Commerzbank und Metzler finanzieren Frankfurter Gastprofessur für Financial History neu
Am House of Finance der Goethe-Universität Frankfurt wird die Stiftungsgastprofessur für Financial History neu finanziert. Der Commerzbank Endowment Fund im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft übernimmt ab 2027 gemeinsam mit der Metzler Bank die Co-Finanzierung. Die Friedrich Flick Endowment Foundation beendet ihre Rolle als Co-Sponsor mit dem Ende des laufenden Wintersemesters.
Das House of Finance dankt der Friedrich Flick Endowment Foundation für die Unterstützung seit 2017. Damals hatte die Friedrich Flick Foundation das Bankhaus Rothschild als Sponsor abgelöst. Eingerichtet worden war die Gastprofessur 2014 von den Bankhäusern Metzler und Rothschild – anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Goethe-Universität, wie es in früheren Informationen heißt.
Neue Unterstützung, bekannte internationale Ausrichtung
Im Wintersemester 2026/27 übernimmt Prof. John Turner von der Queen’s University Belfast die Gastprofessur. Zum Programm gehört eine Lehrveranstaltung zur Finanzgeschichte am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Goethe-Universität. Im Sommersemester 2027 ermöglicht der Commerzbank Endowment Fund gemeinsam mit der Metzler Bank außerdem einen Aufenthalt von Prof. Kris Mitchener von der Santa Clara University.
Rainer Klump zufolge hat sich die Gastprofessur in den vergangenen Jahren im internationalen Netzwerk der historischen Finanzmarktforschung etabliert und stößt bei Studierenden auf großes Interesse. Dazu gehören neben der Lehre auch internationale Konferenzen mit renommierten Referierenden. Eine davon, „Insight from Hindsight: Useful Financial History“, fand am 22. Oktober 2026 im House of Finance statt. Sie sollte unter anderem zeigen, welchen Nutzen wissenschaftlich fundierte historische Erkenntnisse für Finanzmarktteilnehmende haben können.
Die Reihe bringt international tätige Fachleute der Banken- und Finanzgeschichte mit Forschenden, Studierenden, Praxisvertretern und der Öffentlichkeit in Frankfurt zusammen. Kooperationspartner sind das Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung SAFE am House of Finance und das Institut für Banken- und Finanzgeschichte e.V.
Ein Blick zurück auf die Gastprofessur
Neunter Gastprofessor war 2025 Rui Esteves. Er ist seit 2018 Professor für internationale Wirtschaft und internationale Geschichte am Geneva Graduate Institute und Programmdirektor für Wirtschaftsgeschichte beim CEPR. Studiert hat Esteves Wirtschaftswissenschaften an der Universität Porto, 2006 promovierte er an der University of California, Berkeley. Weitere akademische Stationen führten ihn an die Simon Fraser University in Kanada und an die University of Oxford; außerdem hatte er Gastprofessuren in Frankreich, den USA und Australien.
Seine Forschungs- und Lehrgebiete reichen von internationalen Finanzbeziehungen, Institutionenökonomik und öffentlichen Finanzen bis zur globalen Finanzsystemgeschichte. Hinzu kommen Finanzkrisen und Staatsverschuldung, internationale Zahlungs- und Kapitalströme, Finanzmarktinfrastruktur sowie Korruption in öffentlichen Ämtern.
Während seines Aufenthalts 2025 hielt Esteves im Rahmen der Masterstudiengänge „Money & Finance“ sowie „International Economics and Economic Policy“ das Seminar „The Streets of Finance: Markets and Regulation“. Am 30. Januar 2025 sprach er öffentlich über „Debt Consolidations in History“. Für den 17. Juni 2025 war außerdem eine internationale Konferenz zu internationalen Schuldenmärkten und Risiken geplant.
Vor Esteves standen Benjamin Friedman von der Harvard University (2015), Caroline Fohlin von der Emory University (2016), Hans-Joachim Voth von der Universität Zürich (2017), Harold James von der Princeton University (2018), Barry Eichengreen von der University of Berkeley (2019), Catherine R. Schenk von der Oxford University (2022), Eugene N. White von der Rutgers University (2023) und Marc R. Flandreau (2024) an der Spitze der Gastprofessur.
Was historische Schuldenkrisen verraten
Wie konkret solche Rückblicke werden können, zeigte ein Workshop zu historischen Staatsverschuldungskrisen. Neben der Keynote von Marc Flandreau gab es mehrere Vorträge über die Auswirkungen auf Finanzmärkte, rechtliche Rahmenbedingungen und wirtschaftliche Stabilität.
Peter T. Veru von der University of Colorado stellte Investor-Relations-Aktivitäten im 18. Jahrhundert vor. Sie dienten der Geldbeschaffung und sollten einen Zahlungsausfall verhindern. Andere Beiträge befassten sich mit geopolitischen Einflüssen auf die Preisbildung von Staatsschulden, mit Umschuldungsprozessen und mit den Schwierigkeiten zunehmend komplexer Gläubigerstrukturen.
Damian Clavel von der Universität Zürich untersuchte in „After the Poyais Crash: Moskitia in the Scramble for Central America 1824–1842“ die Folgen des Poyais-Crashs; kommentiert wurde der Beitrag von Mariusz Lukaviewicz von der Universität Leipzig. Maria Stella Chiaruttini von der Universität Wien erläuterte in „Born in Debt“, wie die Staatsverschuldung Italien im 19. Jahrhundert prägte. Gabriel Geisler Mesevage vom King’s College London gab dazu den Kommentar.
Elya Zang von der University of Pittsburgh präsentierte „Modern China’s Defaults and their Legal Afterlives“, Tobias Straumann von der Universität Zürich kommentierte. Kim Oosterlinck von der Université Libre de Bruxelles stellte gemeinsam mit anderen eine Arbeit zu „Domino Secessions: Evidence from the U.S.“ vor, zu der Vincent Bignon von der Banque de France Anmerkungen gab. Danach präsentierte Straumann „The Young Debts and their Aftermath“, kommentiert von Marc Flandreau.
Karina Patrício Ferreira Lima von der University of Leeds widmete sich in „Beyond Gentlemen’s Agreements“ der Diversifizierung der Gläubiger und der rechtlichen Steuerung von Staatsschuldenumstrukturierungen. Kim Oosterlinck kommentierte diese Arbeit. Eine weitere Keynote hielt Carsten Detken, Abteilungsleiter bei der Europäischen Zentralbank: „Von der europäischen Schuldenkrise zum neuen makroprudenziellen Regime: Eine kurze Geschichte“.
Detken zeigte die Entwicklung der makroprudenziellen Politik, unter anderem als Reaktion auf aktuelle Herausforderungen der Schuldenkrise. Die interdisziplinären Beiträge führten von historischen zu modernen Staatsschuldenproblemen und gaben Einblick in die Entwicklung von Finanzinstrumenten, in Strategien des Schuldenmanagements sowie in rechtliche und institutionelle Rahmenbedingungen. Historische Zusammenhänge und Fallstudien machten sichtbar, wie Finanzmärkte und Rechtssysteme angepasst wurden, um finanzielle Notlagen zu bewältigen und wirtschaftliche Stabilität zu fördern.
