Suizidprävention an der Uni Frankfurt: Krisen erkennen, offen sprechen, Hilfe finden
Heute, am 31.10.2026, ist Suizidprävention an der Uni Frankfurt kein Thema für leise Nebensätze. Offener, sachlicher Austausch kann helfen, Krisen früher zu erkennen und Betroffene nicht allein zu lassen. Laut dem zugrunde liegenden Artikel hat etwa jeder zehnte Mensch in Deutschland im Laufe seines Lebens Suizidgedanken. Durchschnittlich versucht sich in Deutschland alle fünf Minuten jemand das Leben zu nehmen. Es gibt mehr Suizidversuche als Todesfälle durch Verkehrsunfälle, AIDS, illegale Drogen und Gewalttaten zusammen.
Suizid wird zudem als häufigste Todesursache bei jungen Menschen bezeichnet. Und eine Zahl, die oft untergeht: Von einem Suizid sind im Durchschnitt mindestens sechs nahestehende Menschen betroffen. Für Angehörige bleibt häufig die quälende Frage, ob sie Warnzeichen hätten bemerken müssen. Doch ein Suizid lässt sich im Einzelfall nicht zuverlässig vorhersagen – auch Fachleuten fällt das schwer.
Wie sich eine Krise entwickeln kann
Der Psychiater Walter Pöldinger unterscheidet drei mögliche Phasen: die Erwägungsphase, die Ambivalenzphase und die Entschlussphase. Das Modell gilt nicht für alle Menschen gleichermaßen. Es kann aber dabei helfen, Entwicklungen zu verstehen und Ansätze für Prävention zu erkennen.
In der Erwägungsphase tauchen Suizidgedanken meist erstmals auf, zunächst oft unkonkret. Auslöser oder Verstärker können psychische Erkrankungen, belastende Lebensereignisse, Einsamkeit, Konflikte, finanzielle Schwierigkeiten, Diskriminierung oder schwierige familiäre Situationen sein. Manchmal kommen mehrere Belastungen gleichzeitig zusammen – dann wird der innere Druck schnell zu viel.
Suizidgedanken bedeuten nicht zwingend den Wunsch zu sterben. Häufig geht es darum, unerträglich empfundenes Leiden zu beenden. Suizid kann dann wie der einzige Ausweg aus einer unveränderbar erscheinenden Situation wirken. Nicht jede Erwägungsphase schreitet weiter fort; Gedanken können wieder verschwinden. Bleibt die Belastung bestehen, kann sich jedoch eine Ambivalenzphase anschließen.
In dieser Phase erleben Betroffene oft ein heftiges inneres Hin und Her: Sie wollen das Leiden beenden, haben aber zugleich Gründe, weiterleben zu wollen. Von außen ist das nicht immer zu sehen. Menschen können weiterarbeiten, ihren Alltag bewältigen, lachen und Zeit mit anderen verbringen, obwohl es ihnen innerlich sehr schlecht geht. Das macht die Sache für Freundinnen, Freunde und Familie so schwer einzuschätzen.
Medien zwischen Risiko und Hilfe
Langjährige Suizidforschung zeigt, dass Medienberichte das Erleben und Verhalten von Menschen beeinflussen können – negativ und positiv. Menschen in Krisensituationen reagieren besonders sensibel auf Darstellungen von Suizid.
Der sogenannte Werther-Effekt beschreibt mögliche Nachahmungseffekte. Der Begriff geht auf Goethes Roman „Die Leiden des jungen Werther“ zurück, dessen Hauptfigur Suizid begeht. Studien deuten darauf hin, dass nach der Berichterstattung über prominente oder öffentlichkeitswirksame Suizide die Suizidzahlen in der Gesamtbevölkerung steigen können (Niederkrothenthaler et al., 2020). Dieser Anstieg wird als Hinweis auf mögliche Nachahmungshandlungen interpretiert.
Problematisch sind insbesondere sehr ausführliche und wiederholte Berichte, die Romantisierung einer Person oder des Suizids sowie die Darstellung der verwendeten Methode. Auch Darstellungen von Suizid als vermeintliche Lösung können bei besonders verletzlichen Menschen Nachahmungstendenzen auslösen. Der Deutsche Presserat fordert deshalb in Richtlinie 8.7 des Pressekodex Zurückhaltung, vor allem bei der Nennung von Namen, der Veröffentlichung von Fotos und der Schilderung näherer Begleitumstände.
Anders herum kann Berichterstattung auch schützen. Der Papageno-Effekt bezeichnet eine mögliche suizidpräventive Wirkung, wenn Wege aus Krisen, Bewältigungsmöglichkeiten und Hilfsangebote aufgezeigt werden. Benannt ist er nach Papageno aus Mozarts „Zauberflöte“, der in einer Lebenskrise Hilfe erhält und neue Hoffnung gewinnt.
Gemeint sind etwa Berichte über Menschen, die trotz schwerer Krisen Unterstützung annehmen oder neue Bewältigungsstrategien entwickeln. Studien zeigen, dass Berichte über erfolgreiche Wege aus Krisen – etwa durch Beratung, Therapie oder andere Hilfsangebote – mit einer Verringerung von Suizidgedanken verbunden sein können (Till & Niederkrothenthaler, 2019). Solche Geschichten können dazu beitragen, dass Menschen Hilfe suchen, Hoffnung entwickeln und sich mit ihrer Not weniger allein fühlen.
Wenn der innere Tunnel enger wird
Bei weiterer Zuspitzung kann die Entschlussphase folgen. Das innere Hin und Her weicht dann einer starken Einengung. Betroffene empfinden ihr Leiden als nicht mehr auszuhalten und sehen immer weniger Gründe oder Möglichkeiten weiterzuleben. Menschen in einer suizidalen Krise können sich in einer Art „Tunnel“ befinden; andere Perspektiven und mögliche Folgen sind kaum zugänglich.
Der Suizid wird in dieser akuten Situation nicht als vollständig freie Entscheidung beschrieben. Die Entschlussphase kann sehr schnell verlaufen. Untersuchungen mit Überlebenden eines Suizidversuchs zeigen, dass zwischen Entschluss und Versuch teilweise nur wenige Minuten bis Stunden lagen. Für die Prävention sind deshalb schnelle Hilfe und die Erschwerung des Zugangs zu unmittelbaren Handlungsmöglichkeiten wichtig.
Prävention beginnt allerdings nicht erst unmittelbar vor einem Versuch, sondern kann bereits bei ersten Suizidgedanken einsetzen. Wer Anzeichen einer Krise bemerkt, kann an einem ruhigen Ort ein Gespräch beginnen, etwa mit dem Satz: „Ich habe etwas bemerkt und mache mir Sorgen um dich.“ Danach: zuhören, nicht bewerten, nicht sofort Lösungen präsentieren und fragen, was die betroffene Person braucht. Konkrete Unterstützung anzubieten, ist hilfreicher als ein gut gemeintes „Denk doch positiv“.
Die direkte Frage nach Suizidgedanken löst laut Artikel keinen Suizid aus. Ein offenes Gespräch kann vielmehr dazu beitragen, dass Betroffene ihre Gedanken ansprechen und Unterstützung erhalten. Nicht jeder Suizid kann verhindert werden. Angehörige sollten sich deshalb nicht automatisch Vorwürfe machen, wenn sie keine Warnzeichen erkannt haben.
Hilfe in Frankfurt und anderswo
Wer akut gefährdet ist, sollte sofort Hilfe holen. Für regionale Anlaufstellen gibt es die Gesundheitsämter: https://tools.rki.de/PLZTool/.
- Telefonseelsorge, anonym und rund um die Uhr: 0800/111 0 111, 0800/111 0 222 oder 116 123; https://www.telefonseelsorge.de/
- Krisenchat für unter 25-Jährige: https://www.krisenchat.de/
- U25-Helpmail und Austausch mit Gleichaltrigen: https://www.u25-deutschland.de/
- Neuhland bietet schnelle, kostenlose und anonyme Hilfe: https://beratungsstelle.neuhland.net/info.html
- Hilfsangebote-Finder von „Freunde fürs Leben“: https://www.frnd.de/hilfe/hilfsangebote-finder/
- Unterstützung für Angehörige durch AGUS: https://www.agus-selbsthilfe.de/
- Briefe zwischen Menschen bei Mutpost: https://mutpost.de/
Auch die Politik trägt Verantwortung für Suizidprävention. Experten fordern gut erreichbare Krisenangebote, ausreichend Therapieplätze und politische Maßnahmen, die Prävention langfristig und gesetzlich verankert stärken. Der beim Bundesministerium für Gesundheit verlinkte Abschlussbericht zur „Suizidprävention in Deutschland“ war in der vorliegenden Quelle allerdings nicht lesbar beziehungsweise offenbar beschädigt oder verschlüsselt; eine sachliche Zusammenfassung dieses Dokuments ist daher nicht möglich.
