TUM auf Platz zwölf: Was der Spitzenrang für den Berufseinstieg von Absolventen bedeutet
Wer heute mit Hochschulabschluss ins Berufsleben starten will, braucht mitunter einen langen Atem. Junge Menschen haben zunehmend Schwierigkeiten beim Berufseinstieg. In vielen Berufsgruppen haben sich die Qualifikationsanforderungen innerhalb der vergangenen 18 Monate deutlich verändert, während Unternehmen wegen der schwachen Konjunktur vorsichtiger einstellen.
Eine bayerische Universität scheint ihre Studierenden auf diesen wackeligen Arbeitsmarkt besonders gut vorzubereiten. Im internationalen Arbeitgeber-Ranking der „Times Higher Education“ schafft es die Technische Universität München (TUM) auf Platz zwölf – weltweit.
Arbeitgeber setzen die TUM auf Platz zwölf
Das Ranking wird jährlich vom britischen Magazin „Times Higher Education“ bei der französischen Unternehmensberatung Emerging in Auftrag gegeben. Für die aktuelle Studie befragte Emerging rund 16.000 Managerinnen und Manager in 40 Ländern. Sie suchen international nach Personal und arbeiten in Unternehmen verschiedener Größen und Branchen.
Bewertet wurde, welche Universitäten nach Ansicht der befragten Arbeitgeber ihre Absolventinnen und Absolventen am besten ausbilden. Die TUM verbesserte sich gegenüber dem Vorjahr um einen Rang. An der Spitze steht das Massachusetts Institute of Technology (MIT) in den USA, gefolgt von der Stanford University.
Auch andere europäische Hochschulen finden sich weit vorne: Die University of Oxford belegt Platz drei, die University of Cambridge Platz vier, die ETH Zürich Platz neun. Für Absolventinnen und Absolventen klingt das zunächst nach Rückenwind – gerade in einer Zeit, in der ein guter Abschluss allein nicht mehr automatisch die Tür zum ersten Job öffnet.
Der Einstieg bleibt möglich, aber nicht überall gleich leicht
Für 2026 wird das durchschnittliche Einstiegsgehalt mit 37.740 Euro brutto jährlich beziehungsweise 3.145 Euro monatlich für Bachelorabsolventinnen und -absolventen angegeben. Wer einen Masterabschluss hat, startet demnach im Schnitt mit 42.963 Euro im Jahr oder 3.580 Euro im Monat. Das sind rund 14 Prozent mehr. Der finanzielle Vorteil kann sich trotz eines um ein bis zwei Jahre verzögerten Berufseinstiegs über mehrere Jahre auszahlen.
Für Diplom- oder Staatsexamensabsolventen werden etwa 44.000 bis 55.000 Euro Jahresgehalt genannt, Promovierte starten laut den genannten Daten mit etwa 52.000 bis 65.000 Euro. Der monatliche Durchschnitt für alle Hochschulabsolventen liegt bei etwa 3.783 Euro.
Die Spannweite zwischen den Fächern ist allerdings ordentlich. Medizin beziehungsweise Assistenzärzte kommen auf etwa 62.000 Euro, Informatik und IT auf etwa 52.000 bis 58.000 Euro, Ingenieurwissenschaften auf etwa 48.000 bis 55.000 Euro. Für Rechtswissenschaften mit Volljuristenausbildung werden etwa 46.000 bis 70.000 Euro genannt, für Wirtschaftswissenschaften 40.000 bis 48.000 Euro. Sozialwissenschaften liegen bei etwa 30.000 bis 38.000 Euro, Geisteswissenschaften bei etwa 28.000 bis 36.000 Euro.
Rund 20 Prozent steigen bereits während des Studiums oder direkt danach ein. Etwa 35 Prozent finden innerhalb von drei Monaten eine Stelle, rund 65 Prozent sind innerhalb von sechs Monaten beschäftigt. Nach zwölf Monaten haben etwa 85 Prozent ihren ersten Job gefunden. Rund 15 Prozent suchen länger als ein Jahr – und für diese Gruppe fühlt sich jeder weitere Monat vermutlich zäh an.
Wirtschaftsschwäche trifft Hochqualifizierte
Die Akademiker-Arbeitslosenquote stieg 2025 erstmals seit 2007 über drei Prozent und lag bei 3,3 Prozent. Die Zahl der arbeitslosen Akademiker erreichte laut den genannten Daten einen Höchstwert. Gleichzeitig gingen die gemeldeten Stellenangebote für Hochqualifizierte deutlich zurück.
Als Ursachen gelten die Wirtschaftsschwäche und der Transformationsdruck durch Dekarbonisierung, Digitalisierung und KI-Automatisierung. Die Akademiker-Arbeitslosenquote liegt dennoch weiterhin unter der Gesamtarbeitslosenquote von etwa sechs Prozent. Ein sicherer Spaziergang in den Beruf ist der Abschluss also nicht – aber auch kein Absturz ohne Netz.
Gefragt sind 2026 vor allem IT und Softwareentwicklung, mit sehr hoher Nachfrage und Einstiegsgehältern von etwa 52.000 bis 62.000 Euro. Ebenfalls sehr hoch ist die Nachfrage im Gesundheitswesen und in der Pflege; dort werden etwa 38.000 bis 62.000 Euro genannt. Erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit gelten als hoch und wachsend, mit etwa 42.000 bis 52.000 Euro. Für KI und Datenanalyse werden etwa 52.000 bis 65.000 Euro angegeben.
Im Consulting und in der Unternehmensberatung ist die Nachfrage mittel, die genannten Einstiegsgehälter liegen bei etwa 48.000 bis 58.000 Euro. In der Automobilindustrie ist die Nachfrage rückläufig; dort werden etwa 42.000 bis 52.000 Euro genannt. Gerade diese Branche benötigt zugleich Absolventinnen und Absolventen mit digitalen Kenntnissen.
Bachelor, Master und die Sache mit dem Wohnort
Ein Bachelor ermöglicht in vielen Berufen den direkten Einstieg. Der Master führt im Durchschnitt zu einem um 14 Prozent höheren Einstiegsgehalt, kann aber den Berufseinstieg um ein bis zwei Jahre verschieben. Managementpositionen sind mit Bachelorabschluss in manchen Branchen schwerer erreichbar; für Forschung und Wissenschaft gilt der Master in der Regel als Voraussetzung. In der IT- und Tech-Branche reicht ein Bachelor häufig aus, der Master bringt dort keinen durchgehend großen Vorteil. Die Amortisationszeit eines Masters wird je nach Branche auf etwa fünf bis zehn Jahre geschätzt.
Auch der Ort auf dem Arbeitsvertrag macht einen Unterschied. In München und Bayern liegen die Werte 12 bis 18 Prozent über dem Vergleichswert, in Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet 8 bis 15 Prozent darüber. Hamburg kommt auf 6 bis 12 Prozent mehr. Berlin bewegt sich zwischen zwei Prozent darunter und fünf Prozent darüber. Ostdeutschland ohne Berlin liegt 15 bis 25 Prozent darunter – wobei niedrigere Werte dort natürlich nicht automatisch niedrigere Lebenshaltungskosten in jeder Stadt bedeuten.
Arbeitgeber erwarten zunehmend nachgewiesene KI-Kompetenzen. Hybride Arbeitsmodelle gelten besonders in technischen Berufen immer öfter als Standard. Tätigkeiten mit ESG- und Nachhaltigkeitsbezug wachsen, während Branchen im Wandel ihre digitalen Anforderungen nachschärfen.
Ab 2028 bis 2030 wird wegen des demografischen Fachkräftemangels wieder mit stärkerem Wettbewerb um Absolventinnen und Absolventen gerechnet. Bis dahin bleibt der Einstieg für viele ein Mix aus Bewerbungen, Nachfragen und gelegentlichem Warten vor dem Posteingang. An der TUM dürften die Ergebnisse des Rankings immerhin für einen kleinen Schub sorgen – Platz zwölf liest sich in einem angespannten Arbeitsmarkt nicht schlecht.
