Wolfgang Beck übernimmt Pastoraltheologie in Erfurt
Zum Wintersemester 2026/27 bekommt die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Erfurt ein neues Gesicht: Prof. Dr. Wolfgang Beck übernimmt die Professur für Pastoraltheologie und Religionspädagogik. Er folgt auf Prof. Dr. Maria Widl. Beck ist 52 Jahre alt – und bringt reichlich Hochschul-, Medien- und Praxiserfahrung mit.
Seit 2015 war er an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main tätig, zunächst als Juniorprofessor für Pastoraltheologie und Homiletik. Nach seiner Habilitation wechselte er dort 2022 auf eine ordentliche Professur. Seit 2024 leitete er die Hochschule als Rektor. Bekannt ist Beck außerdem als Sprecher der ARD-Sendereihe „Das Wort zum Sonntag“. Ein Beitrag im Forschungsblog „WortMelder“ stellt ihn näher vor.
Pastoraltheologie zwischen Kirche, Medien und Alltag
Becks Publikationsliste liest sich wie eine Landkarte kirchlicher Gegenwartsfragen. Zu seinen Monografien gehören Die unerkannte Avantgarde im Pfarrhaus. Zur Wahrnehmung eines abduktiven Lernortes kirchlicher Pastoralgemeinschaft (Berlin 2008, Dissertation), gemeinsam mit Hennecke Think about. Das Sakrament der Buße mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen neu entdecken (München 2008), Die katholische Kirche und die Medien. Einblick in ein spannungsreiches Verhältnis (Würzburg 2018), Ohne Geländer. Pastoraltheologische Fundierungen einer risikofreudigen Ekklesiogenese (Ostfildern 2022, Habilitationsschrift, 3. Auflage) und Sprung in den Staub. Elemente einer risikofreudigen Praxis christlichen Lebens – Ein Essay (Ostfildern 2024).
Die Bücher wurden vielfach besprochen: etwa in HerKorr, Anzeiger für die Seelsorge, Lebendige Seelsorge, ZPT, PThQ, der Theologischen Literaturzeitung, der MThZ, der Theologischen Revue, ThGl, Wort und Antwort sowie auf feinschwarz.net, explizit.net, Tertio Antwerpen und „Fernblick“. Das Buch über Kirche und Medien wurde 2020 gekürzt als Modul im pastoraltheologischen Kurs von „Theologie im Fernkurs“ veröffentlicht.
Auch als Herausgeber ist Beck aktiv. 2026 erschien mit Zimnik Hoffen und Handeln. Theologische und spirituelle Impulse angesichts der Klimakrise (Ostfildern). 2025 folgte mit Honemann Von der Pflicht zur Kür. Experimente in der pastoralen Praxis (Freiburg). Weitere Herausgeberschaften sind die CONTOC-Studie Die Contoc-Studie: Empirische Einsichten, Interpretationen und Perspektiven – Kirchen online in Zeiten von Corona mit Schlag, Nord und anderen (Wiesbaden 2023), Aufbruch statt Rückzug. Die römisch-katholische Kirche in der Öffentlichkeit heute mit Heyder, Sattler, Söding und Wuckelt (Freiburg 2022) sowie Theologie und Digitalität. Ein Kompendium mit Nord und Joachim (Freiburg 2021).
Von der Klimakrise bis zum Pizza-Bringdienst
Allein 2026 veröffentlichte Beck mit Hartmann und Klein den Lehrbrief „Entwicklungen und Positionen in der Pastoraltheologie“ bei „Theologie im Fernkurs“ (Würzburg 2026). Dazu kamen „Daumen hoch für die Predigt? Die Lernpotenziale der Social Media für analoge Formate kirchlicher Verkündigung“ (München 2026, S. 137–154), „Das Ringen um umfassende Verbundenheit“ im Klimakrisen-Sammelband (Ostfildern 2026, S. 72–90) und journalistisch „Selbstsuche im künstlerischen Werk Sabsabis“ auf feinschwarz.net am 9. Juni 2026.
2025 schrieb Beck über Kulturen des Digitalen, pastoraltheologische Sondierungen, die Verortung christlicher Theologie in gesellschaftlichen Fragen, Sakramente im kulturellen und ritualtheoretischen Wandel, pluralitätsfähige Theologie, Liturgie und gesellschaftliche Öffentlichkeiten sowie digitale Pastoral während und nach der Covid-Pandemie. Hinzu kam der Predigtbeitrag „Vom Durchbrechen marktförmigen Denkens“ zu Lk 6,27–38. Journalistisch interviewte er katholisch.de zur Bedeutung von Weihnachtspredigten und veröffentlichte auf feinschwarz.net „Mit kleinen Häusern vom Evangelium erzählen“, Teil 1, am 13. November 2025, sowie „Im Niedergang leben lernen“, Teil 2, am 14. November 2025.
Im Jahr 2024 beschäftigte er sich mit gemeinwohlorientierter und pluralitätsaffiner Kirchenentwicklung, Ökumene als Ressource, Technik und Religion, Gerechtigkeit und Predigt, spätmoderner Gottesrede, theologischen Lernmöglichkeiten aus Hotelzimmern und Kultur als Ort homiletischer Praxis. Der Beitrag zur Kultur als homiletischem Ort erschien zusätzlich in einem Sammelband zur Kulturdiakonie. Dazu kamen der Predigttext „Wenn das Feuer nicht am Ende von Demütigen steht, sondern am Beginn von Aufbrüchen“, ein Interview mit Georg Plasger zur Leuenberg-Ökumene, „Fremde überall“ – eine Betrachtung der Biennale 2024 – und „Hier spricht die Polizei“.
Die Liste der Themen bleibt auffallend nah am echten Leben. 2023 veröffentlichte Beck mit Kohlbrenner eine Arbeit zu Instagram in anthropologischer und theologischer Reflexion. Mehrere Beiträge widmeten sich der CONTOC-Studie: Einleitung und englische Einleitung, methodisches Vorgehen, Ergebnisse zu Deutschland, Identitätskonstruktionen katholischer pastoraler Hauptamtlicher, innerkirchliche Subsidiarität und Ökumene als Ressource. Weitere Texte behandelten das Priesteramt und informelle Macht, gemeinwohlorientierte Pastoral, spätmoderne Predigt, Predigen zwischen analogen und digitalen Räumen, Glaubensweitergabe in dialogischer Perspektive, poetische Gottesrede sowie historisch-kritische Bibellektüre und ekklesiogenetische Suchprozesse.
Journalistisch ging es 2023 unter anderem um „Protestwohnen auf Bäumen“, das Interview „Theologie für die Gegenwart“, „Vom Schweinsbraten zum Pizza-Bringdienst“, die Ehe als lebenslanges Versprechen, „Kirchliche Selbstfindung im Digitalen“, „Im Gespräch sein und mitwirken“, „Unbehaust“ zum Verhältnis von Christentum und Gegenwart sowie ein Interview mit Pia Arnold-Rammé.
2022 schrieb Beck über die Deformation des Sakralraums durch Separierung, Kirchengebäude als Erinnerungsorte, Predigen in mediatisierten Welten, Digitalität und theologische Bildung, öffentliche Aufmerksamkeit für ermordete Patientinnen und Patienten, filmische Kunst und „geöffnete Theologie“, Digitalität als Kulturfrage sowie kirchliche Praxis nach der Pandemie. Der Beitrag zur kirchlichen Praxis erschien auch in englischer Übersetzung. In journalistischen Texten ging es um „Phänomene toxischer Barmherzigkeit“, neue Räume für Trauernde, theologische Grundzüge an einer Schneeschaufel, eine Kunstinstallation auf dem Katholikentag und Homeoffice als „Inbegriff des entgrenzten Lebens?“.
Ein langes Archiv der Gegenwart
Schon 2021 standen ein norddeutsches Theaterprojekt und die Praxis der Parrhesia, das Subjekt und die kirchliche Sozialform in digitaler Kultur, Bedürfnisse digital geprägter Gesellschaften, pastorale Erfahrungen während der Corona-Pandemie, digitale Konnektivitäten als christliche Sozialform sowie zeitgenössische Predigt und „geöffnete Theologie“ auf seiner Agenda. Dazu kamen ein Interview mit Felix Stalder zur Kultur der Digitalität, ein Beitrag über Tattoos und die Gesellschaft der Singularitäten sowie ein journalistisches Interview mit Claire Rushati und Audace Manirahinyuza über deren Arbeit im Südkongo.
2020 veröffentlichte Beck mit Bünker Beobachtungen zum pastoralen und kirchlichen Umgang mit der Covid-19-Pandemie. Weitere Beiträge drehten sich um das Konvivialistische Manifest und christliche Praxis, Liturgie und Digitalität, Zeichnungen und theologische Bezüge, Sepulkralkultur, Gottesrede in gesellschaftlichen Öffentlichkeiten, religiöse Kommunikation
