Rund 100 rumänische Gewerkschafter aus dem Handel, der Technologiebranche und dem Finanzsektor haben am 30. September 2026 vor der Europäischen Kommission in Brüssel protestiert. Ihr Ziel: Die Kommission soll Druck auf die rumänische Regierung ausüben, damit diese die EU-Mindestlohnrichtlinie umsetzt, branchenspezifische Tarifverhandlungen im privaten Sektor ermöglicht und den Mindestlohn zum 1. Januar 2027 anhebt.

Vor der Demonstration trafen sich die Gewerkschafter mit Roxana Mînzatu, der rumänischen EU-Kommissarin für soziale Rechte, Qualifikationen, hochwertige Arbeitsplätze und Krisenvorsorge. Danach ging es vor das Kommissionsgebäude. Nach Angaben der Gewerkschaften blockieren Arbeitgeber und Regierung die geforderten Maßnahmen systematisch.

Mehr Geld ab Jänner 2027

Die erste Forderung betrifft die Erhöhung des nationalen Mindestlohns ab dem 1. Januar 2027 – und zwar gemäß der EU-Mindestlohnrichtlinie. Viele Beschäftigte im Einzelhandel und in anderen Niedriglohnsektoren erhalten den Mindestlohn. Seit Juli 2026 liegt er in Rumänien bei 4.325 RON, umgerechnet etwa 825 bis 850 Euro monatlich. Damit zählt Rumänien zu den Ländern mit den niedrigsten Mindestlöhnen in der Europäischen Union.

UNI-Europa-Regionalsekretär Oliver Roethig erklärte bei der Demonstration, Beschäftigte verdienten bessere Löhne und Arbeitsbedingungen. Die EU müsse ihre Zusagen zur Mindestlohnrichtlinie einhalten. Für die Demonstrierenden ist der 1. Januar 2027 deshalb kein fernes Datum, sondern der nächste konkrete Prüfstein.

Streit um Tarifverhandlungen

Die zweite Forderung zielt auf die Wiederherstellung des Rechts auf Tarifverhandlungen. Laut den Gewerkschaften verhindern große Unternehmen und Arbeitgeberverbände Branchenverhandlungen sowie Verhandlungen über einen nationalen Tarifvertrag, indem sie nicht teilnehmen.

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Große Unternehmen treten demnach aus Arbeitgeberverbänden aus oder entziehen ihnen das Mandat für Branchen-Tarifverträge. Den Staat werfen die Gewerkschaften vor, seine Vermittlerrolle bei Branchen- und nationalen Verhandlungen nicht wahrzunehmen. Auf dem Papier gibt es dafür bereits einen politischen Rahmen: Die Förderung von Tarifverhandlungen ist im rumänischen Aktionsplan für Tarifverhandlungen 2025–2030 vorgesehen. In der Praxis bleibt offenbar einiges liegen.

Beteiligt waren der UNI-angeschlossene Gewerkschaftsverband für den Handel, der Gewerkschaftsverband für IT und Kommunikation, der Gewerkschaftsverband für den Finanzsektor sowie der Europäische Verband der Dienstleistungsgewerkschaften UNI Europa. Die drei rumänischen Gewerkschaftsverbände gehören zum NTUC Cartel-Alfa.

Der Protest in Brüssel verband damit zwei eng zusammenhängende Anliegen: mehr Einkommen für Menschen in besonders niedrig bezahlten Branchen und wieder funktionierende Verhandlungen zwischen Beschäftigten und Arbeitgebern. Vor dem Kommissionsgebäude wurde daraus ein ziemlich konkreter Terminplan – jetzt, 1. Januar 2027, und die Jahre bis 2030.