močičková vom Institut für Geschichte der Tschechischen Akademie der Wissenschaften unter mocickova@hiu.cas.cz sowie Dominic Keyssner von der Universität Erfurt unter dominic.keyssner@uni-erfurt.de.
