Kai Hafez analysiert die Banalität des Orientalismus in modernen Institutionen
Eine neue Publikation von Kai Hafez an der Universität Erfurt nimmt sich ein hartnäckiges Problem vor: Warum halten sich Orientalismus und Islamfeindlichkeit über Jahrhunderte hinweg – ausgerechnet in der aufgeklärten westlichen Moderne? Sein Buch Die Banalität des Orientalismus. Strukturelle Feindlichkeit in der modernen Gesellschaft erscheint am 27. Oktober 2026 im transcript Verlag.
Hafez, Politikwissenschaftler und Professor für Kommunikationswissenschaft an der Universität Erfurt, richtet den Blick dabei nicht nur auf offen rassistische oder imperialistische Ideologien. Anders als die postkoloniale Forschung um Edward Said verortet er die Ursachen nicht ausschließlich dort. Auch moderne politische Institutionen, Medien und die Wissenschaft können durch Nichtwissen und fehlerhafte Routinen zur Entstehung eines „banalen Orientalismus“ beitragen.
Wenn Unwissen zur Struktur wird
Der Begriff beschreibt Mechanismen, die laut Buchdarstellung unbewusst wirken. Gerade weil sie nicht immer als bewusste Feindseligkeit auftreten, können sie sich im Alltag von Institutionen festsetzen. Ihre Folgen reichen dabei über einzelne Debatten hinaus: Der institutionelle Orientalismus kann globale Risiken erhöhen.
Hafez verbindet eine theoretische Debatte mit empirischen Befunden aus verschiedenen Sozialwissenschaften. Das macht den Zugang ziemlich breit: Es geht um Medien, Politik und Wissenschaft, aber ebenso um die Routinen, in denen solche Bereiche arbeiten. Die Schlagwörter des Buches lauten entsprechend Medien, Orientalismus, Politik und postcolonial studies.
Als Konsequenzen nennt der Autor eine neue beziehungsweise erneuerte Aufklärung und einen kosmopolitischen Umbau der Institutionen. Das klingt groß – und ist es auch. Gemeint ist eine Veränderung jener Strukturen, die Vorstellungen über den sogenannten Orient und über Musliminnen und Muslime hervorbringen oder weitertragen.
Vom Deutschen Orient-Institut nach Erfurt
Kai Hafez war zuvor am Deutschen Orient-Institut tätig, das heute GIGA heißt. Außerdem lehrte und forschte er als Gastprofessor und Gastforscher an Universitäten in Oxford, Bern und Kairo. Erfahrung bringt er auch aus der Politikberatung für deutsche Regierungen mit.
Die deutsche Ausgabe gehört zur Reihe X-Texte zu Kultur und Gesellschaft. Sie ist als neu aufgelegte erste Auflage ausgewiesen und richtet sich an Leserinnen und Leser, die sich mit Orientalismus und Islamfeindlichkeit in der modernen westlichen Gesellschaft beschäftigen – sei es aus wissenschaftlichem Interesse oder weil einem die immer gleichen Muster in öffentlichen Debatten irgendwann schlicht auffallen.
Bibliografische Angaben
- Titel: Die Banalität des Orientalismus – Strukturelle Feindlichkeit in der modernen Gesellschaft
- Autor: Kai Hafez
- Verlag: transcript
- Erscheinungsdatum: 27. Oktober 2026
- Sprache: Deutsch
- Ausstattung: Softcover, 376 Seiten, 148 × 225 mm
- Preis: 39,00 € inklusive Mehrwertsteuer; auch als E-Book erhältlich
- ISBN: 978-3-8376-7833-8
- ISBN-10: 3-8376-7833-4
- Reihe: X-Texte zu Kultur und Gesellschaft
Das Buch ist damit kein reiner Rückblick auf koloniale Denkmuster. Es fragt vielmehr, wie sie in gegenwärtigen Institutionen fortwirken können – manchmal laut, manchmal kaum bemerkbar, oft in Abläufen, die auf den ersten Blick völlig normal aussehen.
