An der Goethe-Universität Frankfurt spitzt sich der Streit um die Zukunft studentischer Hilfskraftstellen zu. AStA und die Hochschulgewerkschaft Unterbau kritisieren einen geplanten Abbau in Bibliotheken, Verwaltung und Hochschulrechenzentrum. Nach ihrer Darstellung könnten dort etwa 300 Arbeitsplätze wegfallen.

Für Dezember 2026 ist ein „Stellenumbau“ vorgesehen. Ab Januar 2027 sollen in der Verwaltung keine neuen Verträge für studentische Hilfskräfte mehr vergeben werden. Der AStA führt das Vorhaben auf Kürzungen im Zusammenhang mit dem neuen Hochschulpakt mit dem Land Hessen zurück. Personalvertreter befürchten, dass damit eine größere Entlassungswelle beginnen könnte. Auch Stellen in Fachbereichen und weiteren Einrichtungen seien bedroht.

Streit um Urteil und neue Verträge

Die Universität begründet die Maßnahmen mit der Umsetzung eines Urteils des Bundesarbeitsgerichts aus dem Jahr 2021. Demnach gilt eine Tätigkeit nur dann als wissenschaftliche Hilfstätigkeit, wenn sie Forschung oder Lehre unmittelbar unterstützt. Nach Angaben der Goethe-Universität trifft das bei vielen Aufgaben in Verwaltung, Bibliotheken und Rechenzentren nicht zu; betroffen seien rund 320 Stellen.

Die meisten dieser Arbeitsplätze sollen nach dem Willen der Universität in tariflich vergütete Stellen umgewandelt werden. In der Verwaltung wären Tätigkeiten künftig regulären Stellen der Entgeltgruppen E2 oder E3 zugeordnet. Bewerben könnte sich dann jede Person, die die Anforderungen erfüllt – die Stellen wären also nicht mehr ausschließlich Studierenden vorbehalten.

Genau darin sehen AStA, Unterbau und der Hilfskräfterat aber keinen Selbstläufer. Die Umwandlung dürfe nicht als Vorwand für den Abbau von Arbeitsplätzen dienen, fordert der Hilfskräfterat. Unterbau warnt, dass bis zu zwei Drittel der Stellen wegfallen oder durch Leiharbeit ersetzt werden könnten. Die Gewerkschaft verlangt deshalb keine Stellenkürzungen, eine faire Eingruppierung in E4, klare Rechte und transparente Arbeitsbedingungen. Auch Arbeitsverdichtung und Lohndruck müssten verhindert werden.

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Protest ist angekündigt

„Beschäftigte dürfen nicht für die Kürzungspolitik der Landesregierung und des Universitätspräsidiums bezahlen“, erklärte die Gewerkschaft. Der AStA kündigte eine Protestwelle unter Einsatz aller verfügbaren Aktionsmittel an. Eine Hilfskräfte-Vollversammlung findet am 27. Oktober 2026 statt – also am Vortag dieses Berichts. Außerdem ruft Unterbau studentische Hilfskräfte zu einer Umfrage über fehlende Arbeitsmittel am Arbeitsplatz auf.

Unterbau bezeichnet sich als Hochschulgewerkschaft für die Goethe-Universität Frankfurt. Gegründet wurde die Organisation 2016. Sie verbindet Gewerkschaftsarbeit und Hochschulpolitik, ist für einzelne Hochschulangehörige ebenso offen wie für Gruppen, Initiativen und Projekte und strebt eine umfassende Veränderung der Hochschule an. Zu den programmatischen Zielen gehören bessere Arbeitsverhältnisse, erweiterte Mitspracherechte, eine Körperschaft gleichberechtigter Hochschulangehöriger, die Überwindung des bisherigen Ständesystems und rätedemokratische Strukturen.

In diesem Jahr unterstützte Unterbau bereits zwei hessenweite Warnstreiks von GEW und ver.di: Am 18. März 2026 ging es um bessere Arbeits- und Studienbedingungen, am 24. März 2026 wurden alle Beschäftigten an Hochschulen einschließlich der studentischen Hilfskräfte zum Arbeitskampf aufgerufen.

Land hatte bessere Bedingungen versprochen

Der Konflikt fällt in eine Zeit, in der Hessen offiziell bessere Bedingungen für studentische Hilfskräfte angekündigt hat. Am 15. März 2024 einigten sich das Land und die Gewerkschaften im Rahmen der Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst des Landes auf einen Mindeststundenlohn von 13,46 Euro. Dieser Mindestlohn soll künftig entsprechend den Tarifsteigerungen steigen.

Vorgesehen wurden außerdem eine Mindestbeschäftigungsdauer von einem Jahr und ein regelmäßiges Beschäftigungsvolumen von zehn Wochenstunden. Wissenschaftsminister Timon Gremmels erklärte, die Entlohnung der studentischen Hilfskräfte erreiche damit bundesweit ein Spitzenniveau. Nach Angaben des Ministers gab es zudem Fortschritte bei der Entfristung von Stellen für wissenschaftliche Mitarbeitende.

Auch der Ausbau unbefristeter Beschäftigung soll weitergehen. Was mit dem vergangenen Hochschulpakt begonnen wurde, soll in der nächsten Hochschulpaktperiode fortgesetzt werden. Hessen will mindestens 1.850 unbefristete Stellen in Vollzeitäquivalenten als eigene Position in die Verhandlungen über die nächste Hochschulpakt-Generation und die Zielvereinbarungen einbringen.

Bei der Umsetzung will das Land die Autonomie der Hochschulen berücksichtigen und ihnen Gestaltungsspielräume lassen. Unterstützung bei der Umsetzung der Beschlüsse wurde den Hochschulen ebenfalls zugesagt. In Frankfurt geht es nun allerdings erst einmal um die Frage, was aus den Arbeitsplätzen wird, die bislang ganz selbstverständlich zum Universitätsalltag gehören – zwischen Bibliotheksauskunft, Verwaltungsflur und dem Surren der Rechner im HRZ.