Bund leitet Verkauf von 99 Prozent an Uniper ein
Der Bund hat den Verkauf seiner Anteile am Düsseldorfer Energiekonzern Uniper eingeleitet. Am Dienstag schaltete die Bundesregierung dafür eine Verkaufsanzeige in der Printausgabe der Financial Times. Interessenten können sich bis zum 12. Juni schriftlich beim Bundesfinanzministerium melden.
Für Uniper ist das ein tiefer Einschnitt – und zugleich das nächste Kapitel einer Rettungsgeschichte, die 2022 mit ausbleibenden russischen Gaslieferungen begann. Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine und dem Ende der Lieferungen geriet der Konzern in eine schwere Krise. Der Staat stützte ihn mit 13,5 Milliarden Euro und verstaatlichte ihn Ende 2022. Seitdem hält der Bund rund 99 Prozent der Anteile.
Ein Verkauf mit angezogener Handbremse
Ganz aussteigen will der Staat nicht. Die Bundesregierung hat sich verpflichtet, ihre Beteiligung bis spätestens Ende 2028 auf höchstens 25 Prozent plus eine Aktie zu reduzieren. Dieser Anteil soll eine Sperrminorität sichern und politischen Einfluss auf das für die Energieversorgung wichtige Unternehmen erhalten.
Wie der Verkauf genau abläuft, ist noch offen. Geprüft werden ein direkter Verkauf an private Eigentümer, die Abgabe von Aktien über die Börse oder eine Kombination beider Wege. Auch ein außerbörslicher Verkauf wird erwogen, weil der Aktienkurs laut Süddeutscher Zeitung deutlich sinken könnte, sobald der Bund größere Pakete anbietet. Einen Börsengang prüft die Bundesregierung ebenfalls. Einzelne Geschäftsbereiche von Uniper sollen nicht verkauft werden.
Der Konzern ist derzeit etwa 18 Milliarden Euro an der Börse wert. Für die konkrete Form und den Zeitplan bleibt der Bund zuständig. Hintergrund ist eine Vorgabe der Europäischen Kommission: Uniper soll nicht dauerhaft von staatlichen Beihilfen profitieren.
Equinor, RWE und ein Finanzkonsortium
Im Bieterverfahren zeichnet sich bereits ein dichtes Feld ab. Neben RWE und dem Finanzinvestor KKR interessieren sich weitere Parteien für Uniper. Als aussichtsreichste Bieter gelten derzeit der norwegische Energiekonzern Equinor sowie ein Konsortium aus Brookfield Asset Management und dem Canada Pension Plan Investment Board, kurz CPPIB. Beide sollen fristgerecht unverbindliche Angebote eingereicht haben.
Laut Handelsblatt hat auch der tschechische Energiekonzern EPH ein Gebot abgegeben. Eigentümer ist der Milliardär Daniel Křetínský. Als mögliche weitere Interessenten wurden der japanische Versorger Jera und die kanadische Pensionskasse Caisse de dépôt et placement du Québec genannt. Zeitweise soll es insgesamt rund zehn potenzielle Bieter gegeben haben. Ob alle noch im Rennen sind, ist offen.
Ein Einstieg von Equinor hätte einen naheliegenden strategischen Reiz: Der norwegische Konzern ist stark in der Gasförderung vertreten und könnte Uniper Zugang zu zusätzlichem norwegischem Erdgas verschaffen. Uniper wiederum verfügt über umfangreiche Aktivitäten im europäischen Gashandel, in der Gasbeschaffung und -speicherung sowie in der Stromerzeugung.
Gemeinsam ließen sich Gaslieferungen, Flüssigerdgas, Speicher und Kraftwerke womöglich enger steuern. Das könnte die Versorgungssicherheit in Europa stärken und die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten verringern. Für Uniper wäre Equinor ein finanzstarker Eigentümer mit langfristigem strategischem Interesse. Beide Unternehmen arbeiten bereits zusammen: Ende August schlossen sie einen größeren Erdgas-Liefervertrag.
Politische Bedenken gegen einen Einstieg Equinors könnten allerdings RWE im Verfahren zugutekommen. Der deutsche Energiekonzern wäre für manche Entscheidungsträger möglicherweise die weniger heikle Variante – auch wenn damit die Karten noch lange nicht auf dem Tisch liegen.
Vom Milliardenverlust zurück in die Gewinnzone
Uniper beliefert unter anderem mehr als 1.000 Stadtwerke und Industriebetriebe mit Erdgas. 2025 erzielte der Konzern einen Nettogewinn von 1,43 Milliarden Euro. 2022 hatte noch ein Verlust von 19,1 Milliarden Euro in den Büchern gestanden. Aus den Gewinnen zahlte Uniper dem Staat mehrere Milliarden Euro zurück.
Uniper-Chef Michael Lewis begrüßte die Verkaufspläne. Der Konzern sei stabiler, widerstandsfähiger und strategisch klarer aufgestellt, erklärte er. Das klingt nüchtern, fast trocken – gemessen an der Rettung vor nicht einmal vier Jahren ist es dennoch eine bemerkenswerte Wendung.
Der Linken-Abgeordnete Christian Görke kritisierte den Verkauf. Angesichts der Energiekrise sprach er sich für einen staatlichen Energiekonzern aus, damit der Staat mehr Kontrolle über den Energiemarkt behalte. Die Bundesregierung solle prüfen, ob sie ihre Uniper-Anteile über 2028 hinaus halten könne; für Eile bestehe aus seiner Sicht kein Grund.
Was jetzt auf dem Spiel steht
Nach Angaben des Finanzministeriums soll im Verkaufsprozess die Zukunftsfähigkeit von Uniper ebenso gewahrt bleiben wie die Versorgungssicherheit Deutschlands. Das ist der politische Prüfstein hinter jeder Offerte: Nicht nur der Preis zählt, sondern auch die Frage, wer künftig über Gas, Speicher, Kraftwerke und Lieferketten entscheidet.
Der Staat hatte Uniper vor rund dreieinhalb Jahren mit 13,5 Milliarden Euro vor der Insolvenz gerettet. Nun beginnt die Reprivatisierung unter deutlich anderen Vorzeichen – mit einem Konzern, der wieder Gewinne macht, aber weiterhin tief in der deutschen und europäischen Energieversorgung steckt. Am 12. Juni endet zunächst die Frist für die schriftlichen Meldungen beim Bund. Danach dürfte es konkreter werden.
Quelle 1: DER AKTIONÄR
Quelle 2: ZEIT ONLINE
Quelle 3: Handelsblatt
