In der Frankfurter Hochschulgastronomie gibt es derzeit jeden Tag Spaghetti Napoli als veganes Gericht für 1,80 Euro. Für manche klingt das nach einer günstigen Rettung in der Mittagspause, für andere eher nach täglicher Nudelroutine. Das Angebot ist Teil eines vierwöchigen Pilotversuchs des Studierendenwerks.

Emily, Politikwissenschaftsstudentin an der Goethe-Universität, isst regelmäßig in der Mensa auf dem Westend-Campus. Als Veganerin findet sie dort häufig kein Gericht, das sie gern essen würde. Meist bleiben ihr ein oder zwei vegane Speisen, die ihrer Einschätzung nach oft wenig ansprechend aussehen. Also stellt sie sich ihre Mahlzeit aus einzelnen Beilagen zusammen: Bratkartoffeln, Bohnen und Brokkoli.

Protest gegen Pasta jeden Tag

Dass ein besonders günstiges veganes Gericht angeboten wird, hatten sich studentische Vertreter im Verwaltungsrat gewünscht. Doch die Umsetzung sorgt für Unmut. Studierende kritisieren vor allem, dass das billige Essen täglich aus Nudeln mit Tomatensoße besteht. Auf Plakaten steht deshalb: „Spaghetti-Diktatur“.

Die Auswahl daneben bleibt überschaubar. Genannt werden Pommes, Salat und belegte Brötchen. Andere Gerichte in der Cafeteria kosten laut Bericht meist zwischen 4,30 und 4,90 Euro. Mehrere Studierende haben sich deswegen bereits per E-Mail beim Studierendenwerk beschwert.

Auch die Frage, ob Spaghetti Napoli dauerhaft eine ausgewogene vegane Mahlzeit darstellt, steht im Raum. Ein AStA-Vertreter sagt, die ursprüngliche Forderung sei durch die tägliche Pasta zur Karikatur geworden. Gewünscht wird ein günstiges veganes Angebot mit wechselnden Gerichten – nicht jeden Tag dieselbe Soße auf Nudeln.

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Begrenzte Kapazitäten, offene Bilanz

Das Studierendenwerk verweist auf begrenzte Kapazitäten und räumliche Möglichkeiten an den Ausgabestellen. Ein zusätzliches Gericht sei derzeit nicht umsetzbar. Beliefert werden neben Universität und Fachhochschule Frankfurt auch Hochschulstandorte in Frankfurt, Offenbach, Geisenheim und Rüsselsheim.

Nach der Testphase sollen Verkaufszahlen und Rückmeldungen ausgewertet werden. Danach will das Studierendenwerk über das weitere Vorgehen beraten. Ob das besonders günstige vegane Gericht dauerhaft angeboten wird, hängt auch von der Resonanz der Studierenden ab. Eine dauerhafte Fortsetzung würde laut Bericht allerdings nicht automatisch mehr Abwechslung bedeuten.

Hessen zeigt, dass es auch anders geht

Der Blick über Frankfurt hinaus fällt im Jahr 2026 durchaus interessant aus. PETA hat die vegan-freundlichsten Hochschulmensen Deutschlands ausgezeichnet, und mehrere hessische Mensen erreichten dabei besonders gute Platzierungen. Bewertet wurden der Umfang des veganen Speisenangebots, die Preisgestaltung, Zugänglichkeit und Kennzeichnung sowie Strategien und Ausbaupläne.

Mensen mit 80 bis 100 Punkten erhielten den Gold-Status. Mehr als die Hälfte der 57 teilnehmenden Mensen schaffte diese Einstufung. Die Zentralmensa des Studierendenwerks Kassel belegte mit 92 Punkten den dritten Platz.

Erfolgreich vertreten war auch das Studierendenwerk Gießen – mit der Mensa der Hochschule Fulda und zwei weiteren Gießener Mensen. Das Küchenteam entwickelt regelmäßig neue vegane Rezepturen. Vegane Alternativen aus der eigenen Produktion sind laut Bericht auch an anderen Standorten beliebt.

Auf dem täglichen Speiseplan stehen dort unter anderem Salatbuffets, Suppen und warme Hauptgerichte. In Frankfurt dagegen bleibt vorerst die Pasta im Topf, während Emily wieder prüft, welche Beilagen sich zu einer halbwegs befriedigenden Mahlzeit zusammensetzen lassen.