Am 26. September 2026 steht die Exkursionsgruppe vor der polnischen Nationalkirche St. Joseph am Kahlenberg in Wien. Hinter den Studierenden und Lehrenden des Fachbereichs Österreichische Geschichte und Mittelalter liegen zehn Tage durch Südosteuropa – mit langen Busfahrten, Kirchen, Festungen, Industrieruinen und ziemlich vielen Schichten Geschichte. Die Reise führt durch Ungarn, Serbien und Rumänien sowie durch Baranja, Batschka, Vojvodina, Banat und Siebenbürgen.

Im Mittelpunkt steht der Umgang mit Vergangenheit, genauer: das Verhältnis zwischen Geschichtsschreibung und Geschichtspolitik. Exkursionsleiter Kurt Scharr berichtet täglich von den besuchten Orten und seinen Beobachtungen. Der Auftakt war ein Besuch der Gedenkstätte am Kahlenberg in Wien, die an die Ereignisse von 1683 erinnert. Von dort ging der Blick in Richtung Südosteuropa; nach Pécs reiste die Gruppe mit dem Zug über Budapest-Kelenföld.

Von Pécs bis an die serbische Grenze

Am Sonntag, 20. September, begann der Tag in Pécs/Fünfkirchen, einem der ältesten Universitätsstandorte Europas. Die Universität wurde 1367 gegründet. Die Kathedrale St. Peter und Paul ist ein Neubau des späten 19. Jahrhunderts, geht aber auf romanische Ursprünge aus dem 11. Jahrhundert zurück. Auf dem Széchenyi-Platz steht die frühere Gazi-Khassim-Pascha-Moschee, die heute als Kirche der Gesegneten Jungfrau Maria genutzt wird.

Pécs war neben einem Zentrum der Donauschwaben auch Mittelpunkt einer bedeutenden jüdischen Gemeinde Südungarns. Die Synagoge liegt am Kossuth-Platz. In Mohács erinnerte die Gruppe an die Schlacht von 1526, deren 500. Jahrestag 2026 begangen wird. Sie gilt als Wendepunkt der europäischen Geschichte und ist ein wichtiger Bezugspunkt ungarischer nationaler Identität.

Nach der Überquerung der Donau erreichten die Reisenden die EU-Außengrenze zu Serbien. Subotica ist ein vielsprachiger Hauptort der serbischen Vojvodina und Zentrum der Bunjevci, einer serbischen Bevölkerungsgruppe katholischen Glaubens. Das 1912 fertiggestellte Rathaus ist ein Jugendstilbau. Im Sitzungssaal hängen zentral Porträts von Kaiser Franz Joseph und Maria Theresia in ungarischen Nationalfarben, flankiert von Darstellungen bedeutender Persönlichkeiten der ungarischen Geschichte. Die Ausstattung verweist auf die kulturelle und ethnische Vielfalt der Region – eine Vielfalt, die trotz der Rückschläge und ethnischen Säuberungen des 20. Jahrhunderts bis heute die regionale Identität prägt.

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Festungen, Kriegsspuren und das Eiserne Tor

Belgrad zeigte sich am Montag, 21. September, mit serbischen Nationalflaggen an Amtsgebäuden und quer über Straßen. Auf zahlreichen Hausfassaden klebten Wahlplakate. Im Zentrum gibt es eine Buchhandlung, die dem Schriftsteller und Nobelpreisträger Ivo Andrić gewidmet ist. Dazu kommen Darstellungen von Gavrilo Princip, dem Attentäter von Sarajevo von 1914, und NATO-feindliche Parolen.

Die NATO-Bombardierung Belgrads im Kosovokrieg 1999 ist im Stadtbild präsent. Das zerstörte Verteidigungsministerium wird als Ruine erhalten. Auf dem Kalemegdan, der historischen Festungsanlage am Zusammenfluss von Save und Donau, hielt die Gruppe Referate und bekam Erläuterungen. Die Rosenkirche auf der Festung wurde während beider Weltkriege zerstört und wiederaufgebaut. In der Nähe der Donau steht außerdem ein Triumphbogen für Kaiser Karl VI., der Belgrad eroberte und von 1718 bis 1738 König von Serbien war. Auf dem Festungsgelände ist inzwischen auch Immobilienentwicklung sichtbar.

Wenige Kilometer donauabwärts liegt Smederevo an der Mündung der Jezava. Die Festung war im 14. und 18. Jahrhundert mehrfach politisches Zentrum Serbiens. Nach dem deutschen Angriff und der Besetzung 1941 wurden Festung und nahegelegener Bahnhof als Waffenlager genutzt. Eine Explosion am 5. Juni 1941 zerstörte große Teile der Anlage und tötete Tausende Menschen.

Bei Golubac besichtigte die Gruppe Reste eines Steinbruchs. Sein Material wurde für den Bau der Uferstraße verwendet. Dort verengt sich die Donau; bevor das Kraftwerk gebaut wurde, begann an dieser Stelle ein für die Schifffahrt schwieriger Abschnitt. Die Festung Golubac liegt an einem historischen Machtübergang zwischen dem Königreich Ungarn und dem Osmanischen Reich. Vom serbischen Ufer aus sahen die Studierenden auf das Eiserne Tor.

Zwischen Dobreța und Turnu Severin gibt es entlang dieses Donauabschnitts keine Brücken. Als Übergang dient das 1972 nach einem Abkommen zwischen Rumänien und Jugoslawien fertiggestellte Donaukraftwerk. Durch den Rückstau ging die Insel Ada Kaleh unter. In Băile Herculane/Herkulesbad wird seit der Römerzeit geheilt. Die Blütezeit begann nach dem Anschluss an das Eisenbahnnetz im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts; das österreichische Kaiserpaar besuchte den Kurort mehrfach. Während der sozialistischen Zeit diente er der Erholung von Arbeitern. Seit der politischen Wende verfallen zahlreiche historische Gebäude.

Die katholische Kirche in Orșova fällt architektonisch aus dem Rahmen. Sie wurde als einzige Kirche im sozialistischen Rumänien infolge eines Staudammbaus neu errichtet und ersetzte eine Kirche, in der 1849 die Heilige Stephanskrone Zuflucht gefunden hatte. Den Tagesabschluss bildete eine Bootsfahrt auf der Donau. Dabei besichtigte die Gruppe den Eingang einer Karsthöhle und die Trajanstafel am serbischen Ufer aus der Nähe.

Banat zwischen Bergbau und Verfall

Am Mittwoch, 23. September, brach die Gruppe in Ieșelnița auf und fuhr in den nördlichen Teil des rumänischen Banats. Oravița besaß bereits seit Beginn des 19. Jahrhunderts ein eigenes Theater. Die Renovierung dauert seit Jahren an, immerhin war ein Kaffeeautomat im Zuschauerraum schon betriebsbereit. Im Apothekermuseum sahen sich die Reisenden Exponate an.

Oravița ist seit Jahrzehnten von Abwanderung betroffen, zahlreiche Gebäude verfallen. Einzelne Personen setzen sich trotzdem für den Erhalt des kulturellen Erbes ein. In Anina beziehungsweise Steierdorf steht eine römisch-katholische Kirche. Der ursprünglich unter anderem von Fachkräften aus der Steiermark gegründete Ort war seit dem 18. Jahrhundert vom Bergbau geprägt. Bis weit ins 20. Jahrhundert lebten in diesem Teil des Banats zahlreiche kleinere ethnische Gruppen.

Carașova ist eine kroatisch geprägte Siedlung im Karst. Reșița entwickelte sich seit dem Betrieb der ersten Hochöfen im 18. Jahrhundert zum industriellen Zentrum des Banats und war unter anderem für Brückenbau, Eisenbahnen und Lokomotiven wichtig. Die Folgen der Deindustrialisierung und der spätestens in den 1980er-Jahren einsetzenden Krise sind weiterhin sichtbar. Der Bürgermeister arbeitet an der Erneuerung der Infrastruktur.

Am nächsten Tag, Donnerstag, 24. September, führte die Route nach Sarmizegetusa, Densuș, Hunedoara und Alba Iulia. Sarmizegetusa, die römische Colonia Ulpia Traiana Augusta Dacica Sarmizegetusa, war bis in die zweite Hälfte des 3. Jahrhunderts Hauptstadt der römischen Provinz Dakien. Seit 2024 gehört die Stätte zum UNESCO-Weltkulturerbe. Der Bezug auf das antike Rom spielt für die rumänische Identität weiterhin eine Rolle.

Die Nikolauskirche in Densuș stammt aus dem 11. Jahrhundert und besitzt Fresken aus dem 14. Jahrhundert. Für ihren Bau wurden Steine aus römischen Ruinen wiederverwendet. Eine Mesnerin öffnete die Kirche, nachdem sie den Reisebus gesehen und dafür die Zwetschkenernte unterbrochen hatte – ein ziemlich unmittelbarer Empfang.

Hunedoara/Eisenmarkt war über Jahrhunderte eine bedeutende Bergbaustadt. Im sozialistischen Rumänien wurde die Schwerindustrie ausgebaut, seit den 1990er-Jahren befindet sie sich jedoch im Niedergang. Heute ist der Tourismus rund um die Hunyadi-Burg von großer Bedeutung. Die stark renovierte Burg entspricht eher Vorstellungen des 19. Jahrhunderts als der mittelalterlichen Realität. Die vorhandenen Industrieruinen werden nur begrenzt wahrgenommen; einige Gebäude dienen als Restaurants. Dort probierte die Gruppe Papanași, eine Brand