Wer zehn Jahre oder länger studiert hat, sollte das im Bewerbungsgespräch nicht unter den Teppich kehren. Fachleute raten dazu, die lange Studiendauer offen anzusprechen – denn wer die Regelstudienzeit deutlich überschreitet, muss mit kritischen Fragen von Personalverantwortlichen rechnen. An der Uni Frankfurt dürfte diese Frage für manche Absolventinnen und Absolventen ziemlich vertraut klingen.

Daniel Meier brauchte 18 Semester für seinen Bachelor. Zunächst studierte er Bauingenieurwesen, später wechselte er zu Bau- und Immobilienmanagement. Als einen Grund für die lange Studiendauer nennt er unter anderem eigene Faulheit. Das klingt nicht nach der glattgebügelten Bewerbungsschablone, ist aber gerade deshalb ein Beispiel dafür, wie ehrlich und zugleich reflektiert man mit einem ungewöhnlichen Studienverlauf umgehen kann.

Was die Regelstudienzeit tatsächlich bedeutet

Die Regelstudienzeit bezeichnet die üblicherweise vorgesehene Semesterzahl eines Studiengangs. Die meisten Bachelorstudiengänge sind auf sechs Semester, also drei Jahre, angelegt. Aufbauende Masterstudiengänge umfassen meist vier Semester beziehungsweise zwei Jahre. Für Lehramt, Medizin und Pharmazie sind längere Studienzeiten üblich.

Das Überschreiten dieser Vorgabe hat zunächst keine direkten Auswirkungen auf das Studium. Entscheidend ist die Maximalstudienzeit. Sie bildet die Frist für den Abschluss und ist in der Prüfungsordnung des jeweiligen Studiengangs festgelegt. Bei Bachelorstudiengängen beträgt sie meist acht Semester. Wer die Regelstudienzeit überschreitet, hat damit häufig noch ein Jahr Zeit, das Studium abzuschließen.

Studierende sollten deshalb prüfen, ob sie alle noch offenen Prüfungen innerhalb dieser Frist schaffen. Ist das nicht möglich, kann eine Verlängerung der Studienzeit beantragt werden. Dafür braucht es einen anerkannten Grund, etwa Krankheit, Schwangerschaft oder Kinderbetreuung, einen familiären Schicksalsschlag, Pflegeverantwortung oder ehrenamtliche Arbeit – meist mit Studienbezug. Hilfe gibt es bei den Studierendenberatungen.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Nur 39,3 Prozent der Studierenden schließen ihr Studium innerhalb der Regelstudienzeit ab. Das geht aus Angaben des Statistischen Bundesamts mit Stand Dezember 2024 hervor. Die Zahl rückt den Begriff ein wenig zurecht: Sechs Semester im Bachelor sind eine Vorgabe der Prüfungsordnung, keine Garantie dafür, dass der Alltag zwischen Nebenjob, Prüfungen und manchmal schlicht zu wenig Schlaf genauso schnell läuft.

Zwischen Vorgabe und Wirklichkeit

Weitere Daten zeigen, wie groß die Lücke zwischen Plan und tatsächlichem Verlauf sein kann. Die Regelstudienzeit im Bachelor beträgt typischerweise sechs Semester, die mediane Fachstudiendauer aber 7,9 Semester. Beim Master stehen meist vier Semester auf dem Papier, während die mediane Fachstudiendauer etwa 4,5 Semester beträgt. Für Lehramt werden acht bis zehn Semester Regelstudienzeit angesetzt; die mediane Fachstudiendauer liegt bei 9,3 Semestern.

Dabei muss man genau hinschauen. Die Regelstudienzeit ist eine Vorgabe der Prüfungsordnung und keine empirische Messgröße. Die Fachstudiendauer zählt die Semester im abgeschlossenen Studienfach bis zur bestandenen Abschlussprüfung, ohne Urlaubssemester oder frühere Studiengänge. Die Gesamtstudiendauer umfasst dagegen alle Hochschulsemester seit der Ersteinschreibung – einschließlich Fach- und Hochschulwechseln.

Die aktuellsten Ergebnisse der Destatis-Studienverlaufsstatistik wurden im Juli 2025 veröffentlicht. Grundlage sind anonymisierte Verknüpfungen von Studierenden-, Prüfungs- und Promotionsstatistik. Beim Einschreibejahrgang 2019 schlossen 30 Prozent der Bachelorstudierenden innerhalb von acht Semestern ab; beim Master waren es 51 Prozent innerhalb von sechs Semestern. Die acht Bachelorsemester entsprechen dabei sechs Semestern Regelstudienzeit plus zwei zusätzlichen Semestern. Wer nach acht Semestern noch nicht fertig war, kann später weiterhin einen Abschluss erwerben.

Für die Prüfungsjahre 2022 bis 2024 weist eine Destatis-Tabelle mit Stand 5. Februar 2026, teilweise gerundet, beim Bachelor 7,9 Semester Fachstudiendauer und 8,4 Semester Gesamtstudiendauer aus. Beim konsekutiven Master sind es etwa 4,5 Semester Fachstudiendauer und 12,5 Semester Gesamtstudiendauer einschließlich Bachelor. Lehramt und Staatsexamen liegen bei 9,3 beziehungsweise 10,1 Semestern. Diplom und Magister kommen auf 11 bis 13 Semester Fachstudiendauer beziehungsweise 13,2 Semester Gesamtstudiendauer.

Für eine Promotion gibt es keine Regelstudienzeit. Die reine Promotionsphase dauert in der Praxis häufig vier bis fünf Jahre; die mediane Gesamtstudiendauer einschließlich vorheriger Abschlüsse beträgt laut Destatis 18,5 Semester. Das ist eine andere Zeitrechnung als beim Bachelor – und oft eine ziemlich zähe.

Fach, Geschlecht und ein paar Stolpersteine

Nach Fächergruppen schlossen vom Einschreibejahrgang 2019 innerhalb von acht Semestern 39 Prozent der Studierenden in Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften den Bachelor ab. In den Ingenieurwissenschaften waren es etwa 24 Prozent, in Naturwissenschaften und Mathematik etwa 27 Prozent, in den Geisteswissenschaften 22 Prozent. Der Gesamtwert lag bei 30 Prozent. Die Angaben messen nur Abschlüsse innerhalb des Beobachtungszeitraums.

Medizin und Pharmazie haben gesetzliche Regelstudienzeiten von zwölf beziehungsweise acht Semestern. Auch dort lässt sich aus der Zahl allein aber nicht ablesen, wie viele Menschen später noch einen Abschluss erwerben oder welche Umstände den Weg verlängern.

Beim Geschlechtervergleich schlossen 36 Prozent der Frauen und 25 Prozent der Männer den Bachelor innerhalb von acht Semestern ab – eine Differenz von elf Prozentpunkten. Beim Master lagen die Werte bei 54 Prozent für Frauen und 49 Prozent für Männer, also fünf Prozentpunkte auseinander. In den Geisteswissenschaften betrug die Abschlussquote 27 Prozent bei Frauen und zwölf Prozent bei Männern; in den Ingenieurwissenschaften 26 Prozent bei Frauen und 22 Prozent bei Männern.

Warum sich das Studium zieht, hat oft wenig mit fehlender Disziplin zu tun. Erwerbstätigkeit neben dem Studium reduziert die verfügbare Studienzeit. Prüfungswiederholungen, besonders in MINT- und Ingenieurfächern, können ein bis zwei zusätzliche Semester kosten. Bei Fach- und Hochschulwechseln werden frühere Leistungen nicht immer vollständig anerkannt. Dazu kommen unterschiedliche Prüfungsordnungen, Anmeldefristen, Wiederholungsregeln und Leistungspunktvorgaben – je nach Bundesland, Hochschule und Studiengang.

Gesundheitliche oder psychische Belastungen können zu Unterbrechungen führen. Die Abschlussarbeit wiederum wächst manchmal durch Verlängerungsanträge, Überarbeitungen oder organisatorische Verzögerungen über den geplanten Zeitrahmen hinaus. Fachhochschulen weisen laut dem zugrunde liegenden Artikel im Durchschnitt kürzere Studiendauern als Universitäten auf, unter anderem wegen stärker strukturierter Studiengänge. Das DZHW-BiK-Projekt untersuchte dafür institutionelle Faktoren und kombinierte quantitative Verlaufsdaten mit qualitativen Befragungen.

Was im Bewerbungsgespräch zählt

Eine lange Studiendauer bleibt im Lebenslauf sichtbar, besonders wenn sie deutlich von der Regelstudienzeit abweicht. Die Personalerin und der Coach, die im Ausgangsartikel zu Wort kommen, raten deshalb, sich auf Nachfragen vorzubereiten und den Verlauf nicht beschönigend zu erklären. Fachwechsel, Nebenjobs, Krankheit, Pflegeverantwortung oder Prüfungsprobleme können sachlich benannt werden. Bei Daniel Meier gehört sogar die eigene Faulheit zur Geschichte – entscheidend ist, was er daraus gemacht hat und welche Fähigkeiten er inzwischen mitbringt.

Für die Gesprächssituation an der Uni Frankfurt heißt das: keine Ausrede aus dem Hut zaubern, aber auch nicht mit gesenktem Kopf in den Termin gehen. Ein langer Weg kann aus vielen einzelnen Semestern bestehen, aus einem Wechsel von Bauingenieurwesen zu Bau- und Immobilienmanagement, aus nicht anerkannten Leistungen, einer wiederholten Prüfung oder einfach aus einer Phase, in der das Studium nicht gut lief. Personalverantwortliche wollen meist verstehen, wie Bewerberinnen und Bewerber Entscheidungen erklären, mit Rückschlägen umgehen und heute arbeiten.

Am 26.09.2026 ist die Datenlage jedenfalls deutlich genug, um die Sechs-Semester-Idee nicht mit der tatsächlichen Hochschulwelt zu verwechseln. Und wer noch mitten im Studium steckt, sollte neben den offenen Prüfungen auch die Maximalstudienzeit und die Prüfungsordnung im Blick behalten. Im Zweifel hilft ein Gespräch bei der Studierendenberatung früher als ein Brief, der irgendwann unangenehm im Postfach liegt.

Quelle 1: <a href="https://www.faz.net/aktuell