Frankfurt soll ein internationaler Knotenpunkt für Naturschutz und Biodiversität werden. Im Mittelpunkt steht das Frankfurt Conservation Center (FCC), das Wissenschaft, praktische Naturschutzarbeit, Finanzakteure und gesellschaftliche Organisationen zusammenbringen will. Heute, am 30.09.2026, ist das Vorhaben allerdings noch weitgehend ein Versprechen: Das FCC besteht bislang aus Geschäftsführer Felix Gaschick, einer weiteren Mitarbeiterin und Bauplänen.

Gegründet wurde es 2020 von der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF), der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (SGN) und der Goethe-Universität. Inzwischen sind zwölf Institutionen beteiligt, darunter die KfW-Stiftung und das Netzwerk Bio Frankfurt. Gaschick spricht ein Jahr nach seinem Amtsantritt über ein Zentrum, das Frankfurt zum Vorreiter für Biodiversitäts- und Naturschutzlösungen in der Europäischen Union machen soll.

Ein Haus zwischen Zoo, Forschung und Finanzwelt

Im Osten des Frankfurter Zoos soll ab dem kommenden Jahr ein fünfgeschossiger Neubau entstehen. Die Baukosten werden mit 26 Millionen Euro veranschlagt, die Stadt Frankfurt übernimmt die Miete. Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) sieht in Frankfurt wegen seiner Bedeutung als Finanzplatz, Verkehrsknotenpunkt und europäische Metropolregion gute Voraussetzungen für das Projekt.

Gaschick möchte den Naturschutz deshalb stärker mit Banken und anderen Finanzakteuren verknüpfen. Als Vorbild gilt die Cambridge Conservation Initiative: ein Zusammenschluss der Universität Cambridge mit zehn Naturschutzorganisationen unter der Schirmherrschaft von David Attenborough. Das FCC selbst soll schlank bleiben, mit einem kleinen Sekretariat und einer koordinierenden Funktion – ein bisschen wie eine Industrie- und Handelskammer. Externe Anfragen sollen an die passenden Organisationen weitergeleitet, die beteiligten Institutionen miteinander verbunden werden.

Die fünf Etagen werden voraussichtlich vor allem vom Zoo und der ZGF genutzt. Die übrigen Organisationen sollen am Gebäude vertreten sein, außerdem sind gemeinsame Besprechungs- und Arbeitsräume vorgesehen. Im Foyer sollen die Eingangskasse und öffentliche Ausstellungen Platz finden. Wer den Zoo besucht, soll durch das FCC hineingehen – der Weg zum Elefantengehege führt dann erst einmal durch ein Zentrum für Naturschutz.

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Das FCC ist Teil des 2024 vorgestellten Masterplans „Zookunft2030+“ und soll dort als wissenschaftlich vernetzende Säule des künftigen Zoos wirken. Vorgesehen sind unter anderem umgestaltete Gehege, die große Lebensräume wie die Serengeti darstellen, sowie die Sanierung des historischen Nebeneingangs.

Ein Zoo mit neuem Maßstab

Die Konzeptstudie ZOOKUNFT2030+ war bereits am 23.09.2019 vorgestellt worden. Sie beschreibt keine bloße Renovierung einzelner Wege und Anlagen, sondern eine grundlegende Neuausrichtung. Zwei Großareale mit zusammen rund fünf Hektar sollen vollständig umgestaltet werden: das Nord-Ost-Areal und das Süd-West-Areal. Dort liegen die meisten älteren Tieranlagen.

Inhaltlich orientieren sich die Pläne an den Schwerpunktregionen der ZGF, Afrika und Südamerika. Erarbeitet wurde die Studie über mehrere Monate von Mitarbeitenden des Frankfurter Zoos, der ZGF und den Zooplanern von The Logical Zoo (TLZ). Die KfW Stiftung und die Stiftung Zoo Frankfurt unterstützten die Entwicklung finanziell.

Vier Arbeitsfelder tragen das Konzept: „Tiere erleben“ mit Tierbestand und Tierhaltung, „Natur bewahren“ mit biologischer Vielfalt, Naturschutz und Nachhaltigkeit, „Menschen erreichen“ mit Kommunikation, Bildungsangeboten und Erscheinungsbild sowie „Gemeinsam wirken“ mit Team und Leitbild. Das Zoo-Motto lautet „Tiere erleben – Natur bewahren“. Der Anspruch ist klar: Besuchende sollen der Tierwelt näherkommen und Lust auf Naturschutz bekommen, nicht bloß mit einem Handyfoto aus dem Gehege spazieren.

Im etwa zwei Hektar großen Nord-Ost-Areal ist eine 6.725 Quadratmeter große Amazonas-Halle geplant. Daran schließt ein 7.900 Quadratmeter großer Außenbereich mit einer neotropischen Region an. Die Halle soll kühlere, neblige Bergwälder ebenso nachbilden wie warme, feuchte Tieflandregenwälder – künstlich erzeugter Regen inklusive. Die neotropische Region reicht geografisch von Südkalifornien bis Patagonien und gehört zu den acht biogeografischen Regionen der Erde.

Ein weiterer Bereich von 3.350 Quadratmetern ist Europa gewidmet. Als europäisches Biom sind Feuchtgebiete vorgesehen. Dort soll es um verbliebene Lebensräume und die Biodiversität der europäischen Wildnis gehen.

Das rund drei Hektar große Süd-West-Areal steht im Zeichen Afrikas. Geplant sind eine 10.200 Quadratmeter große Afrika-Halle, ein Kongo-Trail und ein Savannen-Trail. Die Halle soll ein neues Konzept für die Indoor-Haltung großer afrikanischer Pflanzenfresser umsetzen; naturalistisch gestaltete Gehege werden in eine thematische Landschaft eingebettet. Draußen entstehen Darstellungen der Kongo-Wälder und einer Savanne. Das knüpft an die Geschichte des Frankfurter Zoos und an die Arbeit der ZGF an.

Mehr als Gehege und Wege

Zwei Restaurants gehören ebenfalls zur Planung: eines im Nord-Ost-Areal mit Zugang zur Amazonas-Halle, eines im Süd-West-Areal mit Blick auf die Afrika-Savanne. Ein Kiosk im Bereich der Zooterrassen soll dazukommen. Beide Hallen erhalten jeweils ein Informationszentrum. Die Zooschule bleibt im Zoogesellschaftshaus.

Außerdem sind ein zweiter Spielplatz und ein kleiner Streichelzoo vorgesehen. Haupt- und Nebenwege sollen alle Zooareale zu einem zusammenhängenden Rundkurs verbinden. Die Zooentwicklung ist auf 15 Jahre angelegt und in drei Phasen gegliedert. Phase I reicht von 2019 bis 2022 und umfasst bereits begonnene oder geplante Projekte im zentralen Dreieck, darunter den Umbau der Löwenanlage. Die Phasen II und III laufen von 2023 bis 2032 und behandeln die Umsetzung der beiden Großareale.

Die Vorschläge sollten den städtischen Gremien vorgestellt werden. Als nächster Schritt war ein Masterplan erforderlich, der konkrete Zeitpläne und belastbare Kostenschätzungen enthalten soll. Der 2024 präsentierte Masterplan greift diese Entwicklung auf und verbindet sie mit dem FCC-Neubau.

Moderne Zoos übernehmen seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts Aufgaben in Natur- und Artenschutz, Bildung, Forschung und Erholung. Der Weltzooverband WAZA erklärte 2015 den Arten- und Naturschutz zur wichtigsten Aufgabe seiner Mitgliedszoos. Dazu gehören ex situ-Erhaltungszuchtprogramme in Zoos, während ein großer Teil der Arbeit außerhalb der Einrichtungen in den ursprünglichen Lebensräumen der Tiere stattfindet – in situ.

Der Zoo Frankfurt arbeitet dafür eng mit der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt zusammen. Künftig soll er zugleich als Schaufenster für die internationalen Naturschutzprojekte der ZGF dienen. Das FCC könnte diese Verbindung bündeln, noch bevor im Neubau die ersten Ausstellungen hängen.

Warum Tiere weiterhin der Anfang sein sollen

Der Biologiedidaktiker und Zootierbiologe Paul Dierkes sagt, Zoos verstünden sich zunehmend als Arten- und Naturschutzzentren. Tiere blieben aber der zentrale Ansatzpunkt, um Naturverbundenheit zu fördern. Bildungsangebote mit direkter Begegnung seien erfolgreicher als ausschließlich mediale Beobachtung – ein Punkt, der im Alltag schnell vergessen wird, wenn Natur nur noch über Bildschirm und Kopfhörer stattfindet.

Eine im August veröffentlichte Studie seiner Arbeitsgruppe befragte mehr als 4.000 Teilnehmende von Bildungsprogrammen in 20 europäischen Zoos. Untersucht wurde, wie stark ihre Naturverbundenheit ausgeprägt war. Dierkes sieht im FCC einen möglichen Ankerpunkt, um Naturschutzprojekte direkt in Bildungsangebote einzubinden.

Der Frankfurter Zoo blickt dabei auf eine lange, manchmal ziemlich holprige Geschichte zurück. 1858 wurde er auf Initiative Frankfurter Bürger gegründet, die sich zur Zoologischen Gesellschaft Frankfurt zusammenschlossen. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Anlage vollständig zerstört. Unter der Leitung von Prof. Bernhard Grzimek wurde sie wiederaufgebaut und international bekannt.

Als in den 1970er- und 1980er-Jahren frühere Pläne für einen Außenzoo wieder aufgegriffen wurden, geriet die Weiterentwicklung des Innenstadtzoos ins Stocken. Erst 2008 legte die Stadt ein erstes Investitionsprogramm zur Modernisierung auf. Trotzdem befand sich weiterhin mehr als die Hälfte der unter Grzimek entstandenen Tieranlagen im ursprünglichen Zustand.

Das FCC steht also am Anfang. Noch gibt es kein fertiges Haus, keine fünf Et