Im Konzerthaus Freiburg ging es am 14. Oktober 2026 um Tempo, Nachfolge, KI – und um die seltene Kunst, einmal nicht sofort zu reagieren. Der 21. Freiburger Mittelstandskongress brachte regionale Wirtschaft, Wissenschaft und Innovationsszene zusammen. Seit 2005 dient die Veranstaltung als Plattform für die regionale Wirtschaft. Das Motto diesmal: „An die Substanz“.

Viel Zeit blieb zwischen den Programmpunkten für Netzwerken und Austausch. Im Foyer wurde geredet, gelacht, weiterdiskutiert; das Team der OrangeBox von BZ.medien war mit einem eigenen Stand vertreten. Vorträge und Gespräche behandelten neben harten Wirtschaftsthemen auch sogenannte Soft Skills. Mit dabei waren unter anderem Kongress-Kurator Florian Städtler und BZ-Moderatorin Dora Schöls.

Konzentration, Auszeit und ein schneller Mittelstand

Den Auftakt machte von 09:15 bis 09:45 Uhr Wolf Lotter, Autor, Wirtschaftsjournalist und Mitgründer von brand eins, mit „Ruhe! Die Wiederentdeckung der Konzentration“. Im Runden Saal sprach er über Konzentration als zentrale Ressource der Wissensgesellschaft und über die Folgen von Hektik, Multitasking, Dauerkommunikation und digitaler Ablenkung für Innovation, Kreativität und unternehmerisches Denken. Sein Konzept der „tätigen Ruhe“ verband historische Beispiele mit Erkenntnissen aus Neurowissenschaft und Arbeitsforschung.

Die ersten Kurzimpulse gingen danach direkt an die Substanz des Unternehmeralltags. Christian Pukelsheim, Unternehmer der Robuso Scherenfabrik aus Solingen, berichtete von einem einjährigen Segelprojekt, während dessen er sein Unternehmen den Mitarbeitenden überließ und mit seiner Familie um die Welt segelte. Unternehmensberater Michael Habighorst begleitete die Vorgänge. Über diese Erfahrung sprach Pukelsheim auch im Gespräch mit Habighorst.

Von 10:05 bis 10:20 Uhr fragte Stefan Wunderer, Government Funding Manager bei Nokia Deutschland, unter dem Titel „Chiptainability: Nachhaltig und souverän Halbleiter entwickeln – kann Europa das?“, wie energie- und ressourceneffiziente Halbleiterentwicklung gelingen kann. Globale Lieferketten, geopolitische Abhängigkeiten und der Beitrag digitaler Technologien zu Energienetzen, Produktion und Mobilität standen dabei im Mittelpunkt.

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Vera Plessing von Allgäu Batterie stellte anschließend „New Pay in der Praxis“ vor. Das Unternehmen entwickelte mit dem Projekt FAIRgütung und einem Mitarbeitendengremium eine transparente Vergütungssystematik. Es ging um Kriterien für Gehaltsunterschiede, nachvollziehbare Prozesse und Entscheidungswege. Der New-Pay-Experte Sven Franke begleitete die Umsetzung; die EU-Entgelttransparenzrichtlinie war dabei ein Motivationsfaktor unter mehreren.

In der Pause von 10:45 bis 11:25 Uhr standen Expo-Besuch, Networking und „Meet the Speaker“ auf dem Plan. Von 10:45 bis 11:15 Uhr konnten die Beiträge in Vertiefungssessions weiterbesprochen werden: „Ruhe!“ mit Wolf Lotter und Florian Städtler im Runden Saal, „Radikal weg“ mit Christian Pukelsheim und Michael Habighorst im Foyer im 1. OG vor dem Eingang zum Rolf-Böhme-Saal, „Chiptainability“ mit Stefan Wunderer und Ilka Döring im Thementisch-Bereich des Foyers sowie „New Pay 2.0“ mit Vera Plessing und Sven Franke in Konferenzraum 9.

Eigentümer, Oberpfalz und ein deutsch-amerikanischer Korridor

Um 11:30 Uhr teilte sich das Programm. Steffen Erath, Beirat bei machn und Head of Innovation bei hansgrohe, sprach im Runden Saal über „Innovation braucht Eigentümer – wie der Mittelstand Zukunft schafft“. Innovationsökosysteme, Eigentümer- und Managementstrukturen, Nachfolge, Start-ups, Technologiepartner und neue Geschäftsmodelle gehörten zu seinen Themen. Im Artikel der Badischen Zeitung erläuterte Erath außerdem die Bedeutung neuer Formen der Unternehmensübergabe und die Rolle von Eigentümern für Innovation.

Parallel dazu stellte Fabian Schünke, Geschäftsführer der Herding Filtertechnik GmbH, die Frage: „China Speed? Dann brauchen wir Oberpfalz Speed!“ Gemeint war die Beschleunigung von Innovation, Entscheidungen und Umsetzung in einem mittelständischen Produktionsunternehmen. Moderiert wurde die Session in Konferenzraum 9 von Svenja Hoffmann, badenIT.

Im Foyer 1. OG lief zeitgleich der „Treffpunkt Tacheles“ zu Wirtschaft und Klimaschutz. Greta Waltenberg von Fridays for Future Freiburg und Klimaschutz im Bundestag sowie Thomas Zimmermann, Gründer von swapwork und Mitglied des BVMW, diskutierten, warum Unternehmen und Klimaschützer so schwer an einem Strang ziehen. Peter Behrendt vom Freiburg Institut moderierte.

Beim International Business Talk von 12:15 bis 12:45 Uhr wurde es transatlantisch: „Brücken statt Barrieren: Die Idee eines neuen deutsch-amerikanischen Innovationsraums“. Dr. Susanne Wilke, CEO von CrossBridge Ventures, Steffen Erath von machn/hansgrohe und Prof. Dr. Tim Krieger von der Universität Freiburg sprachen über einen Innovationskorridor zwischen den USA und der Oberrhein-Region. Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Innovationsförderer, regionale Wirtschaft und US-amerikanische Innovationsökosysteme sollen dabei verbunden werden. Es ging um wirtschaftliche und wissenschaftliche Netzwerke trotz schwieriger politischer Beziehungen, die konkreten Aufgaben eines solchen Korridors und seinen möglichen Nutzen für mittelständische Unternehmen. Dora Schöls von der Badischen Zeitung moderierte.

Die Badische Zeitung veranstaltete dazu einen Live-Podcast über deutsch-amerikanische Innovation mit Tim Krieger, Susanne Wilke, Dora Schöls und Steffen Erath. Nach dem Talk folgte von 12:45 bis 13:15 Uhr eine Vertiefung mit Dr. Susanne Wilke und Ashley Matthäus im Runden Saal, ein Austausch zu „Innovation braucht Eigentümer“ mit Steffen Erath und Leonard Sporleder im Foyer sowie eine weitere Runde zu „China Speed?“ mit Fabian Schünke und Svenja Hoffmann in Konferenzraum 9. Mittagspause, Expo-Besuch und Networking waren von 13:15 bis 14:00 Uhr vorgesehen.

Achtsamkeit, Disruption und die Frage nach dem Unverwechselbaren

Nach der Mittagspause nahm Kathrin Fischer den Achtsamkeitstrend unter die Lupe: „Achtsam geht die Welt zugrunde. Wie die Ideologie der Achtsamkeit gesellschaftlichen Wandel blockiert“. Die Autorin des gleichnamigen Buches kritisierte die Individualisierung gesellschaftlicher Probleme und die Verlagerung struktureller Stressursachen auf Einzelpersonen. Sie plädierte für soziale statt ausschließlich individuelle Resilienz. Eine Studie der Liechtenstein Business School von Juli 2026, die unterschiedliche mentale Ressourcen bei beruflichen Belastungen beschreibt, stellte pauschales Stressmanagement infrage. Florian Städtler moderierte im Runden Saal.

Um 14:45 Uhr folgten erneut Parallelsessions. Dr. Philippe Merz, Geschäftsführer der Thales-Akademie, sprach in „Denken hilft. Wieso erst Bewusstseinsfortschritt und Selbstführung echte Veränderung ermöglichen“ über Werte, Denkmuster und Selbstführung in Wirtschaft, Organisationen und Gesellschaft. Dirk Specht, Aufsichtsrat, Dozent und Unternehmer, widmete sich in Konferenzraum 9 der technologischen Transformation: Digitalisierung, Elektrifizierung, KI, Energiewende, vernetzte Technologien, Prozesse und Produktion sowie internationale Wettbewerbsdynamik.

Im „Treffpunkt Tacheles“ wurde gefragt, ob Achtsamkeit ein unverzichtbares Führungsinstrument oder eine missverstandene Ideologie sei. Katharina Kupferer von SICK AG, Dorothea Müller von Endress + Hauser InfoServ und Vera Plessing von Allgäu Batterie diskutierten, moderiert von Peter Behrendt. Die Session fand im Foyer 1. OG vor dem Eingang zum Rolf-Böhme-Saal statt.

Von 15:15 bis 16:00 Uhr gab es wieder Pause, Expo-Besuch, Networking und „Meet the Speaker“. Die Vertiefung zur Kontrovers-Veranstaltung mit Kathrin Fischer, Vera Plessing, Katharina Kupferer und Dorothea Müller moderierte Florian Städtler. Dr. Philippe Merz sprach mit Svenja Hoffmann im Runden Saal, Dirk Specht mit Ulrich Martin Drescher in Konferenzraum 9; die Vertiefungssessions liefen von 15:15 bis 15:45 Uhr.

Den Blick auf die Künstliche Intelligenz richtete anschließend Dr. Nikolaus Förster, geschäftsführender Gesellschafter von Impulse Medien. Seine Keynote „KI geht an die Substanz – Was macht uns und unsere Unternehmen