Auf der Mathildenhöhe in Darmstadt stehen derzeit Produkte, die sonst eher auf Fußballplätzen, in Fabrikhallen oder auf der Straße zu finden sind: Die Ausstellung „ExSamples26“ zeigt 39 Arbeiten ehemaliger und aktueller Studierender des Studiengangs Industriedesign am Fachbereich Gestaltung der Hochschule Darmstadt. Zu sehen sind Projekte aus den vergangenen 25 Jahren – darunter Abschlussarbeiten ab 2020, die während der Corona-Pandemie entstanden und bislang nicht öffentlich präsentiert werden konnten.

Kuratiert haben die Ausstellung Professor Tom Philipps und Professor Tino Melzer. Ihr Anliegen: sichtbar zu machen, wohin die Wege von Absolventinnen und Absolventen führen können und wie Gestaltungsideen aus Darmstadt in internationale Unternehmen, Forschungsprojekte und Alltagsprodukte gelangen. Im Studiengang sind derzeit etwa 130 Studierende eingeschrieben; die Hochschule Darmstadt zählt mit rund 14.000 Studierenden zu den größten deutschen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften.

Vom WM-Ball bis zum Roboter

Ein Exponat dürfte vielen sofort bekannt vorkommen: der „Brazuca“, offizieller Spielball der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Entworfen wurde er von Julia Otto, einer Absolventin der Hochschule Darmstadt, für Adidas. Inzwischen arbeitet sie dort als Design-Direktorin beziehungsweise Design Director. Bei der Gestaltung berücksichtigte sie das Lebensgefühl und die Kultur Brasiliens. Deutschland gewann mit diesem Ball die Weltmeisterschaft.

Daneben steht „Agile 1“, ein menschengroßer humanoider Roboter der Münchner Agile Robots AG. Mitentwickelt und gestaltet wurde er von Fabian Wappler, der an der Hochschule Darmstadt studierte, die Agile Robots AG mitbegründete und dort als Design-Direktor tätig ist. Die abgerundeten, kindlich wirkenden Formen sollen den Roboter freundlich und weniger bedrohlich erscheinen lassen. Er ist mit künstlicher Intelligenz ausgestattet, kann Gespräche führen und über seine Augen kommunizieren – etwa durch Blinzeln.

In mehreren Industrieunternehmen arbeitet „Agile 1“ bereits als Logistik- oder Lagermitarbeiter. Agile Robots will bis Ende 2027 insgesamt 10.000 Exemplare des Roboters ausliefern. Ein ziemlich weiter Weg für ein Ausstellungsstück, das in Darmstadt zunächst einmal still zwischen anderen Entwürfen steht.

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Auch die Fahrräder von Lars Wagner gehören zu den Blickfängen. Der Absolvent arbeitet bei Canyon als Lead Designer für Rennräder und entwirft dort Modelle für Mountainbike- und Straßenrennen. Canyon stattet außerdem die Tour de France aus. Zu den weiteren Arbeiten zählen unter anderem Mixer, Kaffeemaschinen, Möbel und Hanteln. Entstanden sind sie für Unternehmen wie Braun, Canon, Genesis AI, Hexagon, Porsche und Prada.

Gewächshäuser für die Saat der Ideen

Das Ausstellungsdesign fällt bewusst bodenständig aus. Weil die finanziellen Mittel begrenzt waren, präsentierten Philipps und Melzer die Exponate in Gewächshäusern aus dem Baumarkt. Diese stehen auf Brettern und Podesten aus Gemüsekisten; unterstützt wurde die Umsetzung von der Gesellschaft zur Förderung technischen Nachwuchses. Zwischen Kunststoffwänden und Kisten bekommt das Motiv der „Saat der Ideen“ eine ziemlich direkte Form: Aus kleinen Entwürfen können später fertige Produkte werden.

Die Exponate erzählen dabei nicht nur von einzelnen Karrieren, sondern auch von der thematischen Bandbreite des Industriedesign-Studiums. Gestaltung kann Fahrzeuge, Maschinen, Anlagen, Haushaltsgeräte, Möbel oder Verpackungen betreffen. Die Ergebnisse müssen gut aussehen und funktionieren, im besten Fall beides ohne großes Aufheben.

Das Studium dauert meist sechs bis acht Semester und schließt mit einem Bachelor ab. Es ist praxisorientiert und enthält einen großen Anteil an Pflichtpraktika. In der Regel sind am Ende ein bis zwei Praxissemester vorgesehen, in denen die Studierenden eine Abschlussarbeit anfertigen. Kooperationen und Projekte mit Unternehmen schaffen schon während des Studiums Kontakte zur Wirtschaft – manchmal entstehen daraus später Fahrräder für den Spitzensport, ein WM-Ball oder ein Roboter für die Industrie.

Auf dem Stundenplan stehen unter anderem zwei- und dreidimensionales Gestalten, Kommunikationsdesign, darstellende Geometrie, Ergonomie, Technologie, Materialkunde und Ästhetik. Dazu kommen experimentelles Gestalten, Sozialpsychologie sowie Wirtschafts- und Rechtswissenschaften. Ein bisschen Zeichnen, ein bisschen Tüfteln, viel Praxis – und vermutlich mehr Materialproben, als man zunächst denkt.

Besuch auf der Mathildenhöhe

„ExSamples26“ ist bis zum 20. November 2026 im Foyer des Fachbereichs Gestaltung, Olbrichweg 10, zu sehen. Geöffnet ist montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Wer von Uni Frankfurt aus nach Darmstadt fährt, bekommt dort keine klassische Vitrinenschau geboten, sondern eine Mischung aus Produktgeschichte, Karrierestationen und improvisiert wirkenden Gewächshäusern. Und mittendrin: der Ball, mit dem Deutschland Weltmeister wurde.