Ein heruntergefallenes Blatt kann der Anfang einer kleinen Forschungsreise sein. Rund 80 Sechstklässlerinnen und Sechstklässler der Friedrich-Wilhelm-Schule in Eschwege sammelten im Schlosspark Blätter, nummerierten im Klassenraum Petri-Schalen und legten ihre Proben darin an. Ziel: Bakterienkulturen gewinnen.

Geleitet wurde die Mitmachvorlesung von Prof. Dr. Helge Bode vom Max-Planck-Institut in Marburg und der Biochemikerin Sonja Pos. In der Aula herrschte laut dem Bericht große Aufmerksamkeit. Bode beantwortete die Fragen der zehn- und elfjährigen Kinder und erklärte, dass dieses Alter besonders geeignet sei, um junge Menschen an Wissenschaft heranzuführen.

Vom Sandkorn bis zur Antarktis

Bakterien, so erfuhren die Schülerinnen und Schüler, sind älter als Einzeller, Algen und Pilze. Sie kommen beinahe überall vor: in Lava ebenso wie unter dem Eis der Antarktis. Auf dem Mond wurden bislang keine Bakterien gefunden.

Ihre Größe liegt bei etwa zwei Mikrometern. Bodes Vergleich blieb vermutlich besser im Kopf als manche Fachdefinition: Wäre er 200 Meter groß, hätte ein Bakterium ungefähr die Größe eines Sandkorns. Zur Anschauung zeigte er Agarplatten mit Bakterienkulturen, modellhafte Luftballons und Filme.

Auch im Alltag tauchen die winzigen Lebewesen auf – in Lebensmitteln, in Waschpulver und sogar in „Ahler Wurscht“. Im menschlichen Darm befinden sich den Angaben zufolge rund zwei Kilogramm Bakterien. Das klingt erst einmal nach einer ziemlich großen WG im Bauch.

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Proben für das Labor in Marburg

Die gesammelten Blattproben wurden nach Marburg gebracht. Dort sollen sich die Bakterien weiterentwickeln. Über die Nummern auf den Proben können mögliche Funde den jeweiligen Schülerinnen und Schülern zugeordnet werden.

Bode und seine Frau besuchten außerdem am Folgetag die Friedrich-Wilhelm-Schule und das Oberstufengymnasium. Am Abend hielt Bode in seinem Heimatort Langenhain einen Vortrag. Er ist dort aufgewachsen, besuchte die Leuchtbergschule und legte am Oberstufengymnasium sein Abitur ab. Danach studierte und promovierte er in Chemie in Göttingen.

Seit 2020 ist Bode Direktor am Max-Planck-Institut in Marburg. Zusätzlich ist er Professor an der Philipps-Universität Marburg und der Goethe-Universität Frankfurt. Den Leitspruch der Max-Planck-Gesellschaft – „Dem Anwenden muss das Erkennen vorausgehen.“ – erläuterte er ebenfalls. Das Marburger Institut arbeitet international, Englisch ist dort die Arbeitssprache.

Die Kinder-Uni in Marburg

Wie so ein Forschungstag organisiert werden kann, zeigt das Max-Planck Kinder-Uni Special Event des Max-Planck-Instituts für terrestrische Mikrobiologie (MPI-TM) am 19. Juni 2026. Prof. Dr. Helge Bode spricht dabei im Großen Hörsaal, in Seminarräumen und im Foyer des MPI für terrestrische Mikrobiologie. Teile des Programms finden außerdem im Botanischen Garten der Philipps-Universität Marburg statt. Kooperationspartner ist der Botanische Garten der Philipps-Universität Marburg.

In Hessen nehmen 240 Schülerinnen und Schüler der 5. und 6. Klassen teil, aufgeteilt in zwei Schichten. Auf dem Programm stehen ein interaktiver Vortrag über die Größe und Verbreitung von Mikroben sowie ihre Bedeutung, das gemeinsame Sammeln von Proben im Botanischen Garten und das Isolieren von Bakterien im Foyer des MPI-TM.

Gesucht werden vor allem besondere, darunter farbige Bakterienkulturen. Der Grund ist ziemlich handfest: Bakterien können Naturstoffe produzieren, die als Antibiotika oder andere Wirkstoffe für Menschen nützlich sein können. Eine Woche nach der Veranstaltung erfahren die Schülerinnen und Schüler in ihrer Schule, welche Ergebnisse ihre Forschungsarbeit gebracht hat.

Offen für Schulen

Die Max-Planck Kinder-Uni des MPI-TM richtet sich an Schülerinnen und Schüler der 5. und 6. Klassen und steht allen Schulen offen. Die Durchgänge beginnen um 9:00 Uhr oder 10:30 Uhr, dauern rund 2,5 Stunden und können beispielsweise alle Klassen eines Jahrgangs umfassen – etwa 90 bis maximal 116 Kinder pro Durchgang. In der Regel begleiten zwei Lehrkräfte die Klassen.

Zum Programm gehören ein interaktiver Vortrag zur Bedeutung der Mikrobiologie, Erklärungen dazu, wie klein Mikroben sind, wo sie vorkommen und warum sie wichtig sind, sowie das Sammeln und Isolieren von Proben. Eine Woche später werden die Forschungsergebnisse in der Schule vorgestellt. Kontakt: presse@mpi-marburg.mpg.de.

Auf der Informationsseite wird außerdem über eine Kinder-Uni am 27. Juni 2024 berichtet. Die Veranstaltungen verfolgen denselben Grundgedanken wie der Besuch in Eschwege: Kinder sollen früh mit Wissenschaft in Berührung kommen – nicht nur über Bilder und Begriffe, sondern mit Blättern in der Hand, nummerierten Schalen vor sich und der Aussicht, dass aus einer unscheinbaren Probe tatsächlich etwas wächst.