Tarifvertrag bei King beendet schwedischen Arbeitskonflikt in der Spielebranche
Uni Europa, 25.09.2026 – Beim schwedischen Gaming-Unternehmen King ist nach mehr als einem Jahr Verhandlungen der Durchbruch gelungen: King hat mit den Gewerkschaften „Engineers of Sweden“ und „Unionen“ eine Vereinbarung im Rahmen des Programms „Tarifverhandlungen“ unterzeichnet. Beide Gewerkschaften hatten am 15. September Streikankündigungen eingereicht. Inzwischen wurden sie zurückgezogen.
Für die Beschäftigten soll die Vereinbarung langfristige, sichere und berechenbare Rahmenbedingungen schaffen. Dazu gehören mehr Einfluss auf die eigene Arbeitssituation, das Recht auf gewerkschaftliche Organisation und angemessene Vorankündigungen bei Veränderungen am Arbeitsplatz – etwa bei Umstrukturierungen oder veränderten Rahmenbedingungen.
Nach langem Ringen doch ein Abschluss
Die Forderungen der Unionen-Mitglieder zielten unter anderem auf Arbeitsplatzsicherheit und größeren Einfluss auf die Arbeitsbedingungen. Martin Wästfelt, Verhandlungsleiter bei Unionen, nannte die Vereinbarung einen großen Erfolg für die King-Mitglieder. Sie hätten trotz eines langen und schwierigen Prozesses an ihrer Forderung nach einem Tarifvertrag festgehalten. Unterstützt worden sei der Abschluss durch die Zusammenarbeit von Unionen und Sveriges Ingenjörer.
Auch Camilla Frankelius, Verhandlungsleiterin bei Engineers of Sweden, führte den Abschluss auf das Engagement der King-Beschäftigten und ihr gemeinsames Eintreten für Veränderungen zurück. Henrik Jönsson, Vorstandsmitglied der Unionen-Ortsgruppe beziehungsweise -Sektion bei King, sagte, er sei stolz auf die Mitglieder und ihren langjährigen Einsatz. Die Vereinbarung sei durch ihre Entschlossenheit und das gemeinsame Vorgehen erreicht worden.
Nach dem ursprünglichen Aufruf zu Arbeitskampfmaßnahmen hatte Kings Chief Operating Officer Ulrika Höjgård erklärt, das Unternehmen bleibe einem respektvollen und transparenten Dialog über wichtige Arbeitnehmerbelange verpflichtet. King-Präsident Todd Green hatte bereits in einer E-Mail vom Juni geschrieben, die damalige Entscheidung gegen einen Tarifvertrag sei nicht leichtgefallen. Sie richte sich nicht gegen Gewerkschaften oder das schwedische Arbeitsmodell. Man wolle weiterhin offen, respektvoll und konstruktiv mit der Gewerkschaftsvertretung zusammenarbeiten und Gewerkschaften in den erforderlichen Fällen konsultieren.
Vom Stockholmer Start-up zum globalen Spielegeschäft
King wurde 2003 in Stockholm gegründet. Der große Durchbruch kam 2012 mit „Candy Crush Saga“. Später übernahm Activision Blizzard das Unternehmen; Activision Blizzard gehört zu Microsoft.
Der Abschluss reiht sich damit in jüngere gewerkschaftliche Erfolge innerhalb des Konzerns und der Branche ein. Anfang September erzielte die CWA, eine UNI-Mitgliedsorganisation in den USA, eine Vereinbarung bei Blizzard. Sie beinhaltete KI-Sicherheitsvorkehrungen und weitreichende Kündigungsschutzmaßnahmen.
In der Vorwoche hatten sich Gewerkschaften aus der Technologie- und Spieleindustrie in Stockholm getroffen. Sie bekundeten ihre Solidarität mit den King-Beschäftigten – ausgerechnet während deren Streikankündigung. Benjamin Parton, Leiter des ICTS-Sektors bei UNI, erklärte, der Abschluss bei King werde über Schweden hinaus Wirkung zeigen. Für ihn belegt die Einigung, dass Beschäftigte durch gemeinsames Vorgehen bessere Arbeitsbedingungen erreichen können.
Schwedische Spielebranche sucht neue Sicherheiten
King ist dabei nicht das einzige Studio in Schweden, bei dem Gewerkschaftsfragen an Gewicht gewinnen. Avalanche Studios Group bestätigte Pläne für einen Tarifvertrag mit schwedischen Gewerkschaften. Der Vertrag sollte voraussichtlich im zweiten Quartal 2025 in Kraft treten und alle Avalanche-Mitarbeiter in Schweden abdecken.
Vorgesehen waren Regelungen zu Löhnen, Sozialleistungen, den Einflussmöglichkeiten der Mitarbeiter und Unterstützung bei der beruflichen Entwicklung. CEO Stefanía Halldórsdóttir verwies außerdem auf Maßnahmen, die Avalanche in den vergangenen Jahren zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen umgesetzt hatte: eine inklusive Unternehmenskultur, Schritte für eine bessere Work-Life-Balance, Gewinnbeteiligung und Elternzeitregelungen.
Die Einführung wollte Avalanche schrittweise vorbereiten und die Umsetzung in den folgenden Monaten strukturieren, ohne die Entwicklung mehrerer neuer und bestehender Spiele zu unterbrechen. Bis zum Inkrafttreten sollte das Studio mit Unionen, Sveriges Ingenjörer und dem Arbeitgeberverband Almega zusammenarbeiten. Etwa 100 der insgesamt 500 Teammitglieder sollen einer Gewerkschaftsbildung zugestimmt haben.
Der Hintergrund ist rauer geworden: Avalanche gehört zu mehreren Studios, die angesichts von mehr als 15.000 Entlassungen und Studioschließungen in den 18 Monaten vor dieser Planung Schritte zur Gewerkschaftsbildung eingeleitet hatten. Auch Possibility Space schloss, nachdem Gründer Jeff Strain dies mit der Weitergabe vertraulicher Mitarbeiterinformationen begründet hatte. In Stockholm wird deshalb nicht nur über Spiele gesprochen, sondern auch darüber, wer in einer Branche mit hohem Tempo, unsicheren Projekten und plötzlichen Einschnitten mit am Tisch sitzt.
