Younes Ebnoutalib: Vom Frankfurter Käfig ins deutsche Nationaltrikot
Ein Frankfurter Bub in der Nationalelf: Younes Ebnoutalib hat am 24. September 2026 in der Johan-Cruijff-Arena von Amsterdam sein Debüt für Deutschland gefeiert. Beim 1:1 gegen die Niederlande saß der 23-jährige Stürmer von Eintracht Frankfurt zunächst auf der Bank. In der 30. Minute kam er für den verletzungsbedingt ausgewechselten Kai Havertz ins Spiel.
Viel Zeit zum Ankommen blieb ihm nicht. Schon eine Minute später zog Ebnoutalib gefährlich ab, doch der niederländische Torhüter Bart Verbruggen parierte. Kurz darauf erzielte Felix Nmecha das deutsche 1:0. Ein Tor gelang dem Frankfurter selbst nicht, dafür arbeitete er gegen den Ball mit, fand rasch in die Partie und suchte immer wieder den Weg nach vorne.
Vom Nordweststadt-Käfig auf die große Bühne
Younes Ebnoutalib wurde am 13. September 2003 in Frankfurt am Main geboren. Der 1,91 Meter große deutsche Fußballspieler kann im Mittelfeld sowie als Außen- und Mittelstürmer eingesetzt werden. Seit 2026 steht er bei Bundesligist Eintracht Frankfurt unter Vertrag.
Sein Vater Faissal Ebnoutalib zog 1990 aus Marokko nach Frankfurt am Main und nahm 1996 die deutsche Staatsangehörigkeit an. Bei den Olympischen Sommerspielen 2000 gewann er für Deutschland im Taekwondo im Mittelgewicht die Silbermedaille. Younes wuchs mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Ilias, der ebenfalls Fußballspieler ist, in Frankfurts Nordweststadt auf.
Die ersten Stationen hießen FC Kalbach und SV 07 Heddernheim. 2018/19 spielte Ebnoutalib bei Rot-Weiss Frankfurt in der B-Junioren-Hessenliga, anschließend 2019/20 für den SV Wehen Wiesbaden in der B-Junioren-Bundesliga. Dort kam er auf elf Spiele und drei Tore. Danach kehrte er zu Rot-Weiss Frankfurt zurück und lief zwei Jahre in der A-Junioren-Hessenliga auf. Ende der Saison 2021/22 debütierte er für die erste Mannschaft in der Verbandsliga Hessen-Süd.
Im Oktober 2022 ging es nach Italien zum AC Perugia. Für Perugias U19 in der Primavera 2 absolvierte er 23 Spiele und erzielte vier Tore. Außerdem stand er bei einem Serie-B-Spiel der ersten Mannschaft im Kader. Nach dem Abstieg Perugias in die Serie C kam er am 1. September 2023 beim 0:0 gegen Lucchese Calcio zu seinem einzigen Ligaspiel für die erste Mannschaft. Dazu kamen zwei Partien im italienischen Pokal der Serie C.
Ein Mittelfußbruch bremste ihn aus. Sein Vertrag wurde im Dezember 2023 aufgelöst, nach der Rückkehr nach Deutschland blieb Ebnoutalib bis zur Rückrunde 2023/24 vereinslos. Beim Regionalligisten FC Gießen unterschrieb er anschließend, wurde Stammspieler und erzielte in 19 Spielen sechs Tore sowie zwei Vorlagen.
Der schnelle Aufstieg über Elversberg
Im Wintertransferfenster 2024/25 wechselte Ebnoutalib für rund 50.000 Euro zum Zweitligisten SV Elversberg. Sein Vertrag lief bis Sommer 2028. Am 31. Januar 2025 debütierte er beim 2:2 gegen den Karlsruher SC im Profifußball. In der Rückrunde folgten vier Zweitligaeinsätze ohne Tor, für Elversberg II außerdem zwei Spiele in der Saarlandliga, ebenfalls ohne Treffer.
Elversberg qualifizierte sich als Tabellendritter für die Relegation zur Bundesliga gegen den 1. FC Heidenheim. Das Hinspiel in Heidenheim endete 2:2, das Rückspiel in Elversberg ging 1:2 verloren. Ebnoutalib wurde in beiden Partien kurz vor Schluss eingewechselt.
Zu Beginn der Saison 2025/26 etablierte er sich in der Startelf. Ab dem 4. Spieltag traf er in drei aufeinanderfolgenden Spielen jeweils doppelt. Am 19. Oktober 2025 erzielte er beim 6:0 gegen Greuther Fürth seinen ersten Profihattrick. Nach der Hinrunde führte er mit zwölf Toren in 17 Spielen vor Isac Lidberg die Torschützenliste der 2. Bundesliga an.
Zum 1. Januar 2026 wechselte der Frankfurter für eine kolportierte Ablösesumme von acht Millionen Euro zu Eintracht Frankfurt. Der Vertrag läuft bis zum 30. Juni 2031. In seinem ersten Bundesligaspiel traf er beim 3:3 gegen Borussia Dortmund direkt zu seinem ersten Bundesligator. Im folgenden Spiel gegen den VfB Stuttgart erlitt er eine Knieverletzung und fiel zwei Monate aus. Am 5. April 2026 kehrte er beim 2:2 gegen den 1. FC Köln zurück.
Am ersten Spieltag der Saison 2026/27 erzielte Ebnoutalib beim 3:3 gegen den 1. FC Union Berlin alle drei Frankfurter Tore. Nun also Amsterdam, Nationaltrikot, Nations League. Und dieser Schuss gleich nach der Einwechslung – der Ball war drin zwar nicht, aber die Ansage war da.
Deutschland statt Marokko
Wegen seiner marokkanischen Wurzeln hätte Ebnoutalib grundsätzlich auch für Marokko spielen können. Am 17. September 2026 nominierte Bundestrainer Jürgen Klopp ihn für die deutsche Nationalmannschaft – für die Nations-League-Spiele gegen die Niederlande in Amsterdam und Griechenland in Augsburg.
Nach Klopps Anruf habe er „ein bisschen die Tränen“ bekommen, sagte Ebnoutalib. Seine Nominierung war erst wenige Tage zuvor erfolgt. Neben ihm bestritten auch Philipp Treu und Yannik Engelhardt ihr erstes Länderspiel. Klopp zeigte sich mit den Debütanten zufrieden, bezeichnete Treus Auftritt als „außergewöhnlich“ und lobte Ebnoutalib als gelungenen Ersatz für Havertz.
Mit seinem Einsatz in der Nations League legte sich der Stürmer sportlich auf Deutschland fest. Ein Verbandswechsel ist nach FIFA-Regeln zwar unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Dazu gehört unter anderem, dass ein Spieler beim letzten Pflichtspieleinsatz für die bisherige Auswahl noch keine 21 Jahre alt war. Ebnoutalib war bei seinem Debüt bereits 23.
Die Entscheidung sorgte in Marokko für Ärger. Nationaltrainer Mohamed Ouahbi sagte, Marokko habe Ebnoutalib bereits seit der vergangenen Saison beobachtet. Er habe mit ihm über das marokkanische Projekt gesprochen, ihm aber nichts versprochen. Sollte der 23-Jährige in der Nations League für Deutschland eingesetzt werden, wäre ein Verbandswechsel nicht mehr möglich.
Eintracht Frankfurt gratulierte auf Instagram. Die Fans feierten ihren Stürmer unter anderem als „einen von uns“ und als „Frankfurter Bub in der Nationalelf“. Ein weiterer Einsatz könnte am Sonntag gegen Griechenland folgen. Havertz wird laut Klopp voraussichtlich ausfallen.
Ein Kader zwischen Herkunft und Zukunft
Klopp hat für die anstehenden Länderspiele einen 44 Spieler umfassenden XXL-Kader nominiert. Darunter sind mehrere Akteure, die wegen ihrer familiären Herkunft auch für andere Nationalmannschaften spielberechtigt wären. Vitaly Janelt könnte für Tschechien spielen, Bambasé Conté hat guineische Wurzeln, Josha Vagnoman einen ivorischen Vater, Finn Dahmen eine englische Mutter, Noah Atubolu nigerianische Wurzeln und Said El Mala einen libanesischen Vater. Brajan Grudas Vater ist Albaner und war früher albanischer Nationalspieler.
Janelt, Conté, Vagnoman, Dahmen, Atubolu, El Mala und Gruda wurden in Deutschland geboren, wuchsen hier auf und spielten in deutschen Nachwuchsauswahlen. Vagnoman hat bereits zwei A-Länderspiele für Deutschland absolviert, allerdings noch kein Pflichtspiel.
Zu den etablierten deutschen Nationalspielern mit familiären Wurzeln in anderen Ländern gehören Felix Nmecha und Jamal Musiala mit Bezügen zu Nigeria beziehungsweise England, Kevin Schade und Karim Adeyemi mit nigerianischen Wurzeln, Jonathan Tah und Serge Gnabry mit familiären Verbindungen zur Côte d’Ivoire, Malick Thiaw zu Senegal und Finnland, Nathaniel Brown zu den USA, Nadiem Amiri zu Afghanistan, Aleksandar Pavlovic zu Serbien, Waldemar Anton zu Russland, Yann Aurel Bisseck zu Kamerun sowie Ridle Baku zur Demokratischen Republik Kongo.
Der DFB konkurriert mit anderen Verbänden um in Deutschland geborene Talente mit familiären Verbindungen ins Ausland. Nach Angaben
