Auf dem Campus an der Saarstraße ist in diesen Tagen ordentlich Bewegung: Rund 3300 Studienanfänger erkunden während der Erstsemesterwoche die Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Neue Gebäude, fremde Wege, viele Namen – und irgendwo dazwischen die bange Frage nach dem Stundenplan. In der kommenden Woche beginnt offiziell das Wintersemester.

Die JGU startet dabei mit Rückenwind. Anfang des Monats wurde sie gemeinsam mit anderen Hochschulen als Exzellenzuniversität ausgezeichnet. Vizepräsident Stephan Jolie sprach bei der Begrüßung am Montag in der RW1-Interimshalle deshalb von einem Semester unter besonderen Vorzeichen. Die Universität habe gemeinsam mit ihren Partneruniversitäten Frankfurt und Darmstadt in der Exzellenzstrategie überzeugt. Im Verbund der Rhein-Main-Universitäten beginne ein neues Kapitel.

29.500 Studierende, 278 Studiengänge

Rund 29.500 Studierende sind an der Mainzer Universität in 278 Studiengängen eingeschrieben. Die Nachfrage sei laut Hochschule ähnlich hoch wie im Vorjahr. Zulassungsbeschränkt sind insgesamt 52 Fächer, darunter Medizin, Zahnmedizin und Pharmazie. Die meisten Studiengänge können allerdings ohne Numerus clausus belegt werden.

Bei der „Messe der Möglichkeiten“ in der Alten Mensa stellten sich am Montagnachmittag verschiedene Organisationen, Gruppen und Initiativen vor. Wer zwischen Infoständen, Gesprächen und dem ersten Campuskaffee noch den Überblick behielt, konnte schon einmal ausloten, was neben Vorlesungen und Prüfungen alles möglich ist. Die Sport-, Kultur- und Freizeitangebote werden weiter ausgebaut; zur Universität gehört auch ein Botanischer Garten.

Besonders gefragt sind Medizin, Zahnmedizin und Pharmazie, außerdem Psychologie im Bachelor und Master, Psychotherapie, Biowissenschaften sowie Lehramt Deutsch und Englisch. Auch Geographie, Informatik, Chemie, Erziehungswissenschaften, Translation am Standort Germersheim sowie Wirtschaft und Management ziehen viele Studierende an.

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Forschung zwischen Teilchenphysik und Medizin

Die JGU stärkt ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit durch Forschungsschwerpunkte. Weltweit führend ist sie in der Teilchenphysik; die entsprechenden Arbeiten finden im Exzellenzcluster PRISMA++ statt. Daneben zählen Materialwissenschaften, Quanten- und Atomphysik, nachhaltige Chemie, Polymerchemie, Lebenswissenschaften und translationale Medizin zu den wichtigen Forschungsfeldern.

Gemeinsam mit der Goethe-Universität Frankfurt und der Technischen Universität Darmstadt bildet Mainz die Allianz der Rhein-Main-Universitäten, kurz RMU. Ab 2027 wird dieser Verbund im Rahmen der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern als Exzellenzverbund gefördert. Grundlage dafür sind der Erfolg aller drei Universitäten in der Förderlinie Exzellenzcluster und die positive Bewertung des gemeinsamen Antrags „RMU-EXCITE – Excellent. Collaborative. Transformative“.

550 Jahre Universität Mainz

Ab dem 23. November sind Feierlichkeiten zum 550. Jahrestag der Gründung geplant. Grundlage des Jubiläums ist eine Urkunde vom 23. November 1476: Papst Sixtus IV. genehmigte darin auf Bitten des Mainzer Erzbischofs Diether von Isenburg die Gründung einer Universität in Mainz.

Für das Jubiläumsjahr stehen unter anderem Veranstaltungen im Mainzer Dom, ein Campusfest im Sommer und ein Festakt im Staatstheater im November 2027 auf dem Programm. Bis dahin bleibt für die neuen Studierenden aber erst einmal der Alltag: Hörsäle finden, Gruppen beitreten, vielleicht den Botanischen Garten entdecken – und eine bezahlbare Bleibe auftreiben.

Denn die größte Herausforderung für Erstsemester ist und bleibt die Suche nach einem bezahlbaren Zimmer oder einer Wohnung in Mainz. Zwischen Besichtigungen, Wartelisten und langen Wegen zum Campus kann die Euphorie über den Studienbeginn schnell einen kleinen Dämpfer bekommen. An der Uni Frankfurt, dem Ort dieses Berichts, kennt man diese Wohnungsnot ebenfalls nur zu gut.