Handschriften sind längst nicht nur etwas für staubige Archive. Sie werden in der Philologie, Geschichte und Kunstgeschichte untersucht, ebenso in Theologie und Religionswissenschaft, Bibliotheks- und Museumswissenschaft sowie in der Übersetzungs- und Translationsforschung. Selbst Naturwissenschaften, etwa bei der Radiokarbondatierung, und die Informatik mit den Digital Humanities greifen auf sie zurück.

Die Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt setzt ihre digitale Veranstaltungsreihe „Gotha Manuscript Talks“ im Wintersemester mit einem neuen Programm zu orientalischen Handschriften fort. Eingeladene Forschende sprechen darüber, wie konkrete Manuskripte den Blick auf wissenschaftliche Forschungsgegenstände verändert haben. Das kann Wissensbestände bestätigen, korrigieren oder gleich ganz neu sortieren – und stellt die Forschung mitunter vor ziemlich knifflige Fragen.

Vier Abende, sieben Sprachräume

Die Termine liegen am 14. Oktober, 28. Oktober, 11. November und 25. November 206, jeweils um 18:15 Uhr. Die Jahresangabe „206“ entspricht der Schreibweise im Artikel. Nach Angaben von Dr. Feras Krimsti, wissenschaftlicher Referent für die orientalische Handschriftensammlung, geht es unter anderem um Manuskripte in arabischer, persischer, türkisch-osmanischer, syrischer, äthiopischer und hebräischer Sprache sowie in weiteren orientalischen Sprachen.

Angekündigt werden außerdem die Themen und Gäste der kommenden Veranstaltungen, ohne dass sie im Artikel näher aufgeführt sind. Inhaltlich reicht das Spektrum von der Rezeption und dem Vergessen von Wissen über historische und literarische Entwicklungen bis zu theologischen Problemen und Überlieferungsprozessen. Auch soziale und intellektuelle Netzwerke, künstlerische und museale Praktiken, ökonomische Entwicklungen sowie weitere gesellschaftliche und geistige Phänomene kommen zur Sprache.

Jeder Vortrag dauert 45 Minuten. Danach ist Zeit für Diskussionen – also nicht bloß zuhören, Fenster schließen, fertig. Die Reihe findet online statt: uni-erfurt.webex.com/meet/veranstaltungen.fb. Später werden die Aufzeichnungen in der Mediathek der Forschungsbibliothek Gotha bereitgestellt.

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Handschriften als bewegliche Wissensspuren

Wie sehr ein einzelnes Manuskript Forschungsfragen verschieben kann, zeigt auch ein Blick über Gotha hinaus. Die Handschriftenabteilung der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main verwahrt mehr als 170 orientalische Handschriften. Vertreten sind vor allem Arabisch, Äthiopisch, Persisch und Türkisch.

Zur Sammlung gehört die Sammlung Rüppell mit gut 20 äthiopischen Handschriften. Der Afrikaforscher Eduard Rüppell (1794–1884) erwarb sie während einer Äthiopienreise von 1831 bis 1834. Nach seiner Rückkehr schenkte er die Manuskripte der Stadtbibliothek seiner Heimatstadt. Weitere wichtige Provenienzen stammen vom Orientalisten Hiob Ludolf (1624–1704) und vom Sprachforscher Ludwig Harald Schütz (1873–1941).

Unter der Signatur „Ms.var.“ liegen außerdem fünf slawische Handschriften. Für die Online-Ausgaben der orientalischen Handschriften sind keine bekannten urheberrechtlichen Beschränkungen angegeben. Das macht den digitalen Zugang etwas unkomplizierter – und dürfte so manchem neugierigen Blick entgegenkommen.