Heute, am 23.10.2026, sind die Temperaturen in Frankfurt herbstlich. Trotzdem ist der Hitzesommer noch da – in Gesprächen, auf ausgetrockneten Baumscheiben und in der Frage, warum beim Hitzeschutz so wenig vorangeht. An der Uni Frankfurt wird deutlich: Mehr Bäume, zusätzliche Grünflächen und die Entsiegelung von Pflaster- und Betonflächen gelten als zentrale Maßnahmen.

Neue Straßenbäume kommen bislang allerdings nur langsam. Unter Straßen und Plätzen liegen Leitungen, außerdem gibt es Tiefgaragen. Beides macht das Pflanzen komplizierter. Gleichzeitig sind viele alte Bäume durch die sommerlichen Rekordtemperaturen stark geschädigt oder abgestorben, berichtet Umweltdezernentin Tina Zapf-Rodríguez.

Pläne gibt es – die Umsetzung stockt

Frankfurt beschloss 2023 einen Klimawandelaktionsplan. Vorgesehen sind Präventivmaßnahmen für besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen und Sofortmaßnahmen an Schulen. Wie diese Vorhaben konkret aussehen, steht noch aus. Die eigenständig arbeitenden Dezernate der Stadtverwaltung müssten dafür stärker zusammenarbeiten.

Das ist kein Frankfurter Sonderproblem. Eine bundesweite Befragung des Instituts für sozial-ökologische Forschung unter mehr als 1000 Städten und Gemeinden ergab, dass 80 Prozent die bestehenden Verwaltungsstrukturen als „große Hürde“ für Klimaschutz und Klimaanpassung sehen.

Auch das Frankfurter Klimareferat hat bereits ein Konzept zur Entsiegelung erstellt. Es muss noch mit anderen Ämtern abgestimmt und anschließend dem Magistrat vorgelegt werden. Zapf-Rodríguez bezeichnet die Umsetzung angesichts der Haushaltslage und des fehlenden Personals als große Herausforderung. Das klingt nüchtern, ist im Alltag aber ziemlich konkret: Zuständigkeiten, Geld und Leute fehlen – und der nächste heiße Sommer wartet nicht brav vor der Tür.

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Nach Einschätzung von Katharina Böttger hinkt Frankfurt bei der Klimaanpassung anderen Großstädten hinterher. Wien verfügt über rund 1600 Trinkbrunnen, Frankfurt über weniger als 30. Die Frankfurter Trinkbrunnen und Grünflächen sind außerdem ungleich über die Stadt verteilt. Paris hat Flüsse wieder zum Baden geöffnet; Frankfurt verfügte im 19. Jahrhundert über das größte Schwimmbad am Main.

Brunnen, Pflanzenkübel und die 3-30-300-Regel

Zapf-Rodríguez verweist auf geplante beziehungsweise mögliche kleinere Maßnahmen wie Trinkbrunnen und Nebelduschen. Stadtsoziologin Carola Scholz schlägt große Pflanzenkübel als Zwischenschritt zu mehr Begrünung vor. Außerdem fordert sie einen besseren Schutz der Baumscheiben – jener kleinen Flächen rund um die Stämme, die oft eher nach verdichtetem Staub als nach Lebensraum aussehen.

Der Bockenheimer Ortsbeirat unterstützte fraktionsübergreifend einen umfangreichen Antrag der Grünen zum Hitzeschutz. Aus dem Publikum kam der Vorschlag, bei gemeinsamen Ortsspaziergängen von Bürgern und Behörden die sogenannte 3-30-300-Regel zu prüfen: Von jeder Wohnung aus sollen drei Bäume sichtbar sein, jeder Stadtteil soll einen Grünflächenanteil von 30 Prozent haben, und der nächste Park soll höchstens 300 Meter entfernt sein. Ein Spaziergang mit Maßband und Stadtplan also – klingt ein bisschen sperrig, könnte aber sehr schnell zeigen, wo es im Sommer unerträglich wird.

Eine weitere Gelegenheit könnte der Anschluss der innerstädtischen Gründerzeitviertel an das Fernwärmenetz bieten. Dafür werden Straßen ohnehin geöffnet. Wenn schon Bagger kommen, ließen sich möglicherweise gleich zusätzliche Begrünung, bessere Baumscheiben oder entsiegelte Flächen mitplanen.

Hans-Georg Dannert, Leiter des städtischen Klimareferats, regt außerdem die Gründung von Klimavereinen in den Stadtteilen an. Sie könnten den klimaverträglichen Umbau Frankfurts unterstützen – direkt vor Ort, dort, wo im Hochsommer der Asphalt flimmert und sich Schatten nicht einfach herbeiverwalten lässt.

Naturbasierte Lösungen als Werkzeugkasten

Passende Orientierung liefert das Umweltbundesamt mit Materialien zur naturbasierten Klimaanpassung in Kommunen. Die praxisorientiert aufbereiteten Unterlagen stehen zum Download zur Verfügung und wurden zuletzt am 7. April 2026 aktualisiert. Ein wissenschaftlicher Bericht behandelt die Stärkung naturbasierter Lösungen für die kommunale Klimaanpassung sowie die damit verbundenen Herausforderungen und Lösungsansätze.

Der Werkzeugkasten reicht von Fassadenbegrünung, Gründächern und Stadtbäumen bis zu grünen Korridoren, Grünstreifen, Feuchtbiotopen und Renaturierung. Genannt werden auch Flächenentsiegelung, tiefwurzelnde Pflanzen sowie Mulden-Rigolen-Systeme. Die Materialien beziehen sich auf verschiedene Klimagefahren und zeigen naturbasierte Maßnahmen gegen Hitze, aber auch gegen Starkregen, Sturzfluten und Hochwasser sowie gegen Trockenheit und Niedrigwasser.

Zum Angebot gehören Stadtkarten zur naturbasierten Klimaanpassung, inklusive Öffentlichkeitsarbeit und Pressearbeit. Dazu kommen Visualisierungen und Infografiken. Zugeordnete Publikationen behandeln unter anderem „Naturbasierte Klimaanpassung mit Stadtkarten“, „Inklusive Öffentlichkeitsarbeit für naturbasierte Klimaanpassung“, „Wirkungsvolle Pressearbeit für naturbasierte Klimaanpassung“ und „Naturbasierte Lösungen für die kommunale Klimaanpassung stärken: Herausforderungen und Lösungsansätze“.

Auch die Finanzierung wird nicht ausgespart. Eine weitere Publikation trägt den Titel „Jenseits öffentlicher Gelder: Wie Kommunen naturbasierte Lösungen für die Klimaanpassung finanzieren können“; außerdem gibt es eine „Kosten- und Nutzenbewertung von naturbasierten Lösungen zur Klimaanpassung“. Damit geht es nicht nur um schöne Ideen, sondern auch um die Frage, wer sie bezahlt und was sie langfristig bringen.

Die Schlagworte der Materialien lesen sich wie eine kleine Frankfurter To-do-Liste: naturbasierte Lösungen, Klimaanpassung, Kommune, Leitfaden, Klimaresilienz, Finanzierungshilfe, Stadtplanung, ökologische Stadtentwicklung, Biodiversität und Beteiligung. Für die Stadt könnten daraus konkrete Bilder werden: Schatten unter neuen Bäumen, ein kühlerer Schulhof, Wasser, das nicht sofort über versiegelte Flächen abläuft – und vielleicht irgendwann ein Mainufer, an dem niemand mehr nur über die Hitze spricht.