Die US-Demokraten haben bei den Kongresswahlen die Mehrheit in beiden Kammern errungen. Für viele deutsche Politiker kam das Ergebnis überraschend deutlich: Unter anderem gewannen die Demokraten Senatssitze, die seit Generationen republikanisch besetzt gewesen waren. US-Präsident Donald Trump erkannte den Wahlausgang an, gratulierte den Demokraten und signalisierte für seine weitere Amtszeit eine gewisse Kooperationsbereitschaft.

EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hofft nun auf stärkeren amerikanischen Druck auf Russland. In Brüssel sagte sie, der künftige US-Kongress möge die Ukraine weiter unterstützen und stärker auf Moskau einwirken, damit der Krieg beendet werden kann. Europa und die USA seien gemeinsam deutlich stärker darin, Russland zu einem Ende des Krieges zu drängen.

Ein angespanntes Verhältnis mit neuen Gesprächskanälen

Der Wahlausgang stieß bei deutschen Spitzenpolitikern auf großes Interesse. Das deutsch-amerikanische Verhältnis gilt seit Beginn von Trumps zweiter Amtszeit als angespannt. Bundeskanzler Friedrich Merz sagte, das transatlantische Verhältnis habe „seine Selbstverständlichkeit verloren“. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach von einem „Wertebruch“.

Die Bundesregierung wollte zunächst keine Bewertung abgeben. Ein Regierungssprecher erklärte jedoch, Deutschland werde die enge Zusammenarbeit mit den USA fortsetzen und seine Interessen weiterhin vertreten – darunter eine stabile internationale Ordnung, regelbasierter Handel und eine starke NATO.

Merz sagte, Trump habe in den vergangenen zwei Jahren weitgehend am Kongress vorbei regiert und werde dies möglicherweise fortsetzen. Bislang habe der Präsident vor allem mit präsidentiellen Verfügungen, den sogenannten „Executive Orders“, gearbeitet. Veränderungen erwartete Merz vor allem bei der Haushaltsplanung und bei der Planung der Streitkräfte.

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Außenminister Johann Wadephul betonte die enge Zusammenarbeit mit US-Regierung und Kongress. Sie könne breiter, umfangreicher und in manchen Bereichen interessanter werden, sagte er. Sein Verhältnis zu US-Außenminister Marco Rubio sei „vollkommen intakt“. Wadephul hoffte außerdem auf eine stärkere Zusammenarbeit beider US-Parteien zur Unterstützung der Ukraine. Seiner Einschätzung nach hatten sich Unterstützer der Ukraine im Wahlkampf teilweise zurückgehalten.

Bildungsministerin Karin Prien nannte das Ergebnis einen „Morgen der Zuversicht“ und ein kraftvolles Votum für die liberale Demokratie. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sprach von einem „erdrutschartigen“ Sieg der Demokraten. Er sah darin eine Chance für einen Neuanfang der deutsch-amerikanischen Beziehungen, plädierte für mehr Kooperation statt Konfrontation und bekräftigte Bayerns transatlantische und pro-amerikanische Ausrichtung.

CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen bezeichnete die US-Demokratie als „robust“. Die Wähler hätten eine deutlichere Richtungsentscheidung getroffen, als Umfragen erwarten ließen. Einschüchterungsversuche habe es nicht gegeben, zudem habe sich die Wählerschaft nicht von Großspendern wie Elon Musk beeinflussen lassen. Dass Trump den Wahlsieg der Demokraten anerkannt habe, statt das Ergebnis anzufechten, überraschte Röttgen.

Ukraine, Zölle und Energiesicherheit

SPD-Vorsitzender und Vizekanzler Lars Klingbeil gratulierte den Demokraten und schlug neue Kontakte zu US-Parlamentariern vor. Deutschland strecke den USA weiterhin die Hand aus, erklärte er. Mit Demokraten und „vernünftigen Kräften“ der Republikaner müsse über eine Handelspolitik ohne Zölle, ein Ende des Iran- und des Ukraine-Krieges, den Schutz der Ukraine sowie die Wiederherstellung der Energiesicherheit gesprochen werden.

Arbeitsminister Alexander Schweitzer warnte allerdings vor überhöhten Erwartungen. Auch vor Trump habe die US-Regierung eine stark protektionistische Wirtschaftspolitik verfolgt. Die Rhetorik könne sich verbessern, eine grundlegende Kehrtwende in der Welthandelspolitik sei jedoch nicht zu erwarten.

Verteidigungsminister Boris Pistorius gratulierte den Demokraten zu einem „historischen Sieg“. Die US-Regierung bleibe jedoch unverändert. Deutschland werde deshalb den Kontakt zu Demokraten und Republikanern suchen. Kallas’ Hoffnung auf mehr amerikanischen Druck gegenüber Moskau steht damit neben einer nüchternen Erkenntnis: Ein anderer Kongress verändert nicht automatisch die Außenpolitik des Präsidenten.

Auch die übrigen Parteien ordneten die Wahl entlang ihrer eigenen politischen Linien ein. AfD-Chefin Alice Weidel bezeichnete eine Niederlage der Regierungspartei bei den Midterms als üblich, das Ausmaß der republikanischen Niederlage jedoch als bemerkenswert. Sie führte das Ergebnis vor allem auf die Folgen des Iran-Krieges und auf ein aus ihrer Sicht gebrochenes Versprechen Trumps zurück, keine interventionistische Außenpolitik zu betreiben.

AfD-Außenpolitiker Markus Frohnmaier nannte den Ausgang einen „ernsten Rückschlag“ für die Republikaner und machte ebenfalls insbesondere den Iran-Krieg dafür verantwortlich. An den politischen Gemeinsamkeiten mit den US-Partnern ändere das Ergebnis nichts.

Von „hoffnungsvollen Nachrichten“ bis zur Warnung an Europa

Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge stellte die Niederlage der Republikaner in eine Reihe mit jüngsten Niederlagen politischer Kräfte um Bolsonaro und Aleksandar Vučić. Für sie zeigt der Wahlausgang, dass rechtsextreme und autoritäre Politiker Wahlen verlieren können. Grünen-Chefin Franziska Brantner sprach von hoffnungsvollen Nachrichten: Viele Wähler hätten Trumps Politik abgelehnt, progressive demokratische Mehrheiten könnten zurückgewonnen werden. Die frühere Grünen-Chefin Ricarda Lang wertete das Ergebnis auch als Niederlage für den Einfluss Elon Musks.

Die Linke sprach von einem „Erdrutschsieg gegen Trump“. Hohe Preise und Unzufriedenheit mit Trump hätten den Ausschlag gegeben. Arbeitende Menschen hätten deutlich gemacht, dass das Leben wieder bezahlbar werden müsse.

Die FDP-Europaabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann sah in der Wahl einen Beleg für eine lebendige US-Demokratie. Mit der Kontrolle beider Kongresskammern hätten die Demokraten die Möglichkeit, Trump Grenzen zu setzen. Sie wertete das Ergebnis als Signal an das Weiße Haus und als Stärkung der Gewaltenteilung.

Zurücklehnen dürfe sich Europa trotzdem nicht, warnte Strack-Zimmermann. Die Außen- und Sicherheitspolitik bleibe in der Hand des US-Präsidenten. Europa müsse unabhängig vom Ausgang künftiger Wahlen seine Verteidigungsfähigkeit und Interessenvertretung stärken. Der Wahlausgang sei ein positives Zeichen, ersetze aber nicht Europas eigene politischen Aufgaben.

Die Nachricht wurde am 4. November 2026 im Deutschlandfunk ausgestrahlt. Ort der Einordnung ist Uni Europa.