Zum Semesterstart an der Goethe-Universität Frankfurt geht es um große Pläne und ziemlich harte Einschnitte zugleich. Präsident Enrico Schleiff spricht über die Exzellenzstrategie, Sparvorgaben, Hochschulpolitik und die Freiheit der Wissenschaft – und klingt dabei mal zuversichtlich, mal sichtbar besorgt.

Die Goethe-Universität wurde gemeinsam mit der TU Darmstadt und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz im Rahmen der Exzellenzstrategie als Rhein-Main-Universitätsallianz (RMU) ausgezeichnet. Ab 2027 wird der Verbund als Exzellenzverbund gefördert. Der erfolgreiche Antrag trägt den Titel „RMU-EXCITE – Excellent. Collaborative. Transformative“ und läuft bis 2033.

Drei Universitäten, eine Region

In Deutschland dürfen zwölf Universitäten und drei Hochschulverbünde den Titel „Exzellenzuni“ führen. Die RMU gehören damit zu den zwölf ausgezeichneten Einzeluniversitäten und drei ausgezeichneten Universitätsverbünden. Die Förderung von Bund sowie Hessen und Rheinland-Pfalz umfasst einen hohen Millionenbetrag und soll Frankfurt-Rhein-Main zu einer international führenden Wissenschaftsregion entwickeln.

Schleiff sieht gerade in der Zusammenarbeit über die Grenzen Hessens und Rheinland-Pfalz’ hinweg großes Potenzial. Die drei Universitäten bündeln ihre Forschungsstärken und hochqualifizierten Wissenschaftler. Die beteiligten Minister und Ministerpräsidenten haben Unterstützung bei der Suche nach gemeinsamen Lösungen zugesagt. Die gesamte Region soll davon profitieren – nicht nur die Hochschulen selbst.

Internationale Gutachten und eine Expertenkommission bestätigten der Rhein-Main-Region, wissenschaftlich zur internationalen Spitzengruppe zu gehören. Die strategischen Ziele des Verbunds reichen vom Ausbau synergetischer Disziplinen über die Förderung einer neuen Generation von Forschenden, Studierenden und Fachkräften bis zur gemeinsamen Gestaltung nachhaltiger Transformation.

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Geplant sind gemeinsame Forschungsfelder, neue wissenschaftliche Verbindungen und strategische Berufungen. Hinzu kommen gemeinsame Infrastrukturen für Spitzenforschung, innovative Studienangebote und zusätzliche Angebote für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in frühen Karrierephasen. Auch Personen mit Führungsverantwortung innerhalb und außerhalb der RMU sollen unterstützt werden.

Die zusätzliche Förderung soll vor allem drei Aufgaben voranbringen: gemeinsame Forschungsinitiativen und eine bessere Abstimmung der Forschungsschwerpunkte, gemeinsame Berufungen und die abgestimmte Ausgestaltung von Professuren sowie die Förderung von Studierenden, Nachwuchswissenschaftlern und Personen in Führungspositionen in Forschung und Verwaltung.

Vorgesehen sind außerdem neue Unterstützungsangebote für Studierende und das RMU-Studium, Förderformate für Wissenschaftler in frühen Karrierephasen und die Finanzierung eigener Forschungsgruppen. Letztere sollen die wissenschaftliche Eigenständigkeit stärken. Der Verbund will sich zudem als international führendes Zentrum für Spitzenforschung entwickeln, das Antworten auf komplexe wissenschaftliche und gesellschaftliche Herausforderungen findet.

Die Präsidenten der drei Universitäten werteten die Förderentscheidung als Anerkennung der langjährigen Zusammenarbeit und als Grundlage für eine weitere Vertiefung in Forschung, Studium, Lehre und Austausch. Die Forschungskultur soll Wissenschaft und Gesellschaft durch Dialog, Teilhabe und gemeinsame Wissensgestaltung verbinden. Dafür will die RMU die Zusammenarbeit mit Wirtschaft, Kultur, Gesellschaft und Politik ausbauen und Räume schaffen, in denen die Expertise aller drei Universitäten genutzt werden kann.

Exzellenz mit Verfahren und Prüfstein

Hessen und Rheinland-Pfalz unterstützten den länderübergreifenden Antrag durch eine Verwaltungsvereinbarung und gleichlautende Beschlüsse ihrer Landtage. Hessens Wissenschaftsminister Timon Gremmels bezeichnete die Auszeichnung als ersten Exzellenztitel für Universitäten in Hessen und als ersten länderübergreifenden Verbund in der Exzellenzstrategie. Nach Angaben des Ministeriums sollen Fördermittel und Renommee der Exzellenzstrategie die Region zu einem internationalen Standort für Forschung und Innovation entwickeln.

Der rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister Clemens Hoch erklärte, die Förderung bestätige die Bedeutung partnerschaftlicher Zusammenarbeit zwischen Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Ländern. Sieben Jahre Planungssicherheit – von 2027 bis 2033 – sollen dem Verbund zugutekommen, ebenso Wissenschaft, Nachwuchs, Gesellschaft und Wirtschaft.

Entschieden wurde auf Grundlage schriftlicher Anträge, die im November 2025 eingereicht wurden und die Gesamtstrategien darstellten. Von April bis Juni 2026 besuchten internationale Gutachtergremien die Standorte. Die Exzellenzkommission wählte neben den RMU drei Einzeluniversitäten und einen weiteren Verbund neu zur Förderung aus. Neun bereits 2019 ausgewählte Einzeluniversitäten und ein Verbund werden weitergeführt; sie waren im März 2026 positiv evaluiert worden.

Die Exzellenzstrategie wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem Wissenschaftsrat in zwei Förderlinien umgesetzt: Exzellenzcluster für international wettbewerbsfähige Forschungsfelder und Exzellenzuniversitäten zur langfristigen Stärkung einzelner Universitäten oder Verbünde. Für die Auszeichnung müssen Einzeluniversitäten mindestens zwei, Universitätsverbünde mindestens drei Exzellenzcluster vorweisen.

Über Antragsskizzen und Anträge entscheiden das Committee of Experts und die Exzellenzkommission. Zum Committee of Experts gehören 39 ausgewiesene Forschende aus verschiedenen Wissenschaftsgebieten und dem gesamten Disziplinenspektrum. Sie bringen außerdem langjährige Erfahrungen etwa im Ausland, im Hochschulmanagement, in der Lehre und in der Wirtschaft mit.

Der oder die Vorsitzende des Wissenschaftsrats sowie der Präsident oder die Präsidentin der DFG gehören dem Committee of Experts ohne Stimmrecht an und führen gemeinsam den Vorsitz. Das Gremium legt Förderbedingungen fest, bewertet Skizzen und Anträge auf Grundlage fachwissenschaftlicher Begutachtungen, gibt Förderempfehlungen an die Exzellenzkommission und entscheidet, welche Skizzen zur Antragstellung berechtigen. Außerdem bewertet es die Ergebnisse der Evaluation von Exzellenzuniversitäten.

Die Exzellenzkommission besteht aus dem Committee of Experts sowie den für Wissenschaft zuständigen Ministerinnen und Ministern des Bundes und der Länder. Sie entscheidet auf Grundlage der Empfehlungen über die Förderung von Exzellenzclustern und Exzellenzuniversitäten. Neben Geld bringt die Auszeichnung nationale und internationale Sichtbarkeit. Exzellenzcluster ermöglichen langfristige fachübergreifende Forschung, die gemeinsame Weiterentwicklung von Forschung und Infrastruktur mit außeruniversitären Partnern und eine höhere Attraktivität als Forschungs- und Studienstandort.

Sparen, umbauen, weitermachen

Parallel zum Aufbruch müssen die Hochschulen wegen des Hochschulpakts sparen. Schleiff sieht den Veränderungsdruck allerdings nicht ausschließlich in den Sparvorgaben. Demografischer Wandel und Fachkräftemangel gehören ebenso zu den Herausforderungen wie der internationale Wettbewerb, Veränderungen der geopolitischen Lage, Digitalisierung und künstliche Intelligenz. Dazu kommen Anforderungen an Nachhaltigkeit und Klimaanpassung.

Die Universität will ihre organisatorischen Strukturen an diese Entwicklungen und an ihre strategischen Ziele anpassen. Gemeinsam mit Senat, Hochschulrat und Universität wurden Ziele für hohe Qualität in Lehre und Forschung sowie für gesellschaftliches Engagement festgelegt. Weil die finanziellen Mittel deutlich geringer ausfallen, seien tiefgreifende Veränderungen erforderlich.

Eine starke Wissenschaft ist aus Schleiffs Sicht wichtig für die Wirtschaft: Sie bringt innovative Ideen hervor und bildet qualifizierte Fachkräfte aus. Gleichzeitig hält er die Unzufriedenheit über die Sparvorgaben für nachvollziehbar. Eine kontroverse Diskussion an Universitäten sei notwendig. Während der Verhandlungen über den Hochschulpakt in Wiesbaden hätte er sich sogar mehr Protest gewünscht.

Eine Kündigung des Hochschulpakts hält Schleiff für unrealistisch. Der Pakt enthält jedoch eine Nachverhandlungsklausel, falls die Steuereinnahmen wieder steigen. Das ist ein kleiner Hebel in einer ziemlich großen Klammer.

Bei seiner Wiederwahl für eine zweite Amtszeit erhielt Schleiff im zweiten Wahlgang 18 Stimmen, sein Gegenkandidat Roger Erb 16. Bei seiner ersten Wahl 2020 war erst der dritte Wahlgang entscheidend. Schleiff bezeichnete die Wiederwahl als große Ehre und bewertete die Wahl als demokratisch, weil der Senat zwischen zwei Kandidaten wählen konnte.

Die Auseinandersetzung mit Roger Erb habe sich ausschließlich auf Inhalte und nicht auf persönliche Konflikte bezogen. Die Kritik des Asta an einem autoritären Führungsstil weist Schleiff zurück, erklärt aber, Kritik ernst zu nehmen.

Die Aufgaben im Präsidium seien verteilt. Der Vizepräsident für Transfer betreut unter anderem Projekte wie die Start-up-Factory Futury. Die Vizepräsidentin für Studium und Lehre steht regelmäßig im Austausch mit Studierenden, Fachschaftenkonferenz und Asta.

Ein Teil der Studierenden fordert eine stärkere Beteiligung an Hochschulgremien. Deren Zusammensetzung sei jedoch gesetzlich geregelt, sagt Schleiff. Er kritisiert die Auffassung, demokratische Rechte seien verletzt, wenn eine Forderung nicht vollständig umgesetzt werde.

Das Studierendenhaus bleibt versprochen</h