Was haben historische Freundschaftsalben, Zimmerpflanzen und ein Rettungswagen gemeinsam? Bei der Kinder-Uni Erfurt führen sie mitten hinein in die Welt der Wissenschaft. Kinder können an der Universität Erfurt ansehen, was Menschen früher in Freundschaftsalben über sich festhielten, und dabei Geschichte einmal ganz nah, fast zum Durchblättern, erleben.

Auch sonst wird ausprobiert statt nur zugehört: In der Veranstaltung „Dein Zimmer wird grün!“ geht es um Wissenswertes über Zimmerpflanzen. Ein weiterer Workshop zeigt, wie Umweltforschung zu umweltbewusstem Verhalten beitragen kann. Dafür schlüpfen die Kinder selbst in die Rolle von Umweltforscherinnen und Umweltforschern.

Vom Notfallzentrum bis ins Moor

Im Helios Klinikum Erfurt erkunden die Teilnehmenden das Notfallzentrum, lernen den Rettungsdienst kennen und verfolgen, wie Blut durch den Körper fließt. Die Fachhochschule Erfurt steuert Mitmachveranstaltungen aus verschiedenen Wissenschaftsbereichen bei. Dort können Kinder unter anderem Moore als einzigartige und gefährdete Lebensräume entdecken.

Die Kinder-Uni Erfurt ist eine gemeinsame Initiative der Universität Erfurt und der Fachhochschule Erfurt. Seit 2006 beteiligt sich auch das Helios Klinikum und ergänzt das Programm um Gesundheits- und Medizinthemen. Die Reihe startete 2003 mit acht Vorlesungen. Heute gibt es jährlich Vorträge und Labor-Experimente für Kinder – rund 40 Veranstaltungen pro Jahr, an denen mehr als 1000 Kinder teilnehmen.

Das Programm richtet sich an verschiedene Altersgruppen und ist kostenlos. Kinder können einzeln oder mit ihrer Schulklasse teilnehmen. Allerdings heißt es, schnell sein: Die Veranstaltungen sind meist rasch ausgebucht.

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Der Schlaufuchs weiß, wo es langgeht

Maskottchen der Kinder-Uni ist der „Schlaufuchs“ – mit Doktorhut und Einstein-Buch. Entworfen wurde er 2005 vom Erfurter Tino Böttger. Wer über neue Termine und das aktuelle Programm auf dem Laufenden bleiben möchte, kann den Newsletter „Schlaufuchs“ abonnieren. Dafür genügt eine Nachricht an lisa.wollenschlaeger@uni-erfurt.de.

Veranstaltungen, Anmeldung und Teilnahmebedingungen stehen auf www.kinderuni-erfurt.de. Eine Anmeldung ist in jedem Fall erforderlich; bei Angeboten des Helios Klinikums läuft sie über Gesine Grimm unter Gesine.Grimm@helios-gesundheit.de. Wer schon einmal erlebt hat, wie schnell begehrte Plätze weg sind, wartet besser nicht bis zum letzten Drücker.

Wenn TikTok zum Wissenschaftsthema wird

Dass Kinder-Uni längst nicht nur aus Mikroskopen, Pflanzen und medizinischen Geräten besteht, zeigt ein Blick nach Frankfurt. In der dritten Vorlesung am Mittwoch ging es um soziale Medien wie TikTok, YouTube und Instagram. Prof. Roland Broemel, Medienrechtler und Internetnutzer, sprach über die Entwicklung und Aufgaben des Medienrechts.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es nur wenige Radio- und Fernsehgeräte. Nach der Einführung des Fernsehens war außerhalb der Sendezeiten häufig ein Testbild zu sehen. Rundfunksendungen zu produzieren, war technisch aufwendig; weil nur wenige Anbieter senden konnten, sollte das Medienrecht eine vielfältige Medienversorgung sicherstellen.

Heute ist die Lage beinahe umgekehrt: Auf YouTube, TikTok und Instagram gibt es eine riesige Menge an Videos, Audios und Texten. Zu den Aufgaben des Medienrechts gehört deshalb, Orientierung zu ermöglichen, vor falschen Informationen zu schützen und den Umgang mit schädlichen Bildern, Filmen und Kontakten zu regeln. Alles lösen kann das Medienrecht trotzdem nicht.

Broemel betonte, dass Kinder mit angstauslösenden Inhalten nicht allein bleiben sollen. Hilfe können sie sich bei Eltern, Freunden oder Geschwistern holen. Schuld daran, mit solchen Inhalten konfrontiert worden zu sein, tragen sie nicht.

In Erfurt wartet derweil der Schlaufuchs auf neue Entdeckungstouren. Heute ist der 1.10.2026 – und die nächsten Fragen stehen vermutlich schon vor der Tür.