Syrien schränkt Frauen den Zugang zu Universitätsfächern ein
In Syrien dürfen Frauen bestimmte Universitätskurse nicht mehr belegen. Die neue Regelung betrifft mindestens zwei Hochschulen in Damaskus und sorgt im Land für offene Kritik an den islamistischen Behörden. Für viele Studieninteressierte geht es dabei um mehr als eine einzelne Kurswahl: Es geht um die Frage, wer überhaupt selbst entscheiden darf, welchen Bildungsweg er oder sie einschlägt.
An der Nationalen Universität für Verteidigungsstudien sind unter anderem Wirtschaftsmanagement und Sozialwissenschaften ausschließlich Männern vorbehalten. Der Lehrer Ahlam Othman bezeichnete die Beschränkungen als diskriminierend und als zusätzliches Hindernis für Frauen. Auch die Lehrerin Ahlam Othman kritisierte die Regelung entsprechend scharf.
Welche Fächer noch offenstehen
An der ebenfalls in Damaskus gelegenen Syrischen Universität für Sicherheitsstudien dürfen Frauen ausschließlich Cyber-Sicherheit studieren. Die beiden Hochschulen wurden 2026 von den neuen islamistischen Behörden unter Übergangspräsident Ahmed al-Sharaa gegründet. An der Universität von Damaskus, der größten Hochschule des Landes, bleiben Frauen dagegen weiterhin zu allen Studiengängen zugelassen.
Die Studienbewerberin Israa Sallum sagte, die Regelungen beträfen zwar nicht ihr gewünschtes Studium. Niemand habe jedoch das Recht, Frauen zur Wahl bestimmter Fächer zu zwingen oder sie von anderen auszuschließen. Ein Satz, der in den derzeit aufgeheizten Debatten ziemlich direkt sitzt.
Beschränkungen auch außerhalb von Damaskus
Die Vorgaben stehen nicht allein. In der nordwestlichen Provinz Idlib werden Frauen nicht zu Fernseh- und Radiokursen zugelassen. In Rmeilan im Nordosten dürfen Frauen nicht mehr am dortigen Öl- und Gas-Institut studieren. Damit reicht die Einschränkung über die beiden Hochschulen in Damaskus hinaus.
Der politische Hintergrund ist der Machtwechsel im Land. Im Dezember 2024 stürzten islamistische Gruppen unter Führung von al-Sharaas HTS-Miliz den langjährigen Machthaber Bashar al-Assad und übernahmen die Regierung in Damaskus. Damit endete ein 13 Jahre dauernder Bürgerkrieg, durch den Millionen Menschen vertrieben wurden.
Al-Sharaas Regierung bemüht sich seither um ausländische Unterstützung für den Wiederaufbau und hat zugesichert, Minderheiten zu schützen. Gleichzeitig sorgen die Regeln an den Hochschulen nun dafür, dass Frauen bei bestimmten Bildungswegen draußen bleiben. An den Schultoren dürfte das weniger nach großen politischen Erklärungen klingen als nach einer knappen Auskunft am Schalter: Dieser Kurs ist nicht für Sie.
