In der Universitätsbibliothek Erfurt stehen heute, am 20. Oktober 2026, Kugeln, Würfel, Walzen und bunt bemalte Holzquader im Mittelpunkt. Die Ausstellung „Fröbel – Wirkung – Spielgaben. Die Spielmittel der Gestalterin Dr. Fridlind Siebrecht“ zeigt pädagogische Ideen Friedrich Fröbels und Spielzeug, das daraus entstanden ist.

Viele der Exponate wurden von Fridlind Siebrecht entwickelt. Die Thüringerin gilt als bedeutende Spielmittelgestalterin. Ihre Holzspielzeuge orientieren sich an Fröbels Vorstellungen, haben aber zugleich eine eigene Formensprache. Manche Holzquader lassen sich kreisförmig aufstellen. Wird einer angestoßen, kippen die anderen nacheinander um – fast wie Dominosteine. Ein kleines Geräusch, eine sichtbare Bewegung, und plötzlich steckt darin Geometrie, Physik und ein bisschen Spannung.

Spielend Formen begreifen

Die Ausstellung macht erfahrbar, was Fröbel unter spielerischem Lernen verstand: Kinder sollen Formen, Größen, Farben und Oberflächen nicht bloß erklärt bekommen, sondern sie durch eigenes Tun erfassen. Fröbel nannte seine Materialien „Spielgaben“ – Geschenke an Kinder.

Einige dieser Spielgaben beruhen auf den Grundformen Kugel, Walze und Würfel. Unterteilte Holzkreise können, wie die Erziehungsforscherin Andrea Christine Schmid erläutert, sogar dazu dienen, Bruchrechnen einzuführen. Fröbel entwarf außerdem einfach gestaltete Puppen; Bilder davon sind in Erfurt zu sehen.

Seine Kindergartenidee verbindet Lernen mit Spiel und prägt die frühkindliche Bildung bis heute. Ausgangspunkt war Fröbels Gedanke, das Spiel sei das „reinste und geistigste Erzeugnis“ des Menschen. Kinder sollten sich die Welt selbstständig und gemeinsam mit Erwachsenen erschließen – mit Bällen, Kugeln und Würfeln, aber auch durch Gesang, Falten, Flechten und Gartenpflege. Erwachsene, so die Vorstellung, sollen den angeborenen Tätigkeitstrieb der Kinder anerkennen und respektieren. Der Kindergarten war für Fröbel ein Ort der Gemeinschaft kleiner Kinder, begleitet von ausgebildeten Pädagoginnen und Pädagogen.

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Die Universität Erfurt unterstützt deshalb die Bestrebungen, Fröbels Kindergartenidee zum immateriellen UNESCO-Weltkulturerbe zu erklären. Bereits am 15. März 2023 wurde die Kindergartenidee nach Fröbel in das Bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Von Oberweißbach nach Blankenburg

Friedrich Wilhelm August Fröbel wurde am 21. April 1782 in Oberweißbach geboren und starb am 21. Juni 1852 in Marienthal. Der deutsche Pädagoge setzte sich kritisch und weiterentwickelnd mit Johann Heinrich Pestalozzi auseinander. Sein Hauptverdienst lag in der praktischen Umsetzung der Erkenntnis, dass die frühe Kindheit für die spätere menschliche Entwicklung entscheidend ist.

Fröbel war das sechste Kind des orthodox-lutherischen Pfarrers Johann Jakob Fröbel und dessen Frau Jacobine Eleonore Friederike. Seine Mutter starb 1783; der frühe Verlust und Schwierigkeiten mit seiner Stiefmutter prägten ihn. Ab 1792 lebte er bei seinem mütterlichen Onkel, Superintendent Hoffmann, in Stadtilm und besuchte dort die Elementarschule.

Es folgten eine Landwirtschafts- und Försterlehre bei Hirschberg an der Saale von 1797 bis 1799, ein naturwissenschaftliches Studium in Jena ab 1799 sowie Tätigkeiten als Forstamtsaktuar und Landmesser in Baunach und Bamberg von 1802 bis 1803. Von 1804 bis 1805 arbeitete Fröbel als Privatsekretär auf Gut Groß Miltzow. Die Bibliothek dort öffnete ihm den Weg zu Architektur, Philosophie, Literatur und Theologie. Schriften von Karl Ludwig Pörschke, Novalis, Ernst Moritz Arndt und Friedrich Schelling beeinflussten ihn. Später bezeichnete er seine Zeit in Miltzow als geistiges Erweckungserlebnis.

Ende August 1805 besuchte Fröbel Pestalozzis Institut in Yverdon-les-Bains in der Schweiz. Er blieb etwa 14 Tage und sagte später, er habe dort viel gelernt. Nach seiner Rückkehr arbeitete er als Erzieher an der Pestalozzi-Musterschule in Frankfurt am Main. Von 1806 bis 1811 war er Hauslehrer der drei Söhne der Familie von Holzhausen; von 1808 bis 1810 lebte er mit den Kindern im Pestalozzi-Institut in Yverdon. Konflikte zwischen Lehrern und Pestalozzis Reaktionen darauf enttäuschten ihn am Ende.

Fröbel entwickelte Pestalozzis Elementarmethode weiter und erkannte die besondere Bedeutung der frühen Kindheit. 1811 studierte er in Göttingen Sprachen, Physik und Chemie sowie in Berlin Mineralogie, allerdings ohne Abschluss. Danach wurde er Lehrer an der Plamannschen Schule in Berlin. Mit Beginn der Befreiungskriege gegen Napoleon im März 1813 brach er das Studium ab und nahm im Lützowschen Freikorps an der Schlacht bei Großgörschen im Mai 1813 teil. Während des Militärdienstes schloss er Freundschaft mit Wilhelm Middendorf und Heinrich Langethal.

Keilhau, Spielgaben und der erste Kindergarten

1814 wurde Fröbel Assistent am Institut und Museum für Mineralogie in Berlin. Zwei Jahre später gründete er in Griesheim bei Stadtilm die „Allgemeine Deutsche Erziehungsanstalt“, die er 1817 nach Keilhau bei Rudolstadt verlegte. Gemeinsam mit Heinrich Langethal, Wilhelm Middendorf und Wilhelmine Henriette Hoffmeister baute er die Einrichtung aus. 1818 heiratete er in Berlin Wilhelmine Hoffmeister; die Ehe blieb kinderlos.

Ab 1820 veröffentlichte Fröbel mehrere Keilhauer Werbeschriften. 1826 erschien sein Hauptwerk „Die Menschenerziehung“, im selben Jahr gründete er die Wochenschrift „Die erziehenden Familien“. Den Helba-Plan für eine Volkserziehungsanstalt setzte er 1828/29 nicht um. 1831 wurde die Schule in Keilhau von Middendorf und Langethal weitergeführt, 1835 übernahm Johannes Arnold Barop ihre Leitung. Die Schule wird bis heute in fröbelpädagogischer Tradition weitergeführt.

Von 1831 bis 1836 lebte Fröbel erneut in der Schweiz. 1831 gründete er im Schloss Wartensee bei Neuenkirch im Kanton Luzern eine Erziehungsanstalt, die er 1833 nach Willisau verlegte. 1835/36 leitete er das Waisenhaus in Burgdorf im Kanton Bern, gab dort die Zeitschrift „Grundzüge der Menschenerziehung“ heraus und veröffentlichte 1836 „Erneuerung des Lebens erfordert das neue Jahr 1836“.

1837 kehrte er nach Thüringen zurück und widmete sich nun überwiegend vorschulpflichtigen Kindern. In Blankenburg begann er mit der Herstellung von Spielmaterialien und gründete eine „Pflege-, Spiel- und Beschäftigungsanstalt“ für Kleinkinder. Bewegungsspiele, geistige Spiele, Sprüche und Lieder sollten die Kinder anregen, verbunden mit der Natur und passend zu ihrem Alter.

Am 28. Juni 1840 gründete Fröbel im Blankenburger Rathaus den „Allgemeinen deutschen Kindergarten“. Anders als Kinderbewahranstalten und Kleinkinderschulen verband diese Einrichtung Betreuung mit Bildung und Erziehung. Fröbels Geburtstag, der 21. April, wird weltweit als Kindergarten-Tag begangen, in den USA als „National Kindergarten Day“. Der Begriff „Kindergarten“ wurde in mehr als 40 Sprachen weitgehend unverändert übernommen.

Fröbel stellte das Spiel als zentrale kindliche Lebensform und wichtigste Form frühkindlicher Bildung heraus. Bildung sollte vorrangig im Spiel und nicht durch reine Wortbelehrung erfolgen. Seine Spielgaben und Beschäftigungsmaterialien sollten Kreativität, Motorik und zunehmende Abstraktionsfähigkeit fördern. Die erste Spielgabe bestand aus Häkelbällen, die zweite aus Kugel beziehungsweise Ball, Würfel und Walze beziehungsweise Zylinder. Später kamen unterschiedlich geteilte Würfel hinzu.

Mit den „Mutter- und Koseliedern“ wollte Fröbel das sensomotorische Spiel anregen und die Mutter-Kind-Bindung stärken. Das 1844 veröffentlichte Werk entstand nach mehrjähriger Arbeit mit dem Zeichner Unger und dem Musiker Kohl. Es sollte Müttern die Bedeutung und Verantwortung von Mutterschaft und Erziehung vermitteln, enthielt Hilfen für die Säuglings- und Vorkindergartenerziehung sowie 100 Lieder zum Spielen mit dem Ball.

1842 begannen in