Universität Wien verteidigt Platz 95, während Asien im Hochschulranking aufholt
Die Universität Wien bleibt Österreichs bestplatzierte Hochschule: Im neuen weltweiten Ranking von Times Higher Education (THE) für 2027 steht sie wie im Vorjahr auf Rang 95. Damit verteidigt die älteste und größte Universität des Landes ihren Platz unter den Top 100 – trotz gestiegener internationaler Konkurrenz.
Erstmals seit Beginn des THE-Rankings im Jahr 2004 war die Universität Wien im Vorjahr in die Top 100 vorgestoßen. Rang 95 ist zwar ein schöner Erfolg, liegt aber deutlich hinter den Spitzenplätzen, die die damalige Wissenschaftsministerin Elisabeth Gehrer (ÖVP) vor rund 20 Jahren für Österreichs Universitäten bis 2025 angekündigt hatte. Viel Luft nach oben also, könnte man sagen.
Oxford bleibt vorn, Asien rückt nach
Das THE-Ranking 2027 umfasst 2.297 Universitäten aus 118 Ländern und Gebieten – nach 2.191 im Vorjahr. An der Spitze steht zum elften Mal in Folge die University of Oxford. Der Vorsprung auf das Massachusetts Institute of Technology (MIT) beträgt gerade einmal 0,1 Punkte. Oxford punktet vor allem bei Forschungsproduktivität, internationaler Ko-Autorenschaft und beim Verhältnis von Doktoranden zu Beschäftigten. Das MIT ist dagegen beim Studierenden-Beschäftigten-Verhältnis, bei der Zitationswirkung und bei der Forschungsstärke stärker.
Hinter den beiden Spitzenreitern folgen Princeton und Stanford gemeinsam auf Platz 3. Cambridge liegt auf Platz 5, nachdem die Universität im Vorjahr noch gemeinsam Platz 3 belegt hatte. Harvard fällt auf Platz 6, das California Institute of Technology auf Platz 7. Das Imperial College London kommt auf Platz 8. Yale und die University of California, Berkeley teilen sich Rang 9; Yale stieg dabei von Platz 10 auf.
Die westliche Dominanz an der Spitze bekommt dennoch Risse. Tsinghua University aus China überholt die ETH Zürich und steigt von Platz 12 auf Platz 11. Damit liegt erstmals eine asiatische Universität vor der führenden Hochschule Kontinentaleuropas. Tsinghua verdankt den Sprung vor allem mehr ausländischen Beschäftigten und Studierenden, bleibt bei internationaler Ko-Autorenschaft aber schwächer.
Peking University erreicht Platz 13, die National University of Singapore (NUS) steigt um zwei Plätze auf Rang 15. Zum ersten Mal liegen damit drei asiatische Universitäten unter den Top 15. In Südostasien klettert die Nanyang Technological University von gemeinsam Platz 31 auf Platz 28, während NUS führende Hochschule der Region bleibt. Beide Aufstiege werden vor allem durch bessere Reputationswerte getragen.
Finanzdruck in Großbritannien und den USA
Englischsprachige Hochschulen profitieren weiterhin von starken Reputationswerten. Bei mehreren anderen Kennzahlen geht es allerdings zurück, darunter bei der Forschungsqualität. Simon Marginson von der University of Bristol macht nachhaltige Spitzenleistung in der Forschung vor allem von steigender öffentlicher Finanzierung abhängig. Private Finanzierung sei häufig mit Einschränkungen verbunden.
Besonders deutlich zeigt sich der Druck im Vereinigten Königreich. Institutionelle Einnahmen, Forschungseinnahmen und Industrieeinnahmen entwickelten sich im internationalen Vergleich rückläufig; Forschungsstärke und Forschungsproduktivität sanken deutlich. Die starke Reputation hält manche Hochschulen trotzdem oben. UCL kehrt erstmals seit der Ausgabe 2022 in die Top 20 zurück und liegt gemeinsam auf Platz 17. Die London School of Economics and Political Science beendet ihren fünfjährigen Abwärtstrend und steigt auf Platz 47.
Unter den Top 200 finden sich 25 britische Universitäten, eine weniger als im Vorjahr. Zwölf verbesserten sich, drei hielten ihre Position, zehn fielen zurück. Nach Angaben von Ming Chen von der Sheffield Hallam University gefährden die finanziellen Belastungen die internationale Stellung britischer Hochschulen. Die Reaktionen klingen wenig gemütlich: Studiengänge werden geschlossen, Stellen abgebaut, Strukturen umgebaut und Forschungsbereiche eingeschränkt.
Auch die USA stellen zwar sieben der zehn bestplatzierten Hochschulen, verzeichnen insgesamt aber Rückgänge bei den meisten Kennzahlen – darunter Forschungsstärke, Zitationswirkung und die Zahl internationaler Studierender. 53 US-Universitäten liegen unter den Top 200, zwei weniger als im Vorjahr. 33 Prozent verbesserten ihre Position, 46 Prozent fielen zurück.
Unter den US-Hochschulen in den Top 50 macht die University of California, San Diego den größten Sprung: zehn Plätze nach oben auf Rang 37. Bessere Reputation und mehr Publikationen pro Beschäftigtem geben den Ausschlag.
Chinas Hochschulen holen auf
China beendet eine dreijährige Stagnation. 17 chinesische Hochschulen liegen nun unter den Top 200, gegenüber 13 seit der Ausgabe 2024. 71 Prozent der chinesischen Hochschulen in diesem Bereich verbesserten sich. Bei den meisten Kennzahlen legte das Land zu, verlor aber bei Forschungsstärke und internationaler Ko-Autorenschaft.
Futao Huang von der Universität Hiroshima warnt davor, die schwächeren Werte bei internationaler Zusammenarbeit als generellen Rückgang der chinesischen Forschungskapazität zu lesen. Chinesische Hochschulen bleiben in vielen wissenschaftlichen Bereichen stark, und die innerchinesische Forschungszusammenarbeit ist deutlich gewachsen. Gemeinsame Publikationen mit Forschern aus den USA und anderen westlichen Industrieländern gingen dagegen zurück. Als Gründe gelten geopolitische Spannungen, Forschungssicherheitsbedenken, Exportkontrollen und größere Vorsicht auf beiden Seiten. Chinas internationale Forschungsnetzwerke richten sich demnach eher neu aus, als dass die Forschungsstärke insgesamt nachlässt.
Ostasien und die ASEAN-Region verbessern sich insgesamt, vor allem bei den Forschungswerten. Die ASEAN-Region macht zusätzlich deutliche Fortschritte in der Lehre. Hamish Coates von der Australian National University und der Tsinghua University sieht das Zentrum der globalen Hochschulbildung zunehmend nach Asien wandern.
Singapurs Hochschulsystem gilt als stabil und vertrauenswürdig, ist aber durch die begrenzte Größe und geografische Lage eingeschränkt. Im Vergleich der durchschnittlichen Gesamtwerte liegen die USA und das Vereinigte Königreich nur knapp vor China, Singapur und Hongkong. USA und Großbritannien sind stärker bei internationalen Beschäftigten, internationaler Ko-Autorenschaft und internationalen Studierenden. China, Singapur und Hongkong führen bei Industriekennzahlen, besonders bei den Einnahmen. Bei Forschungsqualität, Forschungsumfeld und Lehre haben die USA und das Vereinigte Königreich leichte Vorteile, bei Industriekennzahlen liegen sie zurück. Asien steigert seine Werte derzeit schneller und holt dadurch auf.
Malaysia erreicht erstmals die Top 200. Besonders stark verbessert sich das Land bei internationalen Studierenden und Beschäftigten – passend zum Regierungsziel, Malaysia als internationales Hochschulzentrum zu positionieren.
Japan zeigt dagegen Anzeichen eines Rückgangs. Die University of Tokyo fällt auf Platz 27, die Kyoto University auf gemeinsam Platz 62. Das Institute of Science Tokyo, 2024 durch die Fusion zweier Hochschulen gegründet, verliert fast 20 Plätze, bleibt aber unter den Top 200. Als strukturelle Belastungen gelten vor allem der demografische Rückgang und die begrenzte Wirkung einer Konzentration von Fördermitteln auf wenige Hochschulen.
Fusionen brauchen Geduld
Dass Zusammenschlüsse kurzfristig automatisch für einen Rankingsprung sorgen, lässt sich nicht behaupten. Adelaide University fällt nach der Fusion der University of Adelaide und der University of South Australia von Platz 133 auf gemeinsam Platz 141. City St George’s, University of London, hält nach dem Zusammenschluss von 2024 eine ähnliche Position wie im Vorjahr und liegt im Band 326–350.
Université Paris Cité fällt erstmals seit ihrer Aufnahme 2020 aus den Top 200 und liegt nun gemeinsam auf Platz 201. Sie war aus der Fusion von Paris Descartes und Paris Diderot entstanden und zunächst in die Top 200 aufgestiegen. Das Institut Polytechnique de Paris, gebildet aus der École Polytechnique und mehreren Ingenieurhochschulen, fällt von gemeinsam Platz 68 auf gemeinsam Platz 75.
Seit 2017 stieg die Zahl der fusionierten oder zu Hochschulgruppen gehörenden Einrichtungen im Ranking von 4 auf 30 im Jahr 2026 und 35 im Jahr 2027. Simon Marginson zufolge brauchen Fusionen mindestens ein Jahrzehnt, bis sich Strukturen und gemeinsame Marken etabliert haben. Langfristig könnten sie vor allem bei größenabhängigen Kennzahlen wie Forschungs- und Zitationszahlen Vorteile bringen. Kurzfristig heißt es eher: Kartons auspacken, Zuständigkeiten sortieren, geduldig bleiben.
Frankreichs vier bestplatzierte Universitäten verlieren jeweils ungefähr zehn Plätze. Das Land hat nun drei Hochschulen unter den Top 200, gegenüber fünf im Vorjahr.
Von Australien bis Afrika
Australien bleibt im Gegensatz zu vielen westlichen Ländern relativ stabil. Zehn australische Universitäten liegen unter den Top 200. Die University
